Bad Kreuzen - Zwischen Linz und der Wachau entdeckten wir im Mühlviertler Strudengau Hügel voller Wiesenblumen, laufen über einsame Donausteig-Pfade, probieren regionale Schmankerl und plaudern mit herzlichen Gastgebern – eine entspannte Alternative zu den Alpen.

Wir schlummern noch tief, da klopft es kurz nach 6 Uhr an die Türe. Eine weiß gekleidete Frau mit Eimer tritt zur Morgenwaschung herein: „Bitte den Oberkörper freimachen“, sagt sie und legt uns den Lappen an. Wir dachten, der ist warm, doch er ist eiskalt. Wir müssen uns zusammenreißen, um nicht aufzuschreien. Selber schuld, wenn man diese Behandlung im Curhaus des Wanderdorfs Bad Kreuzen gebucht hat, einem Hotel und Zentrum für Traditionelle Europäische Medizin, das sich den Lehren Sebastian Kneipps verschrieb. Nach der kalten Abreibung dürfen wir zum Glück nochmal eine Stunde unterm warmen Deckchen dem – natürlich sehr gesunden – Frühstück entgegen schlummern.

Mein ganz persönlicher, größter Luxus: Ich darf nach dem Frühstück nochmal ins Bett! Dort liegen schon heiß gedämpfte Heuwickel, die nach gemähter Blumenwiese duften. Wir legen uns erneut mit freiem Oberkörper darauf, dann packen sie uns dick in Decken ein. Eingewickelt wie Mumien dösen wir nochmal eine Stunde unserer Wanderung zum Grillweltmeister entgegen.

Wir haben ein paar Tage Urlaub und wollen spontan von Quartier zu Quartier wandern – im Sommer, in den Ferien, in der Hauptsaison! In den Alpen treten sie sich jetzt auf die Füße, und auf den Hütten bekommen wir keinen Platz mehr. Doch uns ist nach Österreich, nach seiner gemütlichen Gediegenheit, nach warmem Dialekt, Kaiserschmarrn, Bergwiesen und Fernblick. Also sind wir mal ins Mühlviertel gefahren, in den Strudengau an der Donau, ziemlich genau zwischen Linz und der Wachau gelegen. Über seine kurvigen Sträßchen kann man wunderbar Motorrad oder mit dem Auto fahren, durch ihn verlaufen ein paar der schönsten Etappen des Donausteigs, der durch den Süden Oberösterreichs immer in der Nähe des Flusses entlangführt.

Dort wandern wir auf super ausgeschilderten Pfaden durch dichten Mischwald und über sanfte Hügel, auf denen immer ein stolzer Bauernhof mit einem Garten voller Blumen steht. Auch die Wiesen sind voller bunter Blüten, und die, die frisch gemäht wurden, duften wunderbar nach Heu. Immer haben wir einen weiten Blick, nach Süden hin übers Donautal sogar bis tief in die Alpen. Es ist selbst im Hochsommer ein Wanderurlaub unter Einheimischen, auf den Pfaden laufen wir sogar nahezu alleine. In den Gasthöfen, die wir zum Übernachten abklappern, werden wir herzlich empfangen, das Essen ist regional und super, dazu gibt es selbst gemachten Most und Wein aus der Umgebung – die Preise liegen hier jedoch weit unter denen in den Alpen.

Der Grillweltmeister zeigt uns den Pfad zum perfekten Steak

Langsam wird es zu heiß im Mumienschlafsack, ich strample mich frei und wir brechen auf zum Leo Gradl, der ein echtes Original sein soll. An murmelnden Schurzmühl-Bach entlang geht‘s tief ins Stille Tal, wo er sich mit seiner Grillschule niedergelassen hat. Es duftet schon von Weitem nach glimmender Kohle. Den Grill hat er „nur für Wanderer, nicht für Autofahrer“ nach vorheriger Buchung angeschürt für ein feines Picknick mit Porterhouse-Steak oder Filet vom Landschwein, Pesto-Baguette und selbst gerührten Soßen.

