Nürnberg - Es sind Maßnahmen, die hoffentlich nie gebraucht werden, doch die Stadt Nürnberg ist vorbereitet auf einen tagelangen Stromausfall. Wie das aussieht und an welchen Stellen die Bürger selbst Vorsorge treffen sollen.

Fünf Tage lang mussten rund 100.000 Berlinerinnen und Berliner Anfang des Jahres ohne Strom auskommen. Der Grund für den Ausfall war ein Brandanschlag. Nach der Wiederherstellung der Versorgung hat die Aufarbeitung des Ereignisses begonnen. Die Bundesakademie für Sicherheitstechnik kommt zu dem Schluss, es gäbe einen dringenden Handlungsbedarf für Resilienz und Krisenversorgung in Deutschland. Dabei gebe es oft ein falsches Verständnis darüber, was Resilienz eigentlich bedeute - nämlich nicht Unverwundbarkeit oder die Fähigkeit, Angriffe vollständig abzuwehren, sondern die Fähigkeit, Störungen zu bewältigen, sich anzupassen und kritische Systeme schnell wieder funktionsfähig zu machen. Die Autoren des Berichts schlagen zudem vor, Katastrophenschutzübungen durchzuführen. So könne für den Ernstfall trainiert werden und Behörden können beispielsweise ihre Kommunikationswege testen. „Ohne eingeübte Praxis bleiben selbst die besten Katastrophenschutzkonzepte theoretisch“, so die Bundesakademie für Sicherheitspolitik.

Der Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e.V. (kurz VDE) betont auf seiner Webseite, Deutschland verfüge über eines der zuverlässigsten Stromnetze in Europa. Einer VDE-Statistik zufolge waren deutsche Haushalte im Jahr 2024 im Schnitt pro Kunde 12,9 Minuten nicht mit Strom versorgt.

So gut ist Nürnberg auf den Ernstfall vorbereitet

Aber wie sieht es konkret in Nürnberg aus mit der Vorbereitung auf den Ernstfall? Von einem Sprecher der Stadt heißt es hierzu: „Die Planungen für einen lang andauernden, flächendeckenden Stromausfall sind äußerst umfangreich.“ Die Vorbereitungen für einen solchen Ernstfall hätten demnach bereits 2018 begonnen und wurden im Rahmen der Energiekrise nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine weiter verfeinert. „Stadt, Energieversorger, Sicherheitsbehörden und Hilfsorganisationen sind im regelmäßigen Austausch zu diesem Thema.“ Konkrete Informationen zu Notfallplanungen können aus Sicherheitsgründen aber nicht veröffentlicht gemacht werden, so der Stadt-Sprecher.

Nach den Vorkommnissen von Berlin stehen die zuständigen Stellen nun bundesweit miteinander in Kontakt, heißt es von Seiten der Stadt weiter. Für Schlussfolgerungen sei es aber zum Teil noch zu früh, da die Aufarbeitung in der Bundeshauptstadt noch laufe. Eine Lehre, die aus dem jüngsten, aber auch schon aus zwei vorangegangenen Stromausfällen in Berlin gezogen worden ist, sei, dass wichtige Einrichtungen, wie Kliniken oder Seniorenheime nicht evakuiert werden, da dies viel zu aufwendig und zeit- und personalintensiv sei. „Daher gilt die Maxime, die Einrichtungen primär vor Ort mit (Not-)Energie zu versorgen“, so ein Sprecher der Stadt.

Der städtische Versorger „N-Ergie“ teilt auf Nachfrage von nordbayern.de mit, dass das Nürnberger Stromnetz sich in seiner Struktur nicht grundlegend von anderen Großstädten in Deutschland unterscheide. Es verlaufe fast ausschließlich unterirdisch und folge dem sogenannten n-1 Prinzip. Das bedeutet, dass das Stromnetz so aufgebaut ist, dass es den Ausfall eines Netzelements, das kann beispielsweise eine Leitung oder ein Transformator sein, verkraftet.

