Niscemi - Während Deutschland von Schneemassen bedeckt wird, wütet in Italien ein heftiger Sturm. Was zurückbleibt, sind verwüstete Landschaften und zahlreiche betroffene Schicksale. Auch am Dienstag gibt es keine Entwarnung.

Dort, wo normalerweise zahlreiche Touristen ihren Urlaub genießen und ausgelassene Stimmung herrscht, spielen sich aktuell dramatische Szenen ab. Straßen werden von Wasser überflutet, Häuser und Geschäfte zerstört, im Asphalt sind tiefe Löcher zu sehen. Sizilien kämpft mit den Folgen eines heftigen Sturms.

Bereits Anfang vergangener Woche erreichte der Zyklon „Harry“ Italien. In mehreren Teilen des Landes rief der Wetterdienst die Warnstufe Rot aus. Meteorologen rechneten mit sintflutartigen Regenfällen von bis zu 400 Litern pro Quadratmeter und Böen von über 100 Kilometern pro Stunde.

Nun erreichte der Sturm auch das Landesinnere. In der sizilianischen Stadt Niscemi in der Provinz Nisseno, kam es am Sonntag zu einem Erdrutsch, berichtet die italienische Zeitung Quotidiano di ragusa. Einige Anwohner sollen dabei ihr Zuhause verloren haben. Am Montag kamen dann weitere Erdrutsche hinzu. Ein Viertel der 25.000-Einwohner-Stadt sei von dem Unglück getroffen worden, berichtet Merkur.de.

Wie die italienische Zeitung berichtet, soll die Stadt von der Außenwelt abgeschnitten worden sein. Freiwillige halfen bei der Evakuierung von Anwohnern, für die Notunterkünfte in einem Sportzentrum eingerichtet worden sind. Am Montag blieben Schulen geschlossen. Bis Montagvormittag sollen 1000 Menschen aus Niscemi evakuiert worden sein.

Der Bürgermeister Massimiliano Conti sprach von einem „dramatischen Erdrutsch“, bereits vor fast 30 Jahren war die Stadt schon ebenfalls von einem Erdrutsch betroffen. Die Regierung in Rom rief für die betroffenen Regionen einen Unwetternotstand aus.

Auch am Dienstagvormittag kein Aufatmen für die Einwohner von Niscemi: Inzwischen, so berichtet Merkur.de, mussten rund 1500 Einwohner evakuiert werden. Der Bürgermeister spricht in einer Live-Übertragung bei Facebook von einer Tragödie, die alle betreffen werde. Ein Teil der Stadt steht regelrecht am Abgrund. Eine vier Kilometer lange Front droht abzusinken.

Wie die Deutsche Presse-Agentur berichtet, sagte der Chef des italienischen Zivilschutzes, Fabio Ciciliano, bei einem Besuch der Stadt: „Der Erdrutsch ist voll aktiv, und die Lage ist kritisch.“ Es gebe Wohnhäuser, die nicht mehr wiederhergestellt werden könnten. Für die betroffenen Bewohner müsse ein Plan zur Umsiedlung erarbeitet werden. Laut dem Bürgermeister ist ein ganzer Stadtteil bereits dem Erdrutsch zum Opfer gefallen, die Schäden seien „unermesslich“. Die Behörden beziffern die Schäden allein für Sizilien auf 1,5 Milliarden Euro.

Folgen von Zyklon „Harry“ treffen Urlaubsregionen hart

Auch andere Gebiete leiden unter zerstörerischen Folgen des Zyklons. Renato Schifani, der Präsident der Region Sizilien, sprach von einer äußerst ernsten Lage. „Das Unwetter hat an der Küste, dem Juwel des sizilianischen Tourismus, verheerende Schäden angerichtet“, wird Schifani in einem Beitrag der Frankfurter Rundschau zitiert. Der Inhaber eines Strandclubs in Mazzeo erklärte gegenüber dem italienischen Portal il messaggero, das Meer hätte alles weggespült, er habe alles verloren.

Videos eines Instagram-Accounts zeigen die Folgen des Zyklons in verschiedenen Gebieten.

Am Montag galt für die Inseln Sizilien und Sardinien die gelbe Unwetterwarnstufe. Auch in weiteren Regionen wie Kampanien, Venetien und Kalabrien wurde vor Überschwemmungen und Erdrutschen aufgrund starken Regens gewarnt.

Wie der Merkur berichtet, blieb auch Norditalien nicht vom Unwetter verschont. Auf der Via Aurelia zwischen Arenzano und Genua sollen Felsbrocken vor dem Pizzo-Tunnel auf die Fahrspuren gefallen sein. Die Feuerwehr soll mit Spürhunden nach möglicherweise Vermissten suchen.

Allein in Kalabrien sollen laut dem Regionspräsidenten Roberto Occhiuto 300 Millionen Euro in den Wiederaufbau der öffentlichen Infrastruktur und die Entschädigung von Privatpersonen fließen.