
Der Fürther Mittelaltermarkt gilt als einer der schönsten Weihnachtsmärkte der Region. Doch wie auf allen winterlichen Märkten spielt auch hier das Thema Sicherheit eine zentrale Rolle. Spätestens seit den Terroranschlägen in Berlin und Magdeburg haben zahlreiche Städte ihre Sicherheitskonzepte für Weihnachtsmärkte deutlich verschärft. Auch die Stadt Fürth nahm einen Messerstand auf dem Mittelaltermarkt erneut in den Blick und empfahl zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen.
Freiwillige Schließung für drei Tage
Normalerweise liegen am Stand „Messer-Mania“ des Fürther Mittelaltermarktes diverse Küchenmesser aus. „Anfassen. Anschauen. Ausprobieren“ steht auf einem Zettel direkt neben den Messern. Sämtliches Gemüse liegt bereit, damit die Besucher das Küchenwerkzeug testen können. Damit war über das Wochenende jedoch überraschend Schluss.
Nachdem sich besorgte Besucher des Mittelaltermarktes aufgrund der offen präsentierten Messer an das Marktamt gewendet hatten, empfahl das Amt Betreiber Herbert Kreidl, die Sicherheitsmaßnahmen seines Standes anzupassen. Der Messerverkäufer schloss sein Geschäft daraufhin freiwillig für drei Tage (Freitag bis Sonntag, 12. bis 14. Dezember), um seinen Stand sicherer zu gestalten. 16 Tage nachdem der Mittelaltermarkt eröffnet hat.
Doch kein Verstoß gegen Waffengesetz
Zwischenzeitlich stand der Verdacht im Raum, der Verkaufsstand „Messer-Mania“ würde gegen das Waffengesetz verstoßen. Darin heißt es: „Feststehende Messer sind verboten, wenn die Länge ihrer Klinge 12 Zentimeter überschreitet.“ Am Montag, dem 15. Dezember trafen sich deshalb Betreiber Herbert Kreidl, Marc Vogel, Chef des Mittelaltermarktes und Marktamtsleiter André Hollitzer, um über den zukünftigen Betrieb des Standes zu beraten. Laut Vogel kamen sie „geschlossen zu dem Entschluss“, dass kein Verstoß gegen das Waffengesetz vorliege. Die Messer würden nach dem Verkauf entsprechend verpackt und müssten von den Kunden in Rucksäcken oder Taschen mit Reißverschlüssen verstaut werden, damit sie keinen direkten Zugriff auf das Messer haben, so Vogel. So wurde auf der Michaeliskirchweih auch mit dem Stand „Messer Mo“ verfahren, wo die Besucher ihre Schneidwerkzeuge auf der Kirchweih schleifen lassen konnten.
Kommentare in den sozialen Medien sind solidarisch
In den sozialen Medien schlagen sich die Menschen in den Kommentaren auf die Seite von Herbert Kreidl. Die Nutzer sind empört und halten die Schließung für übertrieben. Eine Userin schreibt folgendes dazu: „[...] wenn jemand sowas vorhat, kann er sich auch einfach in der Fußgängerzone ein Messer im Supermarkt kaufen und loslegen, da wird der Verkauf ja auch nicht verboten.“ Ein anderer Kommentar lautet: „Wer böse ist, braucht keinen Messer Stand! Schade, dass sich all das so entwickelt.“
Dennoch lagen die scharfen Küchenmesser für jeden zugänglich auf der Auslage des Standes. Laut Vogel nahm die Stadt Fürth die Ängste der Besucher ernst und habe deshalb eine Empfehlung an den Messerverkäufer ausgesprochen. Auch wenn der Stand zu diesem Zeitpunkt bereits seit über zwei Wochen geöffnet hatte.
Ist eine Plane eine Option?
Die Standnachbarn von Herbert Kreidl, „Figueroa-Knifes“, die ebenfalls Messer anbieten, verwenden eine durchsichtige und rissfeste Plastikfolie, um vorbeigehende Besucher daran zu hindern, ein scharfes Messer mitgehen zu lassen. Herbert Kreidl steht dieser Maßnahme jedoch kritisch gegenüber. Marc Vogel berichtet, dass Kreidl letztes Jahr eine Plastikfolie über seine Küchenmesser legte, deshalb jedoch Umsatzeinbußen verzeichnet hätte. Vogel sagt dazu: „Das Geschäft von Herbert Kreidl lebt davon, dass die Leute die Messer in die Hand nehmen und ausprobieren können, wie sie schneiden.“ Auf dem Mittelaltermarkt werden außerdem Repliken von Schwertern verkauft. Diese seien jedoch alle stumpf, so Vogel. Deshalb verstoße das Ausstellen dieser Ware gegen keine Auflagen.
Wiedereröffnung am Dienstag
Am Dienstag, dem 16. Dezember, soll „Messer-Mania“ um 15 Uhr mit verschärften Sicherheitsmaßnahmen wieder eröffnen. Neben Überwachungskameras, die Kreidl schon letztes Jahr angeschafft hat, wird nun also auch eine Folie oder eine Plexiglasscheibe über den Messern für mehr Sicherheit sorgen. Marc Vogel merkt an, dass er nächstes Jahr im Vorfeld mehr auf die Sicherheit an den Ständen achten will und sich konkreter mit allen Betreibern und dem Marktamt austauschen möchte.
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