Nürnberg - Plastikmüll ist allgegenwärtig. Zunehmend zeichnen sich durch die Kunststoffe verheerende Folgen nicht nur für die Umwelt, sondern auch den Menschen ab. Die EU geht dagegen vor – bald werden deshalb Obst-Tüten verboten.

Im Pazifik suppt der Great Pacific Garbage Patch vor sich hin, ein achter Kontinent aus Plastikabfall, fast fünfmal so groß wie Deutschland. Täglich verhungern nicht nur Meeressäuger und Schildkröten mit Mägen voller Tüten und Flipflops, auch unsere geliebten Urlaubsstrände würden im Müll ersaufen, wären nicht Nacht für Nacht engagierte Heinzelmännchen unterwegs, um klar Schiff zu machen. Inzwischen wurde sogar Mikroplastik im menschlichen Gehirn nachgewiesen. Und Babys kommen vermutlich bereits mit einer solchen Vorbelastung zur Welt. Die Folgen? Nicht abzusehen, womöglich verheerend; Nanoplastik, das ins Gehirn von Versuchstieren gelangte, konnte sich jedenfalls dort anreichern und zu drastischen Verhaltensstörungen führen (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Studie von 2023). Der Verursacher hingegen ist ausgezeichnet erforscht: Kunststoffe.

Sie sind billig, aus der modernen Welt nicht mehr wegzudenken und extrem langlebig. Nicht erst seit gestern versucht die Europäische Union deshalb die Plastikschwemme einzudämmen. In der jüngeren Vergangenheit wurden bereits bestimmte Einkaufstaschen aus Kunststoff aus den Discountern verbannt. Weitere Verbote sollen in den kommenden Jahren folgen. Davon betroffen sind auch die hauchdünnen Obst- und Gemüsetüten im Supermarkt.

Steigende Mengen an Kunststoffabfällen

Im Jahr 2022 verursachte jede in der Europäischen Union lebende Person durchschnittlich 36,1 Kilogramm Kunststoffverpackungsabfälle (Europäisches Parlament). Davon wurden 14,7 Kilogramm pro Kopf recycelt. Innerhalb von zehn Jahren hat sich die allerdings deutlich zugespitzt: Zwischen 2012 und 2022 stieg das Aufkommen an Kunststoffverpackungsabfällen pro Einwohner um fast acht Kilogramm.

Nicht recycelte Kunststoffabfälle werden entweder auf Mülldeponien abgelagert, verbrannt oder gelangen in die Umwelt. Sie finden sich an Stränden, in Wäldern sowie in Flüssen und Meeren, was aufgrund der extremen Langlebigkeit – eine schnöde Plastikflasche überlebt uns alle locker; die vollständige Zersetzung benötigt 450 bis 5.000 Jahre – mit schwerwiegenden Auswirkungen auf Ökosysteme und, nicht zuletzt, auch die menschliche Gesundheit über Generationen hinweg.

EU-Initiativen gegen Plastikmüll und Mikroplastik

Angesichts dieser Entwicklung hat die Europäische Union ihre Maßnahmen in den vergangenen Jahren schrittweise ausgeweitet. Bereits 2019 trat ein Verbot bestimmter Einwegkunststoffe in Kraft, darunter Besteck, Teller und Luftballonstäbe. Im Jahr 2023 folgten weitere Initiativen zur Bekämpfung von Verpackungsabfällen und der Verschmutzung durch Mikroplastik.

Grundlage ist die EU-Strategie für Kunststoffe, die die Europäische Kommission im Januar 2018 vorlegte. Die darin enthaltenen Maßnahmen zielen darauf ab, sicherzustellen, dass bis 2030 alle Kunststoffverpackungen wiederverwendbar oder recycelbar sind. Gleichzeitig sollen der Verbrauch von Einwegkunststoffen sowie der Einsatz von Mikroplastik maßgeblich reduziert werden.

Neue Regeln für Verpackungen beschlossen – ade Obsttüte

Ein Schritt in diese Richtung erfolgte im April 2024: Das Europäische Parlament verabschiedete neue Vorschriften zur Verringerung, Wiederverwendung und zum Recycling von Verpackungen. Bevor sie in Kraft treten können, muss der Rat der Europäischen Union der Vereinbarung noch formell zustimmen.

Konkrete Vorgaben und Verbote:

Die neuen Vorschriften sehen unter anderem verbindliche Reduktionsziele vor. Alle Mitgliedstaaten sollen ihre Verpackungsabfälle im Vergleich zu 2018

  • bis 2030 um fünf Prozent,
  • bis 2035 um zehn Prozent und
  • bis 2040 um 15 Prozent senken.

Zudem ist ein Verbot bestimmter Einweg-Plastikverpackungen geplant. Ab dem 1. Januar 2030 sollen unter anderem Verbote von Plastiktüten für unverarbeitetes frisches Obst und Gemüse sowie Verpackungen für Speisen und Getränke in Kraft treten, die in Cafés und Restaurants verzehrt werden.

Mehr Recycling und bessere Sammlung als Maßnahme gegen globales Problem

Künftig sollen dann nahezu alle Verpackungen wiederverwertbar sein. Für Kunststoffverpackungen werde ein Mindestanteil an recyceltem Material vorgeschrieben. Die Mitgliedstaaten werden damit verpflichtet, Maßnahmen zu ergreifen, um festgelegte Ziele für die stoffliche Verwertung von Verpackungsabfällen zu erreichen.

Einen weiteren Schwerpunkt legt die EU auf die Sammlung: Bis 2029 müssen 90 Prozent der Einweg-Getränkeverpackungen aus Kunststoff und Metall getrennt gesammelt werden. Damit sollen effizientere Recyclingprozesse sichergestellt und die Umweltbelastung durch Plastik weiter reduziert werden.

Mit den neuen Vorgaben verschärft die EU ihren Kurs gegen Plastikmüll – und reagiert damit auf ein Problem, das in den vergangenen Jahrzehnten globale Ausmaße annahm.