Nürnberg - Nach Technik-Kollaps wird das Bayern07-Freibad in Nürnberg komplett saniert: Neue Becken, mehr Barrierefreiheit und Nachhaltigkeit.

Das traditionsreiche Freibad Bayern 07 in Nürnberg steht vor einem kompletten Neustart. Nach jahrelanger Planung beginnt nun offiziell die Generalsanierung der Anlage. Am Freitag, den 6. Februar, erfolgt der Spatenstich, im Anschluss die Bauarbeiten. Ziel ist es, das Freibad zur Saison 2027 in neuem, zeitgemäßem Zustand wieder zu eröffnen, erklärt Julian Gutbrod vom Sanierungsteam des Schwimmbads unserer Redaktion in einem Telefon-Interview.

„Der Stand ist erstmal grundsätzlich sehr positiv“, sagt Julian Gutbrod. „Seit 2022 läuft das Projekt und seitdem umfangreiche Vorarbeiten: Förderantrag, Bauantrag und sämtliche Planungsmaßnahmen konnten sehr erfolgreich durchgeführt werden“, so Gutbrod weiter.

Abriss als erster Schritt

Mit dem Baustart beginnt zunächst der Rückbau des alten Bestands. „Wir starten jetzt mit den Abrissarbeiten, damit geht es dann auch wirklich offiziell los“, erklärt Gutbrod. Die Sanierung ist umfassend: Becken, Technik, Leitungen und Gebäude werden nahezu vollständig erneuert.

Die Freibadbecken erhalten zudem einen neuen Standort auf dem Gelände. „Die Becken rücken näher zum Eingang und näher zusammen“, so Julian Gutbrod im Gespräch mit unserer Redaktion. Für Badegäste bedeutet das eine veränderte, aber klar strukturierte Anlage.

Moderne Edelstahlbecken und neue Aufteilung

Kernstück des neuen Freibads bleibt ein 50-Meter-Schwimmerbecken. Allerdings fällt es kompakter aus als bisher: Künftig wird es sechs Bahnen haben und vollständig aus Edelstahl bestehen. „Das ist ein ganz erheblicher Fortschritt zu den bisherigen porösen Betonbecken“, betont Gutbrod.

Ergänzt wird es durch ein neues Nichtschwimmerbecken mit flachem Einstieg und zwei 25-Meter-Bahnen, die sich besonders für Schwimmtraining eignen, so das Planungsteam-Mitglied. Auch hier kommt Edelstahl zum Einsatz.

Fokus auf Nachhaltigkeit

Ein zentrales Thema der Sanierung ist die Nachhaltigkeit und Energie. Geplant ist unter anderem eine Photovoltaikanlage, um den Energieverbrauch deutlich zu senken. „Durch ressourcenschonenden Einsatz stellen wir sicher, dass wir zukünftig ein deutlich nachhaltigeres Freibad haben werden“, sagt Gutbrod.

Auch die verkleinerten Becken tragen dazu bei, langfristig Betriebskosten zu sparen. „Übermäßig große Becken entsprechen heute einfach nicht mehr dem Bedarf“, erklärt er. Gerade das frühere Nichtschwimmerbecken sei selten voll ausgelastet gewesen.

Barrierefreiheit von Anfang an mitgedacht

Ein besonderer Schwerpunkt liegt auf der Barrierefreiheit. Das neue Freibad soll für alle Menschen nutzbar sein. Geplant sind unter anderem Blindenleitsysteme, rollstuhlgerechte Wege mit geringem Gefälle sowie Beckenlifte für den Einstieg ins Wasser. „Das ist für uns mit die wichtigste Neuerung“, betont Gutbrod. Auch das neue Technikgebäude wird barrierefreie Umkleiden und Toiletten enthalten. „So haben wir von Anfang bis Ende ein barrierefreies Freibad, für die Bevölkerung und für die Vereinsmitglieder“, erklärt Julian Gutbrod vom Schwimmerbund BAYERN 07 e.V. weiter.

Enge Zeitplanung und hohe Kosten

Der Zeitplan ist ambitioniert: Bereits Ende Mai 2027 soll das Freibad wieder öffnen. „Es ist ein sehr enger und sehr sportlicher Zeitplan, das wissen wir auch“, sagt Gutbrod. Doch Verzögerungen kann sich der Verein kaum leisten, auch aus finanziellen Gründen. Während der Bauzeit fällt die Freibadsaison aus, Einnahmen können also nicht generiert werden.

Die Gesamtkosten der Sanierung liegen bei über neun Millionen Euro. Finanziert wird das Projekt durch mehrere Partner: Bis zu 6 Millionen Euro bekommt der Verein durch das Bundesprogramm Sanierung kommunaler Einrichtungen in den Bereichen Sport, Jugend und Kultur, rund 2,1 Millionen Euro bezahlt die Stadt Nürnberg und etwa 900.000 Euro muss der Verein selbst in die Sanierung stecken. Kostensteigerungen über den Rahmen hinaus müsste der Verein selbst tragen, ein großes Risiko. Entsprechend streng werde auf Wirtschaftlichkeit geachtet.

Charakter bleibt erhalten

Trotz aller Veränderungen soll das bleiben, was das Bayern07-Freibad ausmacht. „Es ist die grüne Oase im Herzen der Stadt“, sagt Gutbrod. Die weitläufigen Liegewiesen, der alte Baumbestand und die ruhige Atmosphäre bleiben erhalten.

Zudem sorgt die neue Beckentechnik dafür, dass sich das Wasser schneller erwärmt. „Wir können die Saison etwas verlängern“, so Gutbrod. Seine Erwartung: „Es wird Veränderungen geben, aber wir glauben, dass sich die Badegäste weiterhin sehr wohlfühlen werden“.

Spenden für zusätzliche Wünsche

Neben der Sanierung sammelt der Verein weiter Spenden. Bereits über 350.000 Euro sind zusammengekommen. Wenn am Ende der Sanierungsarbeiten Geld übrig bleibt, soll unter anderem ein inklusionsgerechter Spielplatz sowie die Erneuerung der bestehenden Umkleiden finanziert werden.

„Als gemeinnütziger Verein haben wir nicht die Mittel, um solche Investitionen einfach so vorzunehmen“, sagt Gutbrod. Die Hoffnung: Wenn das Budget reicht, bekommt das Freibad so am Ende noch ein zusätzliches Plus.