
Zu Fasching wird sich gerne verkleidet – ob als Pirat, Clown oder Krankenschwester. Der Fantasie sind dabei eigentlich keine Grenzen gesetzt. Dennoch gibt es Grundsätze, an die sich jeder halten muss.
In Deutschland sind fallen rechtsextremistische Verkleidungen unter volksverhetzende und verfassungswidrige Kostüme und werden strengstens untersagt. Dazu zählen auch Verkleidungen mit rechtsextremen Symbolen, wie zum Beispiel das Hakenkreuz. Bei Verstoß drohen hohe Geldstrafen oder eine Freiheitsstrafe von bis zu drei Jahren.
Auch im Nachbarland gibt es Gesetze, die darauf abzielen, Rechtsextremismus zu verhindern. In Österreich verbietet das Verbotsgesetz 1947 nationalsozialistische Propaganda sowie das Auftreten mit NS-bezogenen Darstellungen. Das Abzeichengesetz 1960 untersagt zudem das öffentliche Tragen oder Zeigen von Symbolen verbotener Organisationen, darunter Hakenkreuze oder SS-Runen – auch in abgewandelter Form. Erlaubt sind solche Darstellungen nur, wenn sie klar gegen das verbotene Gedankengut gerichtet sind, etwa in kritischer, satirischer oder bildender Form. Bei Verstößen drohen Geld- oder in schweren Fällen sogar Haftstrafen. Gegen genau diese Regeln hat nun eine Gruppe von Gästen auf einer Faschingsparty in Österreich verstoßen.
Zwei Gruppen mit rechtsextremen Kostümen
In Pöham, einem kleinen Ort bei Salzburg, sorgten bei einer Kostümparty eines Musikvereins offen rechtsextreme und rassistische Verkleidungen für Aufsehen. Wie die Salzburger Nachrichten zuerst berichteten, fielen bei der Feier am 31. Januar zwei Gruppen unabhängig voneinander mit Kostümen auf, die eindeutig rechtsradikale Symbolik zeigten. Mitglieder dieser Gruppen hätten gegenüber anderen Gästen ohne Scheu zugegeben, dass sie rechtsradikal seien und für eine „weiße Gesellschaft“ stünden. Ein Gast mit dunkler Hautfarbe sei verbal angegriffen worden.
Weiße Kutten des Ku-Klux-Klans
Die erste Gruppe bestand aus rund 15 Männern im Alter von 20 bis 30 Jahren. Sie trugen weiße und rote Kutten mit Kapuzen, die stark an die typische Kleidung des rassistischen Geheimbunds Ku-Klux-Klan erinnerten. Eine 21-jährige Studentin griff ein und stellte die Gruppe zur Rede. Angaben des ORF zufolge hätten die Männer geantwortet, sie wüssten genau, wie weit sie gehen dürften. „Wir waren im ersten Moment total baff und wussten nicht, was jetzt los ist“, sagte die junge Frau, die Mitglied im Musikverein ist, den Salzburger Nachrichten. Die Security sorgte anschließend dafür, dass die Gruppe von den Feierlichkeiten verwiesen wurde.
Info
Der Ku-Klux-Klan (KKK) ist eine rassistische, rechtsextreme Organisation aus den USA, die für die Ideologie der „weißen Vorherrschaft“ steht. Er ist berüchtigt für Gewalt, Terror und seine weißen Kapuzengewänder und gilt international als Symbol für Hass und Rassismus.
Neonazi-Codes aus Klebeband
Mehreren Medienberichten zufolge tauchten später erneut junge Männer auf, diesmal in orangefarbenen Gefangenenanzügen. Auf einigen Anzügen sollen mit schwarzem Klebeband Gefangenennummern wie „SS88“ angebracht gewesen sein – Codes aus der Neonazi-Szene, die für die NS-Schutzstaffel beziehungsweise „Heil Hitler“ stehen. Auch in diesem Fall wurden Sicherheitskräfte informiert. Als die Gruppe davon erfuhr, sollen die Betroffenen die Klebebänder rasch von ihren Anzügen entfernt haben, um nicht von der Secruity von der Feier verwiesen zu werden.
Kein Interpretationsspielraum
Der Historiker Christoph Kühberger von der Universität Salzburg ordnete das Geschehen gegenüber dem ORF kulturell-historisch ein. Er sagt: „Keinesfalls fällt dies unter den Deckmantel des Faschings. Jeder weiß genau, worauf man sich bezieht. Da gibt es keinen Interpretationsspielraum.“ Laut Kühberger handele es sich um offen gelebten Rassismus gegen schwarze Menschen und gegen Opfergruppen des NS-Regimes.
Anzeige bereits geplant
Die Veranstalter der Faschingsparty ziehen Konsequenzen aus dem Skandal. „Wir verurteilen das und haben die Betroffenen sofort rausgeworfen“, sagte der Vorsitzende des Musikvereins Pöham gegenüber den Salzburger Nachrichten. Es sei traurig, dass der Verein wegen solcher Vorfälle in Verruf gerate. Ein Teil der auffällig gewordenen Personen sei ihm bekannt, und es werde Anzeigen geben.
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