„Ihr müsst’s das Fleisch erstmal auf den Fettrand stellen, damit der schön knusprig anbrät, dann legt ihr das Männerspielzeug von beiden Seiten auf, bis die Kerntemperatur 50 Grad erreicht. Dann kommt es zur Rast aufs Kräuterbett, bei 53 Grad dürft Ihr es tranchieren. Das gibt Aquaplaning im Mund!“, lacht er und gibt noch viel mehr Tipps für das perfekte Steak. Das grillen wir mit den Füßen im Wasser mitten im Bach hinter seinem Hof - nie hat uns ein Steak besser geschmeckt.

Oberösterreich Wandern an der Donau bei Bad Kreuze
Leo Gradl ist Grillweltmeister und zeigt in seinem stillen Tal, wie Wanderer das perfekte Steak zubereiten. Als Beilage gibt‘s Pestobaguette am Spieß. © Matthias Niese

Auch diese Kalorien können wir die nächsten Tage gut gebrauchen, denn wir wandern noch zwei rund 20 Kilometer lange Etappen des Donausteiges im Strudengau. Etappe 4_G08 führt ab Gasthof Schauer mit seinem schönen Innenhof rund 25 Kilometer von Waldhausen im Strudengau zur Stiftskirche und über Höhenrücken mit weiten Ausblicken vorbei am Mondstein und durchs idyllische Kasmüllerbachtal zur Burg Kreuzen. Wir durchsteigen die wildromantische Wolfsschlucht mit ihren Felsformationen und dichtem Wald, bevor der Weg ins Donautal nach Grein mit seiner historischen Altstadt, dem Schloss und dem einzigartigen Stadttheater von 1791 hinabführt. Die letzten fünf Kilometer schenken wir uns allerdings nach einer ausgiebigen Jause auf der Speckalm. Wir bestellen uns das Ruftaxi, das uns auch nach anderen Etappen flott ins Quartier und am Ende zu unserem Auto bringt.

Eine gefährliche Etappe voller Untiefen und Strudel

Die letzte Donausteig Etappe 4_G06 nennt sich passenderweise auch „Durch den wilden Strudengau“ - vor Grein begann ein Stück Donau voller gefährlicher Untiefen und Strudel („Strudengau“), das einst die Witwen der darin abgesoffenen Bootsleute zum Greinen („Grein“) brachte. Die gefährlichen Felsen wurden zwischen 1850 und 1866 systematisch durch Sprengungen beseitigt, um die Schifffahrt sicherer zu machen. Man kann die Enge noch heute gut von der Gobelwarte aus sehen, die den besten Rundblick über die Region bietet.

Oberösterreich Wandern an der Donau bei Bad Kreuze
Blick von der Gobelwarte auf das Städtchen Grein mit seinem Schloss, das noch heute der Familie Sachsen-Coburg-Gotha gehört. Rechts der Teil der Donau, der durch Sprengungen für die Schiffahrt zugänglicher wurde. © Matthias Niese

Diesem Abschnitt von Grein bis Sarmingstein folgt die etwa 17 Kilometer lange Etappe in wildem Zickzack durch das sagenumwobene Donaukerbtal und in die Stillensteinklamm mit ihrem unterirdischen Bachlauf und spektakulären Wasserkaskaden weiter durch stimmungsvolle Mischwälder mit Blicken auf Burg Werfenstein. Wir machen zwischendrin noch einen Abstecher zur Aumühle, wo wir - wieder nur unter Einheimischen - Mühlviertler Klassiker und solide österreichischen Hausmannskost probieren – und uns zum Dessert noch einen letzten Kaiserschmarrn teilen.

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Der Strudengau an der Donau. © gute reise Infografik


Mehr Informationen:

WGD Donau Oberösterreich Tourismus GmbH, www.donauregion.at, Facebook & Instagram: @donauregion
Noch mehr Angebote zum Sommer in Österreich finden Sie unter: www.austria.info/sommer

Anreise: Ab Nürnberg per Auto rund 4 1/2 Stunden 380 Km über A3 via Passau, Linz. Per Zug ab 3 1/2 Stunden via Linz nach Amstetten.
Beste Reisezeit: Von Frühjahr/April bis Herbst/Oktober.

Quartier: Gasthof Schauer in Waldhausen: www.gasthof-schauer.com, Gasthof Traube in Grein: www.zurtraube-grein.at, Curhaus Bad Kreuzen: www.curhaus.at


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