
Immer wieder in den vergangenen Jahren schrieb der Nürnberger Hauptbahnhof Schlagzeilen als einer der gefährlichsten Bahnhöfe bundesweit. Vor diesem Hintergrund klingt eine Aussage von Oberbürgermeister Marcus König im Rahmen einer Pressekonferenz am 13. Februar wie eine großartige Nachricht. Dort sagte der CSU-Politiker: „Im und um den Hauptbahnhof ist es im Vergleich zu den vorangegangenen Jahren wieder deutlich sicherer geworden.“
Auch das bayerische Staatsministerium des Innern, für Sport und Integration teilt mit, dass jüngst insbesondere seit der Offensive „Sichere Bahnhöfe in Bayern“ die Kriminalität im nördlichen Bahnhofsbereich und im Celtispark nahezu vollständig zurückgedrängt worden sei. Nach München sei Nürnberg die zweitsicherste Großstadt Deutschlands mit über 200.000 Einwohnern, betont Innenstaatssekretär Sandro Kirchner in diesem Zusammenhang. Ende Oktober 2024 startete das Ministerium die Initiative „Sichere Bahnhöfe in Bayern“. Ziel ist es, Bahnhöfe im Freistaat durch verstärkte Fußstreifen, Drogenhunde, mehr Videoüberwachung sowie Alkohol- und Waffenverbotszonen sicherer zu machen.
Wirft man nun aber einen Blick auf die Zahlen zu Straftaten, ergibt sich in Sachen Sicherheit in und um den Nürnberger Bahnhof ein differenzierteres Bild. Ein kurzer Blick zurück: Im Jahr 2022 wurden laut Kriminalstatistik der Bundespolizei insgesamt 548 Gewaltdelikte im Bahnhof verübt, wie der Bayerische Rundfunk berichtet. Damals gehörte der Bahnhof zu den drei bundesweit am stärksten belasteten Standorten, an denen besonders viele Sexualdelikte, Gewaltverbrechen und Eigentumsdelikte erfasst wurden. Im Jahr 2023 stieg die Zahl der Gewaltdelikte dann noch weiter an - auf 608 Fälle. Die Zahlen basieren auf einer Anfrage der AfD‑Fraktion im Deutschen Bundestag zur Kriminalitätsentwicklung an verschiedenen deutschen Bahnhöfen.
Und auch im Jahr 2025 bleibt der Nürnberger Hauptbahnhof den Zahlen zufolge einer der gefährlichsten Bahnhöfe Deutschlands und rangiert weiterhin unter den bundesweiten Top Ten. So berichtete es zunächst die Bild -Zeitung Mitte Februar. Auf Anfrage unserer Redaktionbestätigt die zuständige Bundespolizei, dass am Hauptbahnhof in Nürnberg im Jahr 2025 insgesamt 528 Gewaltdelikte erfasst wurden. Damit fällt Nürnberg zwar von Platz drei auf Platz acht zurück, bleibt aber weiterhin ein kriminalitätsbelasteter Standort.
OB König: „Im und um den Nürnberger Hauptbahnhof ist es wieder deutlich sicherer geworden“ - Rathaus konkretisiert Aussage
Wie passt das nun zu den Aussagen Königs und des bayerischen Innenministeriums? Auf Anfrage dieser Redaktion äußert sich die Stadt zum Spannungsfeld zwischen den Zahlen zu Gewaltdelikten und der Äußerung des Oberbürgermeisters. Ein Sprecher teilt mit: „Die Aussagen des Oberbürgermeisters beziehen sich ausdrücklich nicht nur auf die Sicherheitslage im Hauptbahnhof, sondern auch und gerade auf das Umfeld des Hauptbahnhofs.“ Die Zahlen zu den Gewaltdelikten im Hauptbahnhof, wie sie von der Bundespolizei erhoben werden, seien insofern nur ein Anhaltspunkt von sehr vielen. Darüber hinaus habe sich in den vergangenen zwölf Monaten einiges getan, was zur subjektiven und objektiven Sicherheit rund um den Hauptbahnhof beitrage.
Die konkreten Zahlen zu Gewaltdelikten am Nürnberger Hauptbahnhof im Jahr 2025 von Seiten der Bundespolizei hätten der Stadt am Tag der Pressekonferenz (13. Februar) nicht vorgelegen. Die Statistiken der vergangenen Jahre, die als Grundlage für Königs Äußerung dienten, legten aber einen kontinuierlichen Rückgang der Gewalttaten seit 2022 nahe. „Anders als in den Jahren zuvor ist damit Nürnberg auch nicht mehr an der Spitze der Hauptbahnhöfe in Deutschland mit den meisten Gewaltdelikten“, betont der Sprecher.
Mit in die Bewertung des Oberbürgermeisters eingeflossen sei ebenso die Aufklärungsquote der Landespolizei im Bereich Nürnberger Hauptbahnhof, teilt der Sprecher mit. Diese liegt laut Sicherheitsbericht des Polizeipräsidiums Mittelfranken aus dem Jahr 2024 bei 82 Prozent. Konkrete Maßnahmen, wie die Waffen- und Messerverbotszone, die Cannabisverbotszone, eine Videoüberwachung insbesondere im Bereich Nelson-Mandela-Platz bis Südstadt-Park, ein Strategiepapier mit fünf Säulen, der Einbezug der Justiz und die konsequente Strafverfolgung sowie nicht zuletzt die Präsenz von uniformierten und zivilen Kräften stärkten, so die Aussage der Stadt, die Sicherheit rund um den Hauptbahnhof. „All das zusammen rechtfertigt die Aussage [des Oberbürgermeisters, Anmerk. Red.], dass es ,deutlich sicherer‘ geworden ist“, resümiert der Stadtsprecher.
