Nürnberg - Die Kommunalwahl steht vor der Tür, auch in Nürnberg dürfen Wahlberechtigte dann an die Urnen treten. Doch welche Parteiposition passt am besten? Hierfür gibt es nun eine Orientierungshilfe – auch auf Fränkisch.

Am 8. März finden in Bayern die Kommunalwahlen statt und der Wahlkampf ist längst in die heiße Phase übergegangen.

In Nürnberg wird sich der Stadtrat neu konstituieren und das Amt des Oberbürgermeisters beziehungsweise der Oberbürgermeisterin steht zur Wahl. Die Entscheidung, wo man seine Kreuze macht, ist eine, die wohlüberlegt sein will.

The Nuremberg Times (kurz NBTimes) hat nun einen Wahlnavigator an den Start gebracht, mit dessen Hilfe Wahlberechtigte prüfen können, welche Parteien besonders gut zu den eigenen Positionen und Wünschen passen.

Der Wahl-O-Mat ist bei Bundes- und Landtagswahlen längst eine zuverlässige Orientierungshilfe geworden. Für Kommunalwahlen gab es bisher kein vergleichbares Angebot. Nun hat NBTimes Abhilfe geschaffen.

Beim Wahl-O-Mat ist es üblicherweise so, dass die Parteien selbst Positionen zu Aussagen angeben. Auf dieser Basis wird dann ermittelt, wie gut die Parteien mit den Wählerpositionen übereinstimmen. Die Ersteller vom Nürnberger Wahlnavigator sind anders vorgegangen: So wurden die Parteien nicht befragt, sondern ihre Positionen gemäß Wahlprogrammen, Stadtratsbeschlüssen und öffentlichen Statements erfasst. „Uns war wichtig, dass Wählerinnen und Wähler sich ein Bild machen können, das auf dem tatsächlichen Handeln und den dokumentierten Positionen der Parteien basiert – nicht auf Selbstdarstellung“, erklärt Kevin Kienle, Herausgeber von The Nuremberg Times und Vorsitzender der SPD Muggendorf.

Insgesamt 30 Thesen werden abgefragt und mit den Positionen von 17 Parteien abgeglichen. Die Bearbeitung dauert sieben bis zehn Minuten. Thematisch sind die Thesen weit gefasst: Es geht vom Frankenschnellweg, über die Förderung des Wirtschaftsstandortes und des sozialen Wohnungsbaus bis hin zum Max-Morlock-Stadion.

Die Idee für den Wahlnavigator sei im Herbst 2025 entstanden, erklärt Kienle auf Nachfrage von nordbayern.de. Die eigentliche Umsetzung habe dann rund zwei Wochen in Anspruch genommen, wobei die systematische Auswertung aller verfügbaren Quellen der aufwendigste Part gewesen sei. Insgesamt mussten rund 500 Einzelpositionen jeweils mit Quellen belegt werden.

Und eine weitere Besonderheit haben sich die Macher des Wahlnavigators einfallen lassen: Es gibt die Umfrage auch auf Fränkisch. Die Thesen klingen dann folgendermaßen: „Der ÖPNV in Nämberch (U-Bah, Droschk, Bus) solld für alle Börger umsunst sei“ oder „Die Schdadt Nämberch solld selber mehr Sozialwohnunga baua, um bezahlborn Wohnraum zu schaffa“. Vonseiten der NBTimes heißt es, nach aktuellem Kenntnisstand sei das die erste Wahl-Entscheidungshilfe überhaupt, die in einem deutschen Dialekt nutzbar ist.

Kevin Kienle erklärt hierzu auf Nachfrage von nordbayern.de: „Die fränkische Version ist durchaus ernst gemeint – auch wenn sie natürlich mit einem Augenzwinkern daherkommt.“ Es gehe darum, politische Teilhabe niederschwellig zu gestalten. „Viele Menschen empfinden Politik als trocken oder abgehoben“, sagt Kienle. Die fränkische Version breche das auf und zeige, Kommunalpolitik betrifft alle. Er selbst habe die Übersetzung mithilfe von KI erstellt. Anschließend wurde sie von Nürnberger Muttersprachlern geprüft und korrigiert.

The Nuremberg Times beschreibt sich selbst als unabhängige digitale Nachrichtenplattform mit Fokus auf Lokalpolitik, Stadtentwicklung und kommunale Themen in Nürnberg. Die Redakteure und Redakteurinnen arbeiten laut Webseite ehrenamtlich.

Anmerkung der Redaktion: Kevin Kienle, Herausgeber von The Nuremberg Times und einer der Macher des Wahlnavigators, ist zugleich Vorsitzender der SPD Muggendorf. Dieser Hinweis wurde im Artikel nachträglich ergänzt.