Brüssel - Nach jahrelangen Verhandlungen unterzeichnet die EU diesen Samstag das umstrittene Mercosur-Abkommen. Während Ökonomen darin eine wirtschaftliche Chance sehen, sorgen sich Bauern in ganz Europa um billige Importe.

Nach 25 Jahren langwieriger Verhandlungen ist es nun so weit: Am Samstag, 17. Januar 2026, wird das Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union und den Mercosur-Staaten unterzeichnet. Berichten der Tagesschau zufolge werden Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident António Costa dafür nach Paraguay reisen.

Landwirte aus ganz Europa haben gegen dieses Abkommen protestiert, da sie unfaire Wettbewerbsbedingungen durch billige Fleischimporte aus Südamerika befürchten.

Was ist das Mercosur-Abkommen?

Das EU-Mercosur-Abkommen ist ein Freihandelsabkommen zwischen der Europäischen Union (EU) und den Mercosur-Staaten. Zu diesen Mercosur-Staaten zählen die südamerikanischen Länder Argentinien, Brasilien, Paraguay und Uruguay – Bolivien befindet sich derzeit im Beitritt. Ziel ist es, den Handel zu erleichtern und die wirtschaftliche Zusammenarbeit zu vertiefen. Die EU exportiert Produkte wie Autos, Maschinen oder Chemikalien günstiger nach Südamerika. Im Gegenzug sorgen die Mercosur-Staaten für einen leichteren Export von Rindfleisch, Geflügel, Zucker oder Soja in die EU. Mit diesem Abkommen wird die größte Freihandelszone der Welt beschlossen, die über 700 Millionen Verbraucher umfasst.

Mercosur-Abkommen: deutliche Exportsteigerung und weniger Abhängigkeit von China

Die EU-Kommission verspricht sich davon eine Steigerung der EU-Exporte in die südamerikanischen Länder von bis zu 39 Prozent. Dadurch könnten 440.000 Jobs in Europa entstehen. Claudia Schmucker, Handelsexpertin von der Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik, merkt gegenüber dem ZDF an: „Lateinamerika und die Mercosur-Staaten haben Rohstoffe, die für Europa besonders wichtig sind. Somit könnte man hohe Abhängigkeiten von China reduzieren.“ Wirtschaftsexperten merken außerdem an, dass mit dem Abkommen ein eindeutiges Zeichen gegen die Zollpolitik von Donald Trump gesetzt werden könnte. Im Kern sieht der Deal zwischen der EU und den Mercosur-Staaten nämlich den Wegfall der meisten Zölle vor, so das Manager Magazin.

Kritik der europäischen Bauern am Mercosur-Abkommen

Doch nicht alle sind von dem neuen Handelsabkommen begeistert. Europäische Landwirte befürchten, dass das Abkommen zu Billigimporten südamerikanischer Waren führen wird - insbesondere von Rindfleisch. In der Vergangenheit haben bereits mehrere Bauernproteste gegen das Abkommen in vielen europäischen Großstädten stattgefunden.

Bayerischer Bauernverband kämpft gegen unfairen Wettbewerb

Auch der Bayerische Bauernverband (BBV) kritisiert den Agrarteil des Abkommens seit Jahren, da er ihn als unausgewogen und unfair empfindet. Der BBV betont in diesem Zusammenhang aber auch, dass sich die Landwirte nicht grundsätzlich gegen Marktöffnung und Zollabbau wehren. Dem Verein gehe es darum, dass die europäische Landwirtschaft nicht einem ungleichen Wettbewerb ausgesetzt werden dürfe. Das Abkommen sieht vor, dass die EU jährlich unter anderem 99.000 Tonnen Rindfleisch aus den Mercosur-Staaten importiert. In Bezug auf die Sorgen der Bauern merken Befürworter jedoch an, dass das südamerikanische Rindfleisch nur 1,6 Prozent des Rindfleischs in der EU ausmachen würde.

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Günther Felßner, Präsident des BBV, sagt dazu: „Importe müssen [die] gleichen Anforderungen [...], erfüllen, wie sie auch die heimische Erzeugung in der EU erfüllt.“ Gemeint sind damit Regelungen in Bezug auf Umwelt-, Tier-, Klimaschutz sowie Hygiene und Lebensmittelsicherheit, die laut dem BBV in Südamerika anderen, beziehungsweise niedrigeren Vorschriften unterliegen als in der EU. Laut Felßner könnten nur mit gleichen Bedingungen „gravierende Wettbewerbsnachteile zulasten der Lebensmittelerzeugung in der EU vermieden werden“.

Misstrauensvotum gegen Ursula von der Leyen

Im EU-Parlament hagelt es besonders aus Frankreich, Italien, Österreich und Ungarn starke Kritik. Aktuell muss sich von der Leyen dem vierten Misstrauensantrag gegen sich und ihr Team innerhalb von rund einem halben Jahr stellen. Eingereicht hatte den Antrag die rechte „Patrioten für Europa“-Fraktion. Zu ihr gehören unter anderem die Abgeordneten der französischen Partei Rassemblement National (RN) von Marine Le Pen, das berichtet der Tagesspiegel. In dem Antrag heißt es, das Abkommen stelle einen direkten Angriff auf die europäische Ernährungssicherheit und -souveränität dar. Es öffne Märkte für Produkte, die europäische Standards nicht erfüllten.

Welche Folgen hat das Abkommen für die Verbraucher?

Experten sehen dennoch Vorteile des neuen Abkommens für die Verbraucher. Zwar besteht für die EU kein unmittelbares Risiko einer Unterversorgung mit Lebensmitteln, doch könne das Abkommen die Preise insgesamt senken und Lebensmittel erschwinglicher machen, betont Bettina Rudloff, Agrarökonomin von der Stiftung Wissenschaft und Politik, gegenüber dem ZDF.

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