Nürnberg - Fast 80 Prozent der Menschen nutzen laut einer repräsentativen Befragung eine Supermarkt-App. Doch die Verbraucherzentrale warnt nun. Die Märkte versprechen Schnäppchen, die Nutzer bezahlen dennoch.

Egal ob Rewe, Lidl oder Kaufland: Fast jeder Supermarkt und Discounter verfügt mittlerweile über eine App. Dort locken Sonderangebote und Kunden können häufig Punkte sammeln.

Doch die Verbraucherzentrale warnt nun. Die Apps dienten in erster Linie dazu, Verbraucher und Verbraucherinnen an die Märkte zu binden, und verleiten sie dazu, mehr Geld auszugeben, so Ramona Pop, Vorständin des Bundesverbands der Verbraucherzentralen. „App-Nutzer:innen geben persönliche Daten preis. Supermärkte können so gezielt das Einkaufs- und Ernährungsverhalten beeinflussen. Das sehen wir kritisch.“ Zudem entstehe eine Benachteiligung, wenn nur Nutzer der Apps von Sparangeboten profitieren können: „Gerade in Zeiten hoher Lebensmittelpreise gilt: Rabatte dürfen nicht von der App-Nutzung abhängen. Alle Verbraucherinnen und Verbraucher müssen fairen Zugang zu Angeboten haben – ohne Zwang zur Datenpreisgabe“, so Pop weiter.

Die Verbraucherzentrale fordert daher in einem aktuellen Statement, dass Daten der Nutzenden nicht zu Werbeprofilen zusammengefasst werden dürfen. Der Einsatz manipulativer Designs, die dazu verleiten sollen, länger in der App zu bleiben oder mehr Geld auszugeben, müsse zudem verboten werden. Aus Sicht der Verbraucherzentrale sollten Supermärkte ihre Apps so gestalten, dass weder eine verpflichtende Registrierung erforderlich ist, noch personenbezogene Daten an Dritte weitergegeben werden.

Im Rahmen einer repräsentativen Befragung ermittelte die Verbraucherzentrale die Nutzungsgewohnheiten der Supermarkt-Apps. Hierbei zeige sich, dass 78 Prozent der befragten Verbraucher eine solche App nutzen. Gut 60 Prozent geben an, dass sich ihr Einkaufsverhalten durch die Apps verändert habe. Rund zwei Drittel bestätigen, in den vergangenen zwei Jahren schon einmal zusätzliche Käufe getätigt zu haben, um Angebote oder Vergünstigungen in der App zu erhalten. Für die Befragung wurden im Zeitraum vom 29. Oktober bis zum 3. November 2025 1000 Internetnutzer über 16 Jahren, darunter 787 Nutzende von Supermarkt-Apps, befragt.

Der Bundesverband der Verbraucherzentralen geht auch rechtlich gegen Supermarkt-Apps vor: Derzeit läuft ein Verfahren gegen Lidl. Die Verbraucherzentrale argumentiert, dass der Discounter nicht ausreichend darauf hinweise, dass Nutzer die Rabatte in der Lidl-App mit ihren persönlichen Daten bezahlen. Aus Sicht der Verbraucherschützer darf Lidl die App nicht als „kostenlos“ bewerben.