
Rebecca F. Kuang ist keineswegs ein Über-Nacht-Erfolg. Die US-amerikanische Autorin hat sich mühsam an die Spitze gekämpft – und ist nun, doch irgendwie plötzlich, aus der Literaturlandschaft nicht mehr wegzudenken. Mit ihrer "Poppy-War"-Trilogie hat Kuang eine treue Leserschaft gewonnen. Spätestens mit "Babel" war die Autorin erfolgreich auf BookTok etabliert. Im August ist schließlich ihr neuester Roman "Katabasis" erschienen. Doch wieso sind sich Fans darüber uneinig?
In ihrem jüngsten Werk erzählt Kuang die Geschichte von Alice Law und Peter Murdoch. Beide sind intelligent, ambitioniert und Doktorandin beziehungsweise Doktorand bei Jacob Grimes. Beide befinden sich auf der Zielgeraden, als ihr Doktorvater während eines Unfalls plötzlich stirbt. Beide entscheiden sich schließlich, in dieser offenbar ausweglosen Situation ihrem verstorbenen Professor in die Hölle zu folgen.
Es ist nicht das erste Mal, dass Kuang durch die Welt der Wissenschaft führt. Bereits Babel hat sich intensiv mit der Universitätswelt, den sozialen Protokollen und der Linguistik beschäftigt. Dieses Mal steht mehr noch als anderes die Welt der Wissenschaft im Vordergrund. Die Autorin erklärte zuvor in Interviews, dass sie in ihren Dark-Academia-Büchern gerne auch ihre eigenen Erfahrungen referiert. Eben wie ihre Figuren arbeitet auch die 29-Jährige aktuell an ihrer Dissertation.
Und in diesem Punkt scheiden sich die Geister: Immer wieder kritisieren Nutzerinnen und Nutzer auf TikTok, dass Kuangs Bücher zu akademisch seien, sie sich in ihrer Welt verliere und entweder zu ausführlich oder zu wenig erkläre. Während Fußnoten, komplizierte Fachbegriffe und Themen die einen überfordern, begrüßen andere Kuangs Schreibstil.
Academia müsse schließlich Academia beinhalten, argumentieren Fans.
"Katabasis"
von Rebecca F. Kuang
- 656 Seiten
- Verlag Eichborn
- ISBN: 978-3-8479-0216-4
- 28 Euro
Aber wie viel Academia ist zu viel Academia?
Kuangs Academia-Romane zeigen deutlich ihre Leidenschaft für das Fach, doch Literatur darf und soll auch herausfordern. Solange der Erzählfluss nicht gestört wird, gibt es keinen Grund, warum Platon nicht auch einer breiten Leserschaft nähergebracht werden sollte. Kuangs Bücher sind anspruchsvoll – aber nicht überfordernd.
"Es macht mich wirklich traurig, dass es ein Umfeld geben könnte, in dem selbst die grundlegendsten Fragen der Moralphilosophie wie Gebiete prätentiöser Studenten wirken – anstatt wie Fragen, mit denen wir uns alle auseinandersetzen und die wir selbst durchleben müssen", betont Kuang während dem Manchester Literature Festival.
@hotlinelit @kuangrf said I asked a fantastic question and it’s going on my CV! And also on my booksta/booktok because I think it’s a wonderful answer that needs to be shared with the world. I feel so lucky to be able to engage with @kuangrf’s work at such a deep and soulful level, it speaks to a core part of the way I think about and see the world and I’m so grateful that Rebecca wakes up and chooses to write books like Babel and Katabasis so I can engage with these ideas in a fun and creative way. But I won’t deny that part of the reason I am so attracted to this work is my own (often terrible) experiences with academia and grad school especially at UChicago and grappling with “The Life of the Mind” - at the expense of losing a grip on reality. And so, I’m so committed to engaging with authors that make these core intellectual ideas accessible to everyone and rejecting the elitism of Academia. And for that reason, I love this answer, love this book (so far!) and love The Good Place! AND how fitting this is a campus novel as I got to be back in my very own undergrad city for the event - how special! Thank you to @mcrlitfest for a delightful evening! #rfkuang #katabasis #bookrelease #booktok #bookrecommendations ♬ original sound - hotlinelit
Und "Katabasis" tut genau das, wovon die Autorin überzeugt ist: Smart und leidenschaftlich erzählt Kuang Alices Geschichte – davon, was es bedeutet, als Frau in der Wissenschaft zu leben, was Wissenschaft ausmacht und woran sie scheitert. Die Bestseller-Autorin entwirft hierfür ein komplexes Magiesystem sowie ein Bild der Hölle, das mitunter schwer zu durchdringen ist – das man aber dennoch weiter entdecken möchte. Mit ihrem Roman landet Kuang in der ersten Woche bereits auf Platz 1 der Spiegel-Bestsellerliste.