Nürnberg - Hunderttausende Pendler müssen in den zwei größten Städten Bayerns am Mittwoch nach Alternativen zum ÖPNV suchen, denn es wird erneut gestreikt.

Verdi ruft für Mittwoch zu einem ganztägigen Nahverkehrs-Warnstreik in München und Nürnberg auf. Betroffen sind der Gewerkschaft zufolge U- und Straßenbahnen sowie Buslinien, die nicht von privaten Dienstleistern bedient werden. Die von der Bahn betriebene S-Bahn sowie Regionalbahnen sind nicht betroffen.

Es ist der zweite Warnstreik in Bayern in der aktuellen Tarifrunde. Am vergangenen Montag hatte Verdi bereits im Rahmen einer annähernd bundesweiten Aktion den Nahverkehr in mehreren größeren bayerischen Städten teilweise lahmgelegt. Auch damals waren München und Nürnberg bereits betroffen.

Damit habe man Bewegung in die Tarifrunde bringen wollen, hieß es von der Gewerkschaft. Diese Hoffnung wurde allerdings enttäuscht: „Ein positives Signal seitens der Arbeitgeber hätte den zweiten Streiktag verhindert“, sagt der stellvertretende Landesbezirksleiter Sinan Öztürk. Dass es zwei Tage vor der zweiten Verhandlungsrunde nun erneut zum Warnstreik komme, sei „alleine der Tatsache geschuldet, dass die Arbeitgeber mit ihren Äußerungen überdeutlich machen, dass sie die Nöte der Beschäftigten nicht ernst nehmen“.

668,75 Euro mehr pro Monat gefordert

In Bayern fordert Verdi unter anderem eine Entgeltsteigerung von 668,75 Euro und eine Reduzierung der Wochenarbeitszeit . Die bayerischen Städte weisen das als zu teuer zurück. Die Finanzlage vieler Kommunen ist wegen der stark gestiegenen Kosten ohnehin schlecht, im öffentlichen Nahverkehr sind die Defizite der kommunalen Verkehrsgesellschaften in den vergangenen Jahren gestiegen.

Der Tarifvertrag Nahverkehr gilt in Bayern laut Verdi für etwa 20 Unternehmen mit 9000 Beschäftigten. Den bislang letzten Tarifabschluss im bayerischen ÖPNV gab es 2023. Dieser „Tarifvertrag Nahverkehr“ (TV-N) war schon 2024 ausgelaufen. Verdi hatte sich damals jedoch entschieden, den bayerischen Tarif nicht separat neu zu verhandeln, sondern abzuwarten, bis auch in den übrigen Bundesländern wieder Verhandlungen anstehen.

Anders als in anderen Bundesländern gibt es in Bayern nur einen Tarifvertrag Nahverkehr, welcher sowohl die Entgelte als auch die Arbeitsbedingungen regelt. Die Gewerkschaft will die Tarifverträge allerdings trennen und strebt eine bundesweite Angleichung der Arbeitsbedingungen auf hohem Niveau an.

Starke Beeinträchtigungen beim letzten Mal

Beim Warnstreik vergangene Woche hatte es starke Beeinträchtigungen gegeben. In München waren U-Bahnen außer Betrieb, außerdem mit Ausnahme der Tramlinie 20 auch alle Straßenbahnen. Allerdings hielt die Verkehrsgesellschaft MVG den Busverkehr auf sämtlichen Linien aufrecht, wenn auch teilweise mit stark ausgedünntem Fahrplan. In Nürnberg standen U-Bahnen und Straßenbahnen ebenfalls still, das kommunale Verkehrsunternehmen VAG hielt einen Notfahrplan mit 16 Buslinien aufrecht.

Streik beginnt in Nürnberg bereits um 4 Uhr: Das ist der Notfahrplan der VAG

Auch am Mittwoch bietet die VAG einen Busbetrieb auf Basis des Nightliner‑Netzes an, teilt der Nahverkehrsbetreiber auf Anfrage mit. Zur vollen Stunde sollen die Busse vom Nürnberger Hauptbahnhof aus sternförmig in alle Richtungen fahren. Das Angebot wird im Auftrag der VAG von privaten Busunternehmen durchgeführt. Zudem versucht der Betreiber, weitere Busse zu besetzen, um möglicherweise alle 30 Minuten eine Fahrt anbieten zu können.

Der Warnstreik beginnt um 4 Uhr morgens und dauert bis 24 Uhr. Alle drei U‑Bahn‑ und Straßenbahnlinien sowie sämtliche Buslinien sind erneut betroffen.

Kundinnen und Kunden werden gebeten, sich am Tag des Warnstreiks über die Nürnbergmobil‑App über aktuelle Auswirkungen zu informieren. Die VAG informiert außerdem über Facebook, Instagram und über Hinweise an vielen Haltestellen darüber, dass am Mittwoch gestreikt wird.

Wie das Unternehmen mitteilt, bleiben sowohl das KundenCenter der VAG am Nürnberger Hauptbahnhof als auch das Kundentelefon geschlossen. Da die VAG selbst bestreikt wird, gilt auch das Serviceversprechen nicht, das normalerweise bei Ausfällen die Möglichkeit bietet, auf ein Taxi auszuweichen.