Nürnberg - 71 Prozent der Frauen fühlen sich im Dunkeln unsicher. Die Grünen wollen gegensteuern - mit Taxigutscheinen und Forderungen nach mehr Sicherheit in Nürnberg.

Gewalt gegen Frauen bleibt in Deutschland ein gravierendes gesellschaftliches Problem - und die Zahlen steigen weiter. Sie zeigt sich in vielen Formen: körperlich, sexualisiert, psychisch oder strukturell. Neue Statistiken des Bundeskriminalamts belegen, dass die Zahl der polizeilich erfassten weiblichen Opfer in nahezu allen Deliktsgruppen erneut gestiegen ist. Dabei ist bekannt, dass nur ein Bruchteil der tatsächlichen Fälle überhaupt zur Anzeige gebracht wird.

Auch das Sicherheitsgefühl von Frauen im öffentlichen Raum ist stark beeinträchtigt. In einer Forsa-Umfrage aus dem vergangenen Jahr gaben 71 Prozent der befragten Frauen an, in Deutschland Angst zu haben, wenn sie im Dunkeln aus dem Haus müssen.

Die Grünen Nürnberg starten deshalb die Aktion „Frauen*-Nachttaxi“. Insgesamt stellen sie 150 Taxigutscheine im Wert von jeweils zehn Euro zur Verfügung. Das Angebot richtet sich ausdrücklich auch an trans* Frauen sowie Personen mit dem Geschlechtseintrag „divers“. Die Gutscheine können zwar rund um die Uhr genutzt werden, sollen aber vor allem Frauen in der Nacht ein sichereres Heimkommen ermöglichen.

„Freiheit heißt auch, sich nachts ohne Angst durch die eigene Stadt bewegen zu können. Wir wollen, dass Frauen* in Nürnberg sicher nach Hause kommen – egal ob nach der Arbeit, dem Kino oder einem Abend mit Freunden. Die Gutscheine sind ein erster Schritt, unser Ziel ist eine Stadt, in der Sicherheit selbstverständlich ist“, sagt Britta Walthelm, OB‑Kandidatin der Grünen für die Kommunalwahl am 8. März.

Auch aus der Partei kommt Zustimmung für das Projekt. „Viele Frauen kennen das Gefühl, nachts den Schlüssel schon in der Hand zu haben, den Schritt zu beschleunigen oder noch jemanden anzurufen, bis man zu Hause ist. Das sollte in einer Stadt wie Nürnberg nicht notwendig sein“, sagt die Kreisvorsitzende Marie Hartz. Natalie Keller, Sprecherin für Gleichstellung, betont zudem die Folgen von Unsicherheit im öffentlichen Raum: „Wer sich auf dem Heimweg unsicher fühlt, überlegt zweimal, ob sie abends noch ausgeht, eine Veranstaltung besucht oder länger im Büro bleibt. Sicherheit bedeutet auch, selbstverständlich am öffentlichen Leben teilnehmen zu können.“

Mit der Gutschein‑Aktion wollen die Grünen nicht nur eine kurzfristige Entlastung schaffen, sondern eine breitere Debatte über konkrete Verbesserungen anstoßen. Dazu gehören nach ihrer Auffassung eine bessere Beleuchtung im öffentlichen Raum, mehr geschultes Sicherheitspersonal an U‑Bahnhöfen in der Nacht sowie die Förderung von Selbstbehauptungs- und Selbstverteidigungskursen für Mädchen. Außerdem fordern sie digitale Meldesysteme und ein tragfähiges Konzept, das ausreichend finanziert ist und gemeinsam mit Mädchen und Frauen entwickelt wird.

Ausgabe der Gutscheine in Nürnberg

Die Gutscheine werden bei mehreren Veranstaltungen ausgegeben. Der erste Termin ist am 14. Februar von 14 bis 18 Uhr beim Aktionstag „One Billion Rising“ am Grünen Infostand in der Karolinenstraße 12. Weitere Gutscheine gibt es am 20. Februar zwischen 19 und 21 Uhr beim feministischen Kneipenquiz in der Tante Betty Bar in der Schweppermannstraße 1. Der letzte Ausgabetermin ist am 6. März, wenn die Grünen erneut von 16 bis 20 Uhr mit einem Infostand in der Karolinenstraße 12 präsent sind.


Hinweis der Redaktion

Gewalt an Frauen geschieht meist im Verborgenen und hat viele Gesichter. Psychische, physische oder sexuelle Gewalt kann jede Frau betreffen. Stalking, Schläge oder Missbrauch sind oft nur ein Teil davon. Wenn auch Sie das Gefühl haben betroffen zu sein, können Sie die kostenlose Nummer des Hilfetelefons „Gewalt gegen Frauen“ wählen. Unter der 08000/116016 haben Sie die Möglichkeit, rund um die Uhr anonym und vertraulich Kontakt zu Beraterinnen aufzunehmen. Die Beratung kann auch über einen Online-Chat oder per E-Mail erfolgen. Das Frauenhaus in Nürnberg erreichen Sie ebenfalls 24 Stunden am Tag unter der 0911/333915, das Frauenhaus in Fürth rund um die Uhr unter 0911/729008. Von Gewalt betroffene Männer können sich beim „Hilfetelefon Gewalt an Männern“ unter der 0800/1239900 ebenfalls Unterstützung suchen.