
Das Gebäude aus den roten Ziegelsteinen hat eine lange Geschichte: Das soll man dem Z-Bau im Nürnberger Stadtsüden auch anmerken. Seit heuer inzwischen zehn Jahren ist wieder Leben in der ehemaligen Nazi-Kaserne – am 3. Oktober und 4. Oktober wird dieses Jubiläum groß gefeiert. Das alte Ziegelstein-Gebäude ist längst ein Hort für zeitgenössische Kunst und Kultur jeder Art geworden.
„Wir wollen kulturellen Freiraum schaffen – für Veranstaltungen, für Kreative aller Art oder auch nur zum Basketballspielen“, sagte Andy Wallner, der fürs Programm verantwortlich zeichnet und stellvertretender Geschäftsführer ist, bereits vor gut zehn Jahren in einem Interview mit der Redaktion. Es sei ein Haus, „eine Spielwiese“ für Gegenwarts- und Popkultur, „die wir fördern wollen“. Es gibt „viel Platz und viele Möglichkeiten, die die verschiedenen Sparten ausschöpfen können“.
Viel buntes Leben und Kultur in den Gängen der ehemalige Kaserne
Tagsüber werden die Räume im oberen Stockwerk des 5500 Quadratmeter großen Gebäudes mit 5500 Quadratmetern bespielbarer Fläche von Künstlern als Ateliers benutzt - als Tonstudios, Werkstätten oder Projektbüros, wie das der Graffiti-Akademie Style Scouts. Als feste Instanz hat sich der Kunstverein Hintere Cramergasse (KV) auf dem Gelände eingenistet, der bereits seit 1975 für Subkultur arbeitet – auch gibt es immer wieder Ausstellungen von Schülern der Akademie der Bildenden Künste. Was nur wenige wissen: Neben Band-Räumen mit Übernachtungsmöglichkeiten besteht in den Gängen des Kulturzentrums auch eine Mikrobrauerei, in der das beliebte Z-Bräu in geringer Auflage produziert wird.
Auch der weitläufige Außenbereich mit Biergarten und dem Nordgarten hin zur Frankenstraße sind Teil dieser künstlerischen Spielwiese: Im Biergarten legen DJs in lauen Sommernächten auf, es gibt aber auch ein modernisiertes Bingo, beispielsweise. Abends treffen hier Biergartenhocker mit Freunden von Flohmärkten oder Lesungen, Punks, Anhängern von Techno-Veranstaltungen oder Konzertbesuchern zusammen.
Der Z-Bau und seine Akteure sehen sich als „aufmerksame und kritisch-konstruktive Stimme der Kulturpolitik. Ein reflektiertes Bewusstsein wird hierbei dem Spannungsfeld von Freiheit und Wirtschaftlichkeit entgegengebracht“, erklärte Wallner. Dementsprechend sei er nonprofitär und gemeinwohlorientiert ausgerichtet. „Über seinen Standort hinaus betrachten wir den Z-Bau und seine Akteur*innen als aufmerksame und kritisch-konstruktive Stimme der Kulturpolitik“, heißt es dazu im Leitbild des Hauses.
Von der Kaserne zum Kulturzentrum: Die Geschichte des Z-Baus
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde das Areal von den Amerikanern als Stützpunkt genutzt, bis 1991 der letzte Soldat die „Merrell Barracks“ verließ. 2000 zog die Kultur in den denkmalgeschützten Z-Bau: Kollektive und Vereine bespielten ihn bis 2011. Darunter auch der Kunstverein Hintere Cramergasse (KV) sowie der Zoom Club. Als die Zwischennutzung 2011 nicht verlängert wurde, gab die Stadt Studien in Auftrag, um die Zukunft als Kulturort zu beschreiben.
Nach Überprüfung des Konzeptes und Zustimmung des Nürnberger Stadtrates gründete sich 2014 die GkF, die Gesellschaft für kulturelle Freiräume. Sie besteht aus dem Kunstverein Hintere Cramergasse, der Musikzentrale Nürnberg und der Stadt. Die Stadt ist Förderer des Z-Bau, der aber ist „parteipolitisch unabhängig“. Es sei ein „ungewöhnliches Konstrukt“.
Im Frühjahr 2017 stand der zweite Teil der großen Z-Bau-Sanierung an, die 2012 begonnen und 2015 zu Ende war. Bis 2019 sollte warme Gastronomie das Arbeits- und Feiervolk tagsüber und auch nachts versorgen, außerdem waren Probenräume im Keller geplant oder der Ausbau des Saals, der die Akustik eines Konzertsaals sowie die Technik samt Lüftung dafür umschloss. Seit einigen Jahren ist der große Saal voll nutzbar.
„Wir sind anderen Kunstformen gegenüber sehr offen, die nicht jeder Otto-Normal-Verbraucher mag“, sagte Wallner schon, als der z-Bau noch ganz jung war. Aktuell haben hier freie Theatermacher einen Raum. Das ziehe weitere an — und zwar so viele, dass neben vielen Ehrenamtlichen auch das feste Team inzwischen auf ordentlich gewachsen ist. Auch die Reihe NUE-Jazz, die alljährlich in die aktuellen Spielarten des Jazz darbietet, ist auch hier seit rund neun Jahren beheimatet.
Der Z-Bau Nürnberg feiert sein Zehnjähriges ordentlich
Sein zehnjähriges Bestehen feiert der Z-Bau in der Frankenstraße 200 am Freitag, 3. Oktober, und Samstag, 4. Oktober 2025, mit einem Festival. Während der Freitag für viele Konzerte, Gigs und Party auf allen Bühnen des Z-Baus reserviert ist, stehen am Samstag ein Tag der offenen Tür, Familienprogramm und später eine Clubnacht an. „Ausgedehnt und überschwänglich, mit über 10 Konzerten, einer Clubnacht, einem Tag der offenen Tür, mit allen Mieter*innen, mit Wegbereiter*innen und Wegbegleiter*innen, mit unseren Liebsten, mit Friends und Family, also kurz gesagt, mit Euch“, schreibt der Z-Bau in fröhlich-einladenden Worten auf seiner Webseite.
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Am Freitag beginnt der Einlass um 17 Uhr, auf allen Bühnen des Hauses spielen dann folgende Acts:
- Megaloh
- futurebae
- SMILE
- Pogendroblem
- Lovehead
- AFAR
- Das Günther
- Trashperle
- Ehekrach
- Qnoe
- ix_tar
- Whos Next
- Odpisani
- I feel Violent
Tickets zwischen 16,50 Euro und 27,50 Euro (zzgl. Gebühren) für den 3. Oktober bekommt man über die Webseite des Z-Baus.
Am Samstag beginnt der Tag der offenen Tür mit Familienprogramm ab 14 Uhr. Dazu ist der Eintritt frei. Angeboten werden Hausführungen, eine Ausstellung, Kulinarisches, gemütliches Zusammensitzen, Special-Bühnen und Special-Guests. Ab 22 Uhr beginnt mit der Clubnacht das wilde Finale der 10-Jahres-Feier, auch hier braucht man ein Ticket, das ab 16, 50 Euro zu haben ist.
Z-Bau-Jubiläum heißt traditonell auch Biergarten-Closing - in diesem Jahr sogar an zwei Tagen. Der Eintritt für den Biergarten ist das ganze Wochenende frei, dort legen DJs auf.
