Nürnberg - Harvard-Student isst in 30 Tagen 720 Eier und senkt dabei überraschend seinen schlechten Cholesterinwert. Ein außergewöhnliches Experiment, das Ernährungsmythen ordentlich ins Wanken bringt.

Ein skurriles Selbstexperiment eines Studenten liegt zwar schon ein Jahr zurück, dennoch sorgt es aktuell erneut für Aufsehen: Der Medizinstudent Nick Norwitz von der Harvard Medical School entschied sich, innerhalb von nur 30 Tagen ganze 720 Eier, also durchschnittlich 24 Eier pro Tag, zu essen, um zu testen, wie sich das auf seinen Cholesterinspiegel auswirkt. Seinen Selbstversuch dokumentierte er in einem YouTube-Video.

Viele Menschen scheuen sich, Eier zu konsumieren, da ein Ei etwa 200 Milligramm Cholesterin enthält, also mehr als beispielsweise ein Schnitzel oder Steak, berichtet unter anderem t-online. Dennoch vertrat Norwitz, der vor seinem Medizinstudium an der Universität Oxford über menschlichen Gehirnstoffwechsel promovierte, die These, dass eine extrem hohe Cholesterinzufuhr den LDL‑Spiegel, also das „schlechte“ Cholesterin, nicht zwangsläufig erhöhen muss.

Lebenswichtiger Stoff

Cholesterin ist ein fettähnlicher Stoff, der im Körper lebenswichtige Funktionen erfüllt. Cholesterin ist wichtig für Zellmembranen, Hormone und Gallensäuren, so die Deutsche Herzstiftung. Es wird größtenteils in der Leber produziert, teilweise durch Nahrung aufgenommen. Cholesterin wird im Blut über sogenannte Lipoproteine transportiert, dabei unterscheidet man vor allem zwischen LDL, also Low-Density Lipoprotein, das als „schlechtes Cholesterin“ gilt, weil es sich in den Gefäßen ablagern kann, und HDL, also High-Density Lipoprotein, dem „guten Cholesterin“, das überschüssiges Cholesterin aus dem Körper abtransportiert. Ein hoher LDL-Wert erhöht das Risiko für Herzkrankheiten, daher sind Ernährung und Lebensstil entscheidend.

Durchführung des Experiments und Ergebnis

Norwitz war der Meinung, dass eine extrem hohe Cholesterinzufuhr den LDL‑Spiegel, also das „schlechte“ Cholesterin, nicht zwangsläufig erhöhen muss und wollte dies beweisen, berichtet t-online.

Über den Versuchszeitraum dokumentierte er konsequent seine Ernährung und Blutwerte. Bei normaler Ernährung lag sein LDL‑Wert bei etwa 90 mg/dl. Nach den 30 Tagen zeigte sich eine überraschende Entwicklung: Sein LDL sank, im Vergleich zum Ausgangswert, um rund 18 Prozent.

Das Experiment führte zu einer Gesamtaufnahme von ungefähr 133.000 Milligramm Cholesterin innerhalb eines Monats, dennoch kam es zu keinem Anstieg, sondern zu einem messbaren Rückgang des LDL, so auch in seinem YouTube-Video dokumentiert.

Während des Selbstversuchs blieb der Student weitgehend bei seiner ketogenen Diät, reich an Fleisch, Fisch, Käse, Joghurt, Olivenöl, Nüssen und dunkler Schokolade. Die Eier verzehrte er in unterschiedlichster Art und Weise: gekocht, gebraten, als Omelett oder gefüllt. Zusätzlich betrieb er wöchentlich etwa eine Stunde Calisthenics, also Sportübungen mit dem eigenen Körpergewicht.

Etwa zur Mitte des Experiments fügte er zudem 60 Gramm Kohlenhydrate täglich hinzu, vorrangig aus Bananen, Blaubeeren und Kirschen. Diese Änderung trug seiner Einschätzung zufolge weiter zur Senkung des LDL bei, trotz der enormen Cholesterinzufuhr.

Das Ziel des Experiments

Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung (DGE) spricht sich in ihren Richtlinien für einen moderaten Eierkonsum von zwei bis drei Eiern pro Woche aus. Dieser Wert bezieht auch verarbeitete Ei‑Bestandteile wie in Mayonnaise, Backwaren oder Saucen mit ein. Laut der DGE sei es allerdings gesundheitlich unproblematisch, wenn gesunde Menschen gelegentlich mehrere Eier verzehren.

Mit seinem Experiment verfolgte Norwitz das Ziel, kontroverse Ernährungsempfehlungen zu hinterfragen und Aufmerksamkeit für Stoffwechselforschung zu schaffen.