Nürnberg - Eine Gruppe Demonstrierender hat am Montagabend in Form eines großen Picknicks die Fahrbahn des Spittlertorgrabens blockiert. Damit protestierten sie gegen das rechtsextreme „Team Menschenrechte“, das nun wieder regelmäßig durch Nürnberg läuft.

Zwischen 30 und 50 Aktivistinnen und Aktivisten breiten am Montagabend auf der Fahrbahn des Spittlertorgrabens im Bereich des Fürther Tors Decken aus, lassen sich darauf nieder wie bei einem Picknick. Sie spielen Karten, unterhalten sich, halten Plakate hoch und schreiben „Nazis raus“ mit Kreide auf die Straße. NN.de hatte am Montagabend zuerst über die Aktion berichtet.

Die Polizei wertete das Geschehen nach eigener Aussage als Versammlung und wies den Demonstrierenden eine Versammlungsfläche auf dem Gehweg neben der Fahrbahn zu. Dieser Aufforderung kamen 16 Personen nicht nach. Wie NN.de berichtete, löste die Polizei die Versammlung gegen 20.30 Uhr auf. Laut Polizei wurden die verbleibenden Demonstrierenden von der Straße getragen. Die Polizei ermittelt jetzt wegen Ordnungswidrigkeiten nach dem Versammlungsgesetz und gegen drei Demonstrierende auch wegen des Verdachts des Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte. Etwa zwei Stunden blockierten die Demonstrierenden die Fahrbahn auf Höhe des Fürther Tors.

„Straßenfest“ nennen die Aktivistinnen und Aktivisten die laut Polizei nicht angemeldete Aktion. Sie wollen damit nach eigener Aussage die Aufmerksamkeit weg von der Demonstration des „Team Menschenrechte“ lenken.

Wer ist das „Team Menschenrechte“?

Denn die rechtsextreme Gruppe „Team Menschenrechte“ läuft nach einer kurzen „Sommerpause“, wie die Gruppe es selbst bezeichnet, wieder regelmäßig durch Nürnberg.

Das „Team Menschenrechte“ ist aus den Kritikerinnen und Kritikern der Corona-Maßnahmen hervorgegangen, mittlerweile wird unter anderem gegen „unkontrollierte Massenmigration“ und „Gesinnungsjustiz“ protestiert. Der „Staatsstreich“ soll beendet werden, heißt es in den Aufrufen.

Mit der Zeit haben immer mehr Rechtsextreme, führende Mitglieder der rechtsextremistischen Partei „Die Heimat“ und Funktionäre der AfD an den Protesten der Gruppe teilgenommen. Inzwischen ist das „Team Menschenrechte“ Beobachtungsobjekt des bayerischen Verfassungsschutzes. In der Gesamtschau lägen „hinreichend gewichtige tatsächliche Anhaltspunkte dafür vor, dass sich die Gruppierung aufgrund ihrer politischen Zielsetzung gegen die freiheitliche demokratische Grundordnung richtet“, wie der Verfassungsschutz auf Anfrage unseres Medienhauses mitteilt.

Gegen die Aufmärsche von „Team Menschenrechte“ regt sich seit einem dreiviertel Jahr großer Protest. Der Nürnberger Ortsverband „Omas gegen Rechts“ organisiert meist eine Kundgebung in direkter Nähe, oft gibt es auch eine laufende Gegendemonstration. Als Form des Protests nutzen die Gegenprotestierenden auch Sitzblockaden, um die rechtsextremen Demonstrationszüge aufzuhalten. Dabei kam es in der Vergangenheit immer wieder zu Einkesselungen der Demonstrierenden und dem Einsatz von Pfefferspray und Schlagstöcken durch die Polizei.

Gegendemonstration auf Alternativroute und Sitzblockaden

Neben dem „Straßenfest“ gab es auch am Montagabend wieder einen Gegenprotest, unter anderem von den „Omas gegen Rechts“. Rund 250 Gegendemonstrierende liefen zeitgleich zum „Team Menschenrechte“ auf einer Alternativroute in den Bereich der Rollnerstraße. Die Polizei setzte laut eigener Aussage Sperrgitter ein, um ein direktes Aufeinandertreffen der Demonstrationen zu verhindern.

Außerdem versuchten Gegendemonstrierende erneut, den Weg des „Team Menschenrechte“ zu durchkreuzen. Laut Polizei konnten die Einsatzkräfte das zum Teil verhindern, teilweise wurde aber auch „unmittelbarer Zwang“ eingesetzt. In der Pilotystraße bildeten mehrere Personen eine Sitzblockade auf der Fahrbahn, diese konnte von den Demonstrationsteilnehmenden aber umlaufen werden, so die Polizei.


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