Nürnberg - Im Winter steigt in vielen Häusern und Wohnungen die Belastung durch das radioaktive Gas Radon. Das kann schwerwiegende gesundheitliche Folgen haben - doch mit einfachen Maßnahmen lässt sich das Risiko schnell senken.

Stoßlüften gilt als typisch deutsche Angewohnheit - und als sinnvolle noch dazu. Frische Luft verbessert nicht nur das Raumklima und beugt Schimmelbildung vor, sie schützt auch die Gesundheit. Das Bundesamt für Strahlenschutz (BfS) empfiehlt gerade im Winter, trotz niedriger Temperaturen, regelmäßig zu lüften. Denn ohne ausreichenden Luftaustausch kann sich in Innenräumen das radioaktive Edelgas Radon ansammeln - mit schweren Folgen für die Gesundheit.

Radon ist ein farb- und geruchsloses Edelgas, das beim radioaktiven Zerfall von Uran und Radium in Böden und Gesteinen entsteht. Es gilt nach dem Zigarettenrauchen als zweithäufigste Ursache für Lungenkrebs. Über Risse im Fundament, undichte Rohrdurchführungen oder Kabelschächte kann Radon in Häuser gelangen.

Warum die Belastung im Winter besonders hoch ist

Besonders hoch ist die Belastung häufig in der kalten Jahreszeit. Laut BfS kann die Radonkonzentration in einem ungelüfteten Kellerraum im Winter je nach Gebäude um den Faktor fünf bis zehn höher liegen als in einem gut gelüfteten Raum im Sommer. Das liegt unter anderem am sogenannten Kamineffekt: Warme Heizungsluft steigt im Haus nach oben und erzeugt einen kaum wahrnehmbaren Unterdruck, wie der Lungeninformationsdienst des Helmholtz Zentrums München erklärt. Dadurch wird radonhaltige Luft aus dem Untergrund in das Gebäude gesaugt und gelangt über Treppenhäuser, Aufzüge oder Kaminschächte bis in die oberen Etagen.

Hinzu kommt laut Experten ein weiteres Problem: Viele Gebäude sind im Zuge von Energiesparmaßnahmen besser isoliert worden. Das reduziert zwar Wärmeverluste, schirmt die Innenräume jedoch auch stärker von der Außenluft ab und erschwert so den Abtransport von Radon

Lungenkrebs-Risiko durch Radon: Zerfallsprodukte schädigen die Lunge

Gefährlich sind vor allem die Zerfallsprodukte des Gases. Diese lagern sich in der Lunge ab und können durch ihre Alpha-Strahlung Zellschäden verursachen. Angaben der Österreichischen Agentur für Gesundheit zufolge haften die radioaktiven Folgeprodukte von Radon an den Bronchien und schädigen die oberen Zellschichten der Lungenbläschen nachweislich. Bereits je 100 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft steigt das relative Lungenkrebsrisiko um etwa 16 Prozent, so der Lungeninformationsdienst.

„Je höher die Radonkonzentration in der Raumluft ist, und je länger wir uns dort aufhalten, desto höher wird das Risiko, an Lungenkrebs zu erkranken“, heißt es dort weiter. Bis zum Ausbruch der Krankheit vergehen dabei oft Jahrzehnte. Aufgrund einer starken Wechselwirkung treten die meisten radon-verursachten Lungenkrebsfälle bei Rauchern auf.

10,5 Millionen Menschen in Deutschland mit zu hohen Radonwerten belastet

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) empfiehlt basierend auf Lungenkrebsrisiken einen Referenzwert von 100 Becquerel pro Kubikmeter Raumluft als maximal akzeptable Radonkonzentration. Deutschland hat einen deutlich höheren Grenzwert festgelegt: 300 Becquerel pro Kubikmeter für Aufenthaltsräume wie Wohn- und Schlafzimmer sowie für Arbeitsplätze in Gebäuden.

Nach Angaben des BfS sind in Deutschland rund 10,5 Millionen Menschen in Wohnungen mit Radonwerten über 100 Becquerel pro Kubikmeter belastet, etwa zwei Millionen überschreiten sogar den deutschen Referenzwert von 300 Becquerel. EU-weit sterben jährlich etwa 20.000 Menschen an radonbedingtem Lungenkrebs, in Deutschland rund 2.800. Akute Beschwerden wie Kopfschmerzen oder Asthma verursacht Radon hingegen nicht.

Wie Betroffene ihre Wohnung überprüfen können

Wer wissen möchte, ob die eigene Wohnung betroffen ist, kann auf den Internetseiten des BfS nach der eigenen Adresse suchen. Die Behörde betont jedoch, dass sich aus den Prognosekarten keine Aussagen zu einzelnen Gebäuden ableiten lassen. Diese können nur durch Messungen im jeweiligen Gebäude getroffen werden. Das BfS rät dazu, gerade die kalte Jahreszeit für eine Radon-Messung zu nutzen. „Wenn die Radon-Werte im Winter niedrig sind, kann man recht sicher sein, dass sie es im Sommer auch sind“, erklärt Bernd Hoffmann, Radon-Experte beim BfS.

Sogenannte passive Radon-Messgeräte sind dem BfS zufolge die einfachste Möglichkeit für eine Radon-Messung. Man stelle sie selbst in der Wohnung auf und schicke sie nach Ende der Messung an den Anbieter zurück, der sie auswerte und das Ergebnis mitteile. Pro Messegerät koste das zwischen 30 und 50 Euro.

Was tun, wenn der Radon-Wert hoch ist?

Liegt die Belastung über dem empfohlenen Wert, helfen oft schon einfache Maßnahmen. Regelmäßiges Stoßlüften mit weit geöffneten Fenstern senkt die Radonkonzentration im Erdgeschoss schnell. Kellertüren sollten geschlossen und möglichst luftdicht sein. Zudem empfiehlt es sich, Risse, Fugen, Rohrdurchführungen und Kabelschächte im Boden oder an erdberührten Wänden abzudichten. In Einzelfällen kommen auch spezielle Lüftungsanlagen oder eine Drainage unter dem Gebäude infrage. Für Neubauten und Sanierungen stehen zudem gasdichte Bodenplatten oder spezielle Radon-Sperrfolien zur Verfügung.