Auch die „N-Ergie“ verfügt über Notfallpläne für den Ernstfall. Welche konkreten Maßnahmen zur Vorsorge getroffen werden und inwieweit es an dieser Stelle nach dem Berliner Blackout Anpassungen gab, dazu macht die „N-Ergie“ keine Angaben. Nur so viel sagt ein Sprecher des Versorgers: „Wir stehen in regelmäßigem Austausch mit verschiedenen Sicherheitsbehörden und bewerten laufend neue Entwicklungen und Gefahrenpotenziale.“

So sollten sich Bürgerinnen und Bürger auf Stromausfälle vorbereiten

Aber welche Schritte werden nun von der Stadt ergriffen im Fall eines Blackouts und was sollten die Bürgerinnen und Bürger tun? Die Stadt Nürnberg empfiehlt online bei einem Stromausfall zunächst fünf Schritte in einem Schnell-Check:

  • Taschenlampe, Stirnlampe oder andere batteriebetrieben Lichtquelle (inklusive Ersatzbatterien) bereitstellen
  • Kühlschrank und Gefriertruhe geschlossen halten
  • Batterie- oder kurbelbetriebenes Radio bereitstellen, um Kommunikation sicherzustellen
  • Elektrogeräte abschalten, um Stromspitzen und Gefahr zu vermeiden
  • Auch nach Ende des Ausfalls vorsichtig sein und Geräte nur schrittweise wieder in Betrieb nehmen

Zudem empfiehlt die Stadt einen privaten Notfallvorrat anzulegen. Idealerweise sollten Haushalte in der Lage sein, sich im Ernstfall einige Tage selbst zu versorgen, sagt ein Sprecher der Stadt auf nordbayern.de-Anfrage. Hierzu zählt ein Vorrat an haltbaren Lebensmitteln und Getränken für mehrere Tage, ein Vorrat an Wasser zusätzlich zur Trinkwasserversorgung, ein Vorrat an Bargeld (Geldautomaten und Zahlungssysteme können ausfallen) sowie Batterien, Powerbanks oder Ersatz-Akkus für Mobilfunkgeräte, Taschenlampen oder Radios. Decken, warme Kleidung oder gegebenenfalls eine alternative Heizquelle können Abhilfe schaffen, wenn die Heizungen ausfallen. Um die Wärme in den Räumen zu halten, helfe es, Türen und Fenster mit Decken oder Rettungsfolie abzuhängen.

Für die Kommunikation empfiehlt die Stadt Nürnberg ein batterie- oder kurbelbetriebenes Radio, falls sonstige Kommunikationswege ausfallen. Zudem könne man mit seiner Familie Treffpunkte vereinbaren, für den Fall dass Kommunikationswege nicht mehr funktionieren oder bereits im Voraus mit Freunden und Nachbarn absprechen, wer wem im Falle eines Stromausfalls zur Hilfe eilt.

„Leuchttürme“ sollen als Anlaufstelle dienen

Für den Fall einer größeren Krisensituation hat die Stadt Nürnberg sogenannte Katastrophenschutz-Leuchttürme definiert. Diese sollen in Krisensituationen als Anlaufstellen für die Bevölkerung dienen und nehme eine wichtige Funktion für die Kommunikation ein, wenn die üblichen Kanäle nicht mehr funktionieren. Dabei handelt es sich um Gebäude der Hilfsorganisationen, der Polizei, des Technischen Hilfswerks und der Feuerwehr sowie einige Gemeindehäuser, die auch im Fall eines großflächigen Stromausfalls weiter mit Energie versorgt werden können. Es gibt insgesamt 43 Standorte quer über das Stadtgebiet verteilt, sodass jeder Nürnberger und jede Nürnbergerin eine Anlaufstelle in maximal 1,5 Kilometern Entfernung erreichen kann. Dort kann man Informationen zur aktuellen Lage erhalten oder einen Notruf absetzen.

Für den Fall eines längeren und flächendeckenden Stromausfalls richtet die Stadt ab dem zweiten Tag Betreuungsstellen ein. Dort geben Mitarbeitende verschiedener Hilfsorganisationen Informationen zur aktuellen Lage, Verhaltenstipps zur Krisenbewältigung oder leisten erste Hilfe bei kleineren Verletzungen. Notrufe können aufgenommen und Geräte geladen werden. Aber: Ein dauerhafter Aufenthalt sowie Übernachtungen seien in den Betreuungsstellen nicht möglich. In einer Informationsbroschüre der Stadt fasst Oberbürgermeister Marcus König zusammen: „Wir alle hoffen, dass wir diese Einrichtungen nie brauchen werden.“ Aber es sei besser, gut vorbereitet zu sein.