
Am Samstag, 21. Februar, feiert ein neuer Psychothriller mit dem Titel „Bevor es zu spät ist, bricht der Tag nicht an“ im Metropolis Filmtheater in Nürnberg Premiere. Der Film wurde nicht nur von einem Fürther Drehbuchautor geschrieben, sondern spielt auch noch in der Region.
Gedreht wurde der Film bereits vor 17 Jahren. Beinahe wäre er gar nicht veröffentlicht worden. Im Gespräch mit der Redaktion erzählt Regisseur Kai Kopka, wie sein Werk doch noch den Weg auf die große Leinwand fand und warum ein spirituelles Ritual auf Bali dabei entscheidend war.
Aus Kurzfilm wird ein „Langfilm“
Es ist 2009, irgendwo in Fürth. Kai Kopka hat die Idee gemeinsam mit einem Freund einen Kurzfilm zu drehen. Damals weiß er noch nicht, dass sein Film erst 20 Jahre eingestaubt im Keller verbringen muss, bevor er doch noch ausgegraben und der Welt gezeigt wird. Aber von vorne: Vor 17 Jahren arbeiteten Kopka und sein Kumpel an einem Kurzfilm. Doch schnell stellen sie fest: Aus dem Kurzfilm wird ein „Langfilm“. Die Ideen sprudeln nur so aus dem Fürther Drehbuchautor heraus. Innerhalb von drei Wochen ist das Skript für den Film fertig. „Das muss in einem Fluss geschehen. Ich mag es nicht zu lange an Drehbüchern zu arbeiten“, verrät Kopka im Gespräch mit nordbayern.de. Eigentlich hatte der gebürtige Fürther nie vor einen Thriller zu drehen, aber das Projekt habe sich einfach so entwickelt.
Um was geht es in dem Psychothriller?
Der Indie-Thriller „Bevor es zu spät ist, bricht der Tag nicht an“ wurde im Kammerspielformat gedreht und erzählt von Marcel, der am Tiefpunkt seines Lebens steht: Er verliert seinen Job an der Tankstelle und seine Freundin Elena will ihn vor die Tür setzen. Um dem Chaos zu entkommen und Elena nicht zu verlieren, überredet er seine beiden Druffi-Freunde Steffen und Christian zu einer riskanten Aktion. Schon bald verstricken sich die drei in ein verflochtenes Netz aus Intrigen, Lügen und Verdächtigungen. In einer Pressemitteilung heißt es, der Film bewege sich an „der Schnittstelle von psychologischer Spannung und innerer Abgründigkeit.“ Statt klassischer Schockeffekte setze das Werk eher auf Atmosphäre, psychologischen Druck und die Frage, wie schmal der Grad zwischen Kontrolle und Kontrollverlust tatsächlich ist.
Sieht man Schauplätze aus der Region?
Kopka verrät, dass sich die Tankstelle in der Marcel arbeitet im Quelle-Versandzentrum in Nürnberg befand. Die Wohnung, in der einige Szenen des Films spielen, befindet sich in Fürth. Viel von der Stadt wird man in dem Streifen allerdings nicht sehen. Der Regisseur sagt jedoch, genau das, sei das Konzept seines Werkes. So soll weder zu erkennen sein wo der Film spielt noch wann genau die Handlung stattfindet. Es sei nur zu erkennen, dass der Film in den 80er oder 90er Jahren spielt.
Bei spirituellem Ritual an Film erinnert
Kopka und sein Freund drehen den Film bereits 2009 ab. Das Tageslicht erblickt der Steifen jedoch nicht, da sie sich zerstreiten. Und so wird das Projekt erst einmal auf Eis gelegt und landet bei Kopka in einer Kiste im Keller. Einige Jahre später steckt der heute 50-Jährige in einer Lebenskrise. Die Reise zu sich selbst, verschlägt ihn unter anderem nach Indien und Indonesien. Auf Bali erlebt der Regisseur eine spirituelle Erleuchtung. Bei einer rituellen Palmblattlesung wird der Fürther an seinen Film erinnert. „Ohne das Palmblatt hätte ich diesen Film niemals fertiggestellt“, erzählt Kopka.
Was ist eine Palmblattlesung?
Eine Palmblattlesung ist eine traditionelle Wahrsagepraxis aus Indien. Der Überlieferung nach haben alte Weise schon vor Jahrhunderten die Lebenswege vieler Menschen auf getrocknete Palmblätter geschrieben. Bei der Lesung sucht ein Nadi-Leser anhand von Name oder Daumenabdruck das passende Bündel. Als „passend“ gilt ein Blatt, wenn die geschilderte Vergangenheit genau zum eigenen Leben passt – andernfalls wird weitergesucht. Ist das „richtige“ Blatt gefunden, enthält es Angaben zur Person sowie Deutungen zu Gegenwart und möglichen zukünftigen Entwicklungen, oft verbunden mit spirituellen Ratschlägen.
Kopkas Palmblatt sagte ihm voraus, dass er den Film fertig stellen wird und, dass er Lehrer wird. Beides ist eingetreten: Der Streifen erscheint am Wochenende im Kino und der Drehbuchautor ist seit mehreren Jahren Schauspiellehrer für Kinder und Jugendliche. Wie genau die Deutungen der Palmblätter tatsächlich sind, ist jedoch umstritten.
Kopka findet Film nach Jahren wieder
Für den 50-Jährigen war nach der Lesung klar: „Das ist ein Zeichen.“ Doch wo war der Film nun nach all den Jahren? Kopka erzählt, dass er von dem spirituellen Leser nur einen Hinweis bekommen habe: Der Film ist irgendwo bei ihm in der Wohnung. Wieder Zuhause durchwühlte der Fürther sein Hab und Gut. In einer Kiste im Keller, die er seit Jahren nicht geöffnet hatte, schlummerte er: Der Film den er vor Ewigkeiten produziert hatte.
Zusammen mit einem Editor und einem Komponisten verpasst Kopka dem Film einen zeitgemäßen Look und einen Soundtrack. Feinheiten im Schnitt und Ton wurden ausgebessert und ein Filter, extra für Kinofilme, wurde über das Werk gelegt. „Der Film hat jetzt ein hohes qualitatives Niveau“, erklärt der Regisseur.
Der Titel hat eine besondere Bedeutung
Auch der Titel erhielt wurde überarbeitet. Ursprünglich hieß das Werk „Tomorrow never comes until its too late“. Da Kopka den englischen Titel aber „irgendwie doof“ fand, wurde daraus das deutsche Pendant „Bevor es zu spät ist, bricht der Tag nicht an“. Der poetische Titel hat für den Drehbuchautor eine ganz besondere Bedeutung. Der Ausdruck „bevor es zu spät ist“ sei eine Mahnung zur frühen Handlung und zur Warnung vor Versäumnissen. Der Satz „der Tag bricht nicht an“ bedeute, dass „die Errettung oder der entscheidende Wendepunkt nicht vorzeitig eintreten wird, sondern erst nach der Erfüllung der Voraussetzungen“, so Kopka. Die Aussage unterstreiche laut dem Regisseur, dass Zeit und Entscheidung entscheidend seien.
Warum? statt Was?
Der Drehbuchautor betont, dass in seinem Film vor allem „das Zwischenmenschliche“ im Fokus stehe. Darum wird im Film auch erst am Ende gezeigt, was genau Marcel und seine Freunde eigentlich geklaut haben. Kopka verrät, dass das bewusst so gefilmt wurde. Das Hauptaugenmerk soll darauf liegen, warum die Protagonisten so handeln wie sie es tun.
Viele Schauspieler sind jetzt Stars
Nicht nur bei der Auswahl des Titels wurde sehr akribisch gearbeitet, auch die Besetzung des Films wurde beim Casting genau unter die Lupe genommen. Kopka berichtet, dass bei der Auswahl der Schauspieler das Aussehen zweitrangig war. „Wir haben geschaut, ob der Charakter zu dem passt, wie er im Drehbuch beschrieben wurde“, erzählt der Regisseur. Sein Anspruch dabei: Ehrlich bleiben. Die Zuschauer sollen den Charakteren die Handlung voll und ganz abnehmen können. Einige Schauspieler, die zu sehen sind, standen damals vor ihrem Karrierebeginn, zum Beispiel Ben Blascovic (96 Folgen Rosenheim Cops), Deborah Müller (400 Folgen „Sturm der Liebe“), Paul Gant (Sänger/Entertainer im Sinatra-Stil) oder Sven Schmidke (aktuell: Pumuckl Motion Capturing).
Kopka als „Franken-Tarantino“?
Bei Testscreenings mit Freunden und Bekannten kam das psychologisch ausdifferenzierte Kammerspiel sehr gut an. Kopka berichtet, dass er sogar als „Franken-Tarantino“ betitelt wurde, was für ihn eine große Ehre sei. Der Drehbuchautor erhielt auch die Rückmeldung, dass der Film die Zuschauer mitgerissen habe, da er so lebensnah sei. Kopka erzählt, dass viele Menschen solche Charaktere wie Marcel und die Verhältnisse in denen er lebt, nachempfinden können. Der Fürther berichtet, dass eine Freundin von ihm, den Film nicht zu Ende sehen konnte, da er sie zu sehr aufwühle. Kopka sieht das als Kompliment: „Wenn der Film berührt, dann ist er gut.“
Kopka für Premiere vor Ort
Am Samstag, dem 21. Februar, feiert der Film „Bevor es zu spät ist, bricht der Tag nicht an“ nach fast 20 Jahren endlich seine Premiere. Der Film wird um 18 Uhr im Kinosaal eins im Metropolis in Nürnberg zu sehen sein. Kai Kopka, sowie einer der Hauptdarsteller werden für die Erstaufführung ebenfalls vor Ort sein.
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