Nürnberg - Die Einwohner von Gebersdorf sind traurig. Der Grund: Ihr geschätzter Paketbote muss bald in einem anderen Stadtteil Pakete ausfahren. Um das zu verhindern, starteten die Anwohner eine Petition für „ihren Dani“.

Seit fast 30 Jahren gehört sein täglicher Rundgang so selbstverständlich zum Viertel wie die vertrauten Häuserfassaden. Für viele Anwohner ist Taner Rösl weit mehr als die Person, die ihnen ihre Briefe bringt. Täglich klingelt er an den Haustüren von Gebersdorf, einem Stadtteil von Nürnberg, und übergibt den Bewohnern ihr Paket mit einem Lächeln im Gesicht oder einem netten Pläuschchen.

Doch damit droht bald Schluss zu sein. Der 54-Jährige soll versetzt werden - und das gegen seinen Willen. Die Einwohner von Gebersdorf wollen „ihren Dani“ mit einer Petition als Paketboten behalten.

Nach fast 30 Jahren wird er versetzt

Seit 28 Jahren stellt Taner Rösl täglich Pakete in Gebersdorf zu und ist dort für viele längst ein vertrautes Gesicht geworden. Er kenne den Ort „wie seine Westentasche“, sagt Michael Pfeuffer, der die Petition ins Leben gerufen hat. Nach dessen Angaben hätten Rösls Vorgesetzte bei der DHL jedoch entschieden, dass Röthenbach ab dem 17. März sein neues Zustellgebiet sein wird. Den Grund dieser Versetzung kenne Rösl selbst nicht, so Pfeuffer. Über den plötzlichen Arbeitsplatzwechsel regieren sowohl der beliebte DHL-Fahrer als auch die Einwohner von Gebersdorf mit großer Betroffenheit.

Die Anwohner haben seine Handynummer

Für die Menschen in Gebersdorf ist Taner Rösl weit mehr als nur der Zusteller. Michael Pfeuffer berichtet, dass ihn im Stadtteil praktisch jeder kenne – viele Anwohner hätten sogar seine Handynummer. Rösl wisse genau, wer wo wohnt und an welchem Haus er ein Paket guten Gewissens versteckt ablegen könne, falls niemand zu Hause ist. Nicht selten greife der Paketzusteller zum Telefon oder schreibe eine Nachricht, um Bescheid zu geben, dass er mit einer Sendung vor der Tür steht.

Immer ein Lächeln im Gesicht

Doch nicht nur seine Verlässlichkeit macht Taner Rösl für die Menschen in Gebersdorf so besonders. Auch seine sichtbare Freude an der Arbeit kommt bei den Anwohnern an – und hat ihm den liebevollen Spitznamen „Dani“ eingebracht. „Dani kennt jeden von uns beim Namen, begrüßt uns mit einem Lächeln und ist immer für einen kurzen Plausch zu haben“, erzählt Michael Pfeuffer begeistert. Mit seiner freundlichen und zuverlässigen Art habe er sich einen festen Platz in den Herzen der Gebersdorfer erarbeitet. Der Paketbote sei ein echtes „Schmuckstück für Gebersdorf“, schwärmt Pfeuffer weiter.

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DHL-Fahrer Taner Rösl hat bei seinen Kunden in Gebersdorf einen ganz besonderen Stellenwert. © dpa

Seinen Spitznamen verdankt er übrigens einer charmanten Gedächtnislücke der Bewohner: Den türkischen Vornamen „Taner“ konnten sich einige nicht merken und machten daraus kurzerhand das fränkische „Dani“. Für Rösl sei das kein Problem - er höre seit Jahren auch auf seinen „neuen“ Namen, erzählt Pfeuffer.

Petition soll Versetzung des Postboten verhindern

Michael Pfeuffer berichtet, dass Rösl am Freitag, 13. Februar, allen Haushalten in Gebersdorf persönlich die Nachricht seiner Versetzung überbracht habe. Wie alle Anwohner, war auch Pfeuffer entsetzt: „Es wäre fatal, wenn er den Stadtteil verlassen müsste.“ Denn, so betont er, gehe es längst nicht mehr nur um zugestellte Briefe und Pakete, sondern um die gewachsenen Beziehungen und das Vertrauen, das über Jahre entstanden sei. Kurzerhand startet der Gerbersdorfer eine Petition in der er das Unternehmen DHL auffordert, die Entscheidung der Versetzung zu überdenken und Rösl in Gebersdorf zu belassen. Pfeuffer teilte den Link zur Petition anschließend in den sozialen Medien und erntet viel Zuspruch für seine Idee.

Versetzung wegen angepasstem Personaleinsatz

Doch warum muss Taner Rösl sein geliebtes Zustellgebiet überhaupt verlassen? Auf Anfrage unserer Redaktion teilt Clara-Sophie Würkner, Pressesprecherin der DHL, mit, dass das Unternehmen die Anzahl der Zustelltouren und den Personaleinsatz je nach Arbeitsaufkommen anpassen würde, um besser auf die zunehmenden Mengenschwankungen bei Paket reagieren zu können. Es werde bundesweit seit längerem auf Verbundzustellung umgestellt.

„Verbundzustellung bedeutet, dass Briefe und Pakete von einer Zustellkraft gebündelt zugestellt werden. Während in Städten die Briefzustellung und die Paketzustellung aufgrund ausreichender Sendungsmenge noch getrennt erfolgt, stellen wir im eher ländlichen und stadtnahen Bereich Briefe und Pakete schon seit vielen Jahren gemeinsam zu“, so Würkner. Aufgrund der weiter abnehmenden Briefmenge werde die DHL den Anteil der Verbundzustellung von aktuell rund 70 Prozent auf 90 Prozent bis 2030 ausweiten.

Personalbestand muss flexibel sein

Ab März wird auch Gebersdorf als Teil von Nürnberg‑Eibach in die Verbundzustellung überführt, berichtet die Pressesprecherin. Hiermit einhergehend werde Rösel ein neues Zustellgebiet zugewiesen. Doch das Unternehmen erkennt auch, dass diese Umstellung eine „riesige Veränderung für die Zustellkräfte“ ist. Geleichzeitig hebt das Unternehmen die Vorteile für die Mitarbeitenden durch diese Maßnahmen hervor: Zum Beispiel, dass sie im Wochen- und Jahresverlauf „gleichmäßiger belastet“ werden.

Würkner merkt an, dass „auf die schwankenden Bedarfe nicht länger mit einem starren Personalbestand“ reagiert werden könne. „Gerade vor dem Hintergrund der wirtschaftlich und regulatorisch herausfordernden Situation für Deutsche Post und DHL wäre es unverantwortlich, die früher starre – und häufig unwirtschaftliche – Steuerung weiterzuführen“, so Würkner.

Viele nette Worte in den Kommentaren der Petition

Innerhalb kürzester Zeit unterschrieben mehr als 1.000 Menschen die Petition zugunsten von Taner Rösl. Viele der Unterstützer kennen ihn persönlich und hinterließen ihm unter der Petition herzliche Worte. Eine Nachricht lautet etwa: „Der beste, freundlichste, zuverlässigste DHL-Fahrer der Welt. Er kümmert sich rührend um alle Kunden, kennt jeden mit Namen und trägt auch schwere Pakete in die Wohnung. Über die langen Jahre haben wir ein sehr gutes Verhältnis aufgebaut und wir wollen keinen anderen Fahrer!!“ Ein anderer Nutzer schreibt, man merke deutlich, dass Rösl seinen Beruf nicht einfach nur erledige, sondern ihn aus echter Überzeugung ausübe. Weiter heißt es: „Es wäre toll, wenn DHL auch auf die Wünsche seiner Mitarbeiter eingeht, wenn diese zuverlässig arbeiten.“

Wie sehr ganz Gebersdorf „ihren Dani“ ins Herz geschlossen hat, zeigen auch Kommentare, in denen berichtet wird, dass selbst Kinder in der Schule den DHL-Fahrer kennen und freudig seinen Namen rufen würden, wenn sie ihn sehen. Ein weiterer Unterzeichner erklärt sogar, er vertraue seinem Paketboten so sehr, dass er ihm ohne Zögern seinen Hausschlüssel anvertrauen würde.

Ohne Dani wäre es nicht dasselbe

„Ohne Dani wird in Gebersdorf definitiv eine Lücke entstehen“, sagt Michael Pfeuffer. Die Stimmung im Stadtteil sei derzeit von Unsicherheit geprägt, weil viele nicht wüssten, wie zuverlässig ein möglicher Nachfolger sein werde. Zwar habe man in der Vergangenheit auch mit Zustellern anderer Postunternehmen zu tun gehabt, doch keiner habe „ihrem Dani“ das Wasser reichen können. Ohne ihn gehe die persönliche Note verloren, die er über Jahre in den Alltag der Menschen gebracht habe und die sich kaum ersetzen lasse.

Mit der Petition wollen die Bürger deutlich machen, welche Bedeutung Taner Rösl für ihren Stadtteil hat. Seine Versetzung sei nicht nur eine interne Personalentscheidung, sondern eine Veränderung, die das ganze Dorf betreffe. Oder, wie es ein Unterzeichner der Petition formuliert: „Dani gehört einfach zu Gebersdorf, Punkt. Aus. Ende.“

Anmerkung der Redaktion: Dieser Text wurde am 18. Februar überarbeitet.

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