Über mehrere Stunden hinweg zog sich am Mittwoch ein großer Einsatz am Nürnberger Kornmarkt. Bei der Postannahme der Gewerkschaft Verdi, die einen Sitz im DGB-Gebäude hat, wurde ein Brief mit einem weißen Pulver und einem Drohschreiben entdeckt. Weil zunächst nicht klar war, worum es sich bei dem Pulver handelt, mussten elf Personen in Quarantäne bleiben und durften das Gebäude mehrere Stunden lang nicht verlassen. Erst am Abend kam nach zwei Schnelltests die Entwarnung, die Substanz sei nicht gefährlich. Beim Verlassen des Gebäudes mussten die elf Personen dekontaminiert werden.
Am Mittwochabend äußert sich auch die Gewerkschaft selbst, geht dabei konkret auf den Inhalt des Drohbriefes ein und zeigt sich erschüttert über die Tat.
Drohung „auf das Schärfste verurteilt“ - ver.di äußert sich zu Drohbrief und ABC-Einsatz in Nürnberg
Zunächst gingen weder die Polizei noch die Stadt Nürnberg aus ermittlungstechnischen Gründen näher auf den Inhalt des Drohschreibens ein. Die Gewerkschaft selbst veröffentlichte nun aber ein Statement zu dem Vorfall, unter anderem zu dem Inhalt des Briefes.
So wurde nach Angaben der Gewerkschaft in dem Schreiben explizit geäußert, Beschäftigte von Verdi sollten „an Milzbrand sterben“. Als Begründung wurden der Gewerkschaft zufolge Streiks genannt.
Grundsätzlich verzeichne die Gewerkschaft in den letzten Monaten eine Zunahme von Drohungen. Diese würden sich im Kern gegen Streiks richten. „Wir verurteilen die Drohung auf das Schärfste. Ganz offensichtlich wollen die Täter Angst und Verunsicherung verbreiten“, wird Luise Klemens, Landesbezirksleiterin von ver.di Bayern, in der Pressemeldung zitiert. Sie betont zudem , dass das Streiken zum demokratischen Grundrecht der Menschen gehöre. Die Zunahme von Drohungen in diesem Zusammenhang sei laut Klemens daher besorgniserregend.
Auch Frank Werneke, der Bundesvorsitzende von Verdi, wird in der Meldung zitiert: „Es ist empörend und absolut inakzeptabel, dass Menschen und ihre Gewerkschaft mit dem Tod bedroht werden.“ Das Streikrecht sei kein Selbstzweck, sondern eine Voraussetzung für faire Löhne und gute Arbeitsbedingungen, so Werneke. Der Gewerkschaft sei bewusst, dass die Arbeitskämpfe Auswirkungen auf viele Menschen haben. Dennoch rechtfertige laut Werneke nichts „eine solche Eskalation“. Die Gewerkschaft äußert die Hoffnung, dass die Täter schnell ermittelt und zur Verantwortung gezogen werden.