
Eine Zweitliga-Saison ist lang. Fast schon naturgemäß geben sich bessere und weniger gute Phasen in schöner Regelmäßigkeit die Klinke in die Hand. Nach dem Bilderbuchstart in Saisonphase eins, als der 1. FC Nürnberg mit 16 Punkten aus sechs Partien furios begann, drohte der zweite Block zwischenzeitlich zum unsanften Realitätscheck zu werden. Drei Mal in Folge blieb der Club sieglos, scheiterte im Pokal zudem erwartungsgemäß an Europapokalteilnehmer Leverkusen.
Etappenziel erreicht
Zehn Tage später hat der FCN nicht nur einen anderen Sportvorstand, sondern auch sechs Punkte mehr auf der Habenseite. War der 3:1-Erfolg auf St. Pauli noch einer der Marke „schmeichelhaft“, erarbeitete sich der Club gegen Darmstadt einen verdienten 2:0-Heimsieg. Nebenbei zementierten die Franken ihren zweiten Tabellenplatz. Auch der Cheftrainer zeigte sich daher mit der Zwischenbilanz voll zufrieden: „Ich bin froh, dass wir als Zweiter in die Länderspielpause gehen“, so Klose, der noch eine Forderung hinterherschob: „Wir müssen in Etappen denken.“
Nun, da die erste geglückt ist und auch Etappe zwei hinten raus noch erfreulich gestaltet wurde, liegt der Club voll auf Kurs. Ins gleiche Horn blies auch Stürmer Piet Scobel. Der 21-Jährige hatte seine Farben gegen den SVD auf die Siegerstraße gebracht. Nach Abpfiff merkte der Torjäger an, dass man mit den bisher gesammelten Zählern durchaus zufrieden sein könne - besonders angesichts der schwerwiegenden Ausfälle von Mohamed Ali Zoma und Finn Becker.
Justvan: „Wollen definitiv oben bleiben“
Die nächste, zugleich letzte Etappe des Kalenderjahres sieht noch fünf Aufeinandertreffen vor, von denen immerhin drei im heimischen Achteck steigen. „Bis zum Winter sind noch genug Punkte zu vergeben und ich hätte schon gerne noch den einen oder anderen“, unterstrich Klose. Und wenn auch das gelingt? Der zu ausschweifende Blick in die Zukunft ist den Nürnberger Akteuren - zumindest offiziell - fremd. „Wir gucken auf jedes einzelne Spiel“, betonte Scobel stattdessen mