Ein Brief mit einem zunächst unbekannten weißen Pulver und einem Drohschreiben hat am Mittwoch einen umfangreichen ABC-Einsatz im Gewerkschaftshaus am Kornmarkt ausgelöst. In dem Gebäude, in dem unter anderem die Gewerkschaft Verdi ihren Sitz hat, wurde daraufhin eine Etage vorsorglich unter Quarantäne gestellt. Niemand durfte in das Gebäude rein, niemand raus. Der Bereich vor dem DGB-Haus war auch gegen 18 Uhr noch abgesperrt. Die Berufsfeuerwehr Nürnberg kam bereits am Nachmittag für mögliche Dekontaminationsmaßnahmen zum Einsatzort, teilte die Polizei Mittelfranken mit. Spezialkräfte der Feuerwehr, darunter ein ABC-Team, waren ebenfalls über mehrere Stunden hinweg im Einsatz.
„Achtung! Am Vormittag ist bei der Gewerkschaft ver.di im DGB-Haus am Kornmarkt ein Umschlag eingegangen“, teilte auch die Stadt Nürnberg am Mittag auf ihrem Facebook-Kanal mit. Die verdächtige Substanz in dem Brief sei laut Polizeiangaben gegen 10.30 Uhr aufgefunden worden. Wie Andreas Franke, Sprecher der Stadt Nürnberg, in einem Interview gegenüber der Agentur News5 am Nachmittag bekannt gab, befand sich in dem Umschlag zudem ein Drohschreiben. Um welche Substanz es sich bei dem weißen Pulver handelt, war zunächst unklar. Die Stadt machte aber klar, dass keine Gefahr für die Bevölkerung bestehe.
Im Gebäude waren zu dem Zeitpunkt elf Personen, die zunächst im Gebäude bleiben mussten. Erst musste geklärt werden, um welche Substanz es sich handelt. Seitens der Stadt hieß es am Nachmittag, drei der Personen seien direkt in Berührung mit dem Pulver gekommen. Sohrab Taheri-Sohi, Pressesprecher der Sanitäts-Einsatzleitung des Bayerischen Roten Kreuzes (BRK), teilte am Nachmittag in einer Pressemeldung mit, dass eine Person, die mit der Substanz in Kontakt kam, sich infolgedessen psychisch stark belastet zeigte. Dadurch galt sie als mittelschwer erkrankt. Die Person wurde laut Taheri-Sohi in der Quarantäne betreut.
Gegen 18 Uhr kam mittels einer Pressemeldung der Stadt Nürnberg eine Entwarnung. Die unbekannte Substanz sei nicht gefährlich. Dies hätten zwei Schnelltests des Bayerischen Landesamtes für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und des Analytischen Task Force der Berufsfeuerwehr München ergeben. Ein ausführlicher Test laufe aktuell noch beim LGL in Oberschleißheim.
Nach der Entwarnung konnten die elf Personen das Gebäude verlassen. Sie mussten jedoch eine sogenannte Dekontaminationsstraße durchlaufen und dort unter anderem ihre Kleidung abgeben, so die Stadt. Die Person, die den Brief geöffnet hatte, wurde sicherheitshalber durch ein Spezialteam der Berufsfeuerwehr Nürnberg komplett nass dekontaminiert.
Die Sperrung des Bereichs vor dem Gewerkschafts-Haus soll am Abend aufgehoben werden, hieß es in der Pressemeldung der Stadt. Gegen 18.30 sollen nach Angabe eines Sprechers des Polizeipräsidiums Mittelfranken vor Ort noch Nachbesprechungen seitens der beteiligten Einsatzkräfte geführt worden.
Etwa gegen 20.30 Uhr informierte das BRK anschließend, dass der Rückbau des Einsatzes nach über acht Stunden Einsatzdauer begonnen hat. „Alle elf Personen und ein Hund wurden durch Spezialeinheiten dekontaminiert. Die Betroffenen werden jetzt noch von Gesundheitsamt, Polizei und Feuerwehr informiert und dann entlassen“, hieß es abschließend.
Über 60 Einsatzkräfte der Nürnberger Hilfsorganisationen waren im Einsatz. Um die notfallmedizinische Versorgung der Bevölkerung trotz des Einsatzes sicherzustellen, seien sämtliche regulären Einheiten des öffentlich-rechtlichen Rettungsdienstes durch ehrenamtliche Schnelleinsatzgruppen ersetzt worden, heißt es seitens des BRK. Für Betroffene wurde zuvor eine Betreuungsstelle eingerichtet, auch Kräfte der Psychosozialen Notfallversorgung (PSNV) seien dort im Einsatz gewesen.
Die Polizei hat vor Ort die Ermittlungen zu den Hintergründen - insbesondere zum Absender des Briefes sowie zur unbekannten Substanz - aufgenommen. Aus ermittlungstaktischen Gründen wird der Inhalt des Schreibens aktuell nicht bekannt gegeben, erklärte Franke. Auch das Landeskriminalamt war vor Ort. Weitere Details sind bislang nicht bekannt.
Der Artikel wurde zuletzt am 18. Februar um 21.57 Uhr aktualisiert.
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