
Während weltweit wieder mehr gereist wird, meiden viele Menschen derzeit gezielt die USA. Im Dezember sank die Zahl internationaler Reisender bereits den achten Monat in Folge, wie aus Daten des National Travel and Tourism Office hervorgeht, die Anfang Januar veröffentlicht wurden. Insgesamt kamen aus zehn der zwanzig wichtigsten Herkunftsländern im vergangenen Jahr weniger Touristen, darunter auch Deutschland. Nach Daten der International Trade Administration sank die Zahl der ausländischen Besucherinnen und Besucher 2025 um 4,2 Prozent, berichtet Bild.
Gegenüber der Financial Times erklärte Erik Hansen, Senior-Vice-President der US-Travel-Association, dem Bild-Bericht zufolge: „Die USA sind das einzige große Reiseziel weltweit, bei dem die Ausgaben internationaler Besucher zurückgehen.“ Hansen zufolge seien die Auswirkungen enorm. Wie Bild schreibt, spricht er von rund elf Millionen Touristen weniger und gut 50 Milliarden Dollar Einnahmeverlust. Auch hunderttausende Arbeitsplätze würden dadurch verloren gehen.
Der Grund für die sinkende Attraktivität des Reiseziels USA liegt unter anderem in Handelskonflikten, Zollstreitigkeiten und geopolitischen Spannungen. Außerdem hat die Regierung etwa Einreiseverbote für Reisende aus mehr als einem Dutzend Ländern verhängt sowie Visa für 75 Staaten ausgesetzt, darunter etwa Brasilien und Thailand. Hinzu kommen verschärfte Kontrollen, auch digital. Bild zufolge stiegen die Checks von unterschiedlichen Geräten an den amerikanischen Grenzen im vergangenen Jahr um 18 Prozent, Bild bezieht sich dabei auf Angaben des US-Zoll und Grenzschutzes.
Damit nicht genug: Auch sollen Reisende aus zahlreichen Ländern künftig ihre Social-Media-Aktivitäten der vergangenen fünf Jahre offenlegen. Betroffen sind Besucherinnen und Besucher, die mit dem elektronischen Antrag Esta in die USA einreisen – der gängigen, visumfreien Genehmigung für Touristen und Geschäftsreisende aus mehr als 40 Ländern, am Visa Waiver Program (VWP) teilnehmen. Der Aufenthalt in den USA ist damit für maximal 90 Tage erlaubt. Auch Deutsche wären demnach von der Regelung betroffen.
Die Linie der US-Regierung rund um Donald Trump gegen Verbündete und die Einwanderungsrhetorik des Präsidenten schrecken ab: „Die USA verlieren Marktanteile, da die Verbindungen zwischen Reisen und Handel schwächer werden und die Wahrnehmung einer geringeren Offenheit Besucher abschreckt“, schreibt Adam Sacks von Tourism Economics in einem Bericht über Reisetrends im Jahr 2025 laut Bild.
Wie Bild weiter berichtet, ist der Rückgang besonders bei den Kanadierinnen und Kanadiern zu bemerken. Demnach reisen gut zehn Prozent weniger in die USA. Auch Europa (–3,1 Prozent) und der Nahe Osten (–3 Prozent) wenden sich ab. Bereits im März 2025 ging die Zahl der Westeuropäer, die mindestens eine Nacht in den USA verbrachten, im Vergleich zum Vorjahr um 17 Prozent zurück. Reisen aus Irland, Norwegen und Deutschland sanken sogar um mehr als 20 Prozent.
Neben der Hotellerie spüren auch Airlines die Entwicklungen. So registrierte etwa die Lufthansa Bild zufolge für das dritte Quartal 2025 eine gewisse Buchungszurückhaltung bei gerade günstigeren Tickets.
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