
Zunächst hatte die SPD, und nun auch die CDU, ein Mindestalter für soziale Medien gefordert. Unter anderem wolle man Heranwachsende vor suchtverstärkenden Funktionen schützen - und tatsächlich fällt es immer mehr Jugendlichen schwer, ihre Nutzungszeiten zu kontrollieren. Doch betroffen sind nicht nur sie.
Laut der JIM-Studie 2025 des Medienpädagogischen Forschungsverbunds Südwest fällt es 68 Prozent der befragten Jugendlichen schwer, ihre eigene Bildschirmzeit zu regulieren und sie verbringen mehr Zeit am Smartphone, als ursprünglich geplant. Zwar genießen zwei Drittel der Jugendlichen Offline-Zeiten ohne Smartphone und Internet, doch nur etwas mehr als ein Drittel schaltet das Gerät tatsächlich regelmäßig aus, um Zeit für sich zu haben.
Zu viel Zeit vor dem Bildschirm hängt jedoch nicht nur mit den Kindern und Jugendlichen selbst zusammen - häufig sind auch die Eltern Teil des Problems. Forschende des EU-finanzierten SCREENS-Projekts kommen zu dem Schluss, dass die Bildschirmgewohnheiten der Eltern, ihre Einstellung zur Mediennutzung und die Regeln im Haushalt stark mit dem Freizeit-Medienverhalten ihrer Kinder zusammenhängen.
Doch wie schafft man es selbst und als Familie von den Bildschirmen loszukommen?
Digitales Fasten: Bessere Medien-Angewohnheiten antrainieren
Die IKK Krankenkasse gibt fünf konkrete Tipps für einen gesunden Digital Detox:
- Bewusstsein: Der erste Schritt zum Digitalfasten beginnt damit, sich bewusst zu machen, wie viel Zeit man am Smartphone oder an anderen Bildschirmen verbringt. Frage dich, ob diese Zeit sinnvoll genutzt ist. Wenn die Antwort „Nein“ lautet, kann die Entgiftung beginnen. Hilfreich sind Einstellungen wie „Bildschirmzeit“ bei iOS.
- Verzicht, wo es möglich ist: Viele Berufe lassen sich kaum ohne Computer oder Internet ausüben. Gerade deshalb sollte man auf dem Weg zur Arbeit auf die Smartphone-Nutzung verzichten. Auch am Arbeitsplatz ist weniger Mediennutzung möglich - etwa durch den Verzicht aufs papierlose Büro. Notizen auf Papier, analoge To-do-Listen oder persönliche Besprechungen können bereits helfen.
- Entwöhnung im Alltag: Achtsamkeit ist ein wichtiger Schritt, um Gewohnheiten zu durchbrechen. Schalte bewusst Push-Nachrichten aus und überprüfe Nachrichten nur dann, wenn du es aktiv möchtest. Lasse dich nicht vom Handy unterbrechen.
- Verzicht in der Freizeit: In Familien mit kleinen Kindern kann eine 18-Uhr-Regel sinnvoll sein. Ab diesem Zeitpunkt endet der Medienkonsum für alle, sodass man gemeinsam zur Ruhe kommt und Kinder lernen, verantwortungsvoll mit Medienzeit umzugehen. Aber auch ohne Kinder lohnt sich ein Verzicht - etwa durch festgelegte handyfreie Zeiten wie die Joggingrunde oder den Spaziergang.
- Digital Detox im Urlaub: Besonders fernab des Alltags gelingt digitales Fasten leichter. Nimm dir im Urlaub bewusst Zeit für ein Buch, die Natur oder einfach für das Nichtstun.
Darüber hinaus empfiehlt die Caritas, bei Kindern klare Regeln zur Handynutzung aufzustellen - etwa: Dürfen Smartphones beim Essen benutzt werden? Gelten Podcasts, Hörbücher oder Fernsehen ebenfalls als Bildschirmzeit?
Ein Detox muss zudem nicht sofort und radikal erfolgen - er kann auch in kleinen Schritten mit klar begrenzten Zeitrahmen beginnen, betont das Bundesinstitut für Öffentliche Gesundheit. Neben festen smartphonefreien Zeiten können gemeinsame Medienzeiten für alle festgelegt werden. Sinnvoll ist außerdem, die freigewordene Zeit aktiv zu nutzen: Statt zu scrollen stehen dann bewusst gemeinsame Familienaktivitäten auf dem Plan.
Im Vorfeld sollte jedoch mit allen Familienmitgliedern über das Vorhaben gesprochen werden, betont das Bundesinstitut. Gerade Jugendliche seien motivierter, wenn sie in die Planung einbezogen werden und ein Mitspracherecht haben. Nachhaltiger kann ein Digital Detox außerdem wirken, wenn die Sorgen und Bedenken der Kinder angehört und offen diskutiert werden. So können Eltern auch ihre eigenen Gründe und Befürchtungen teilen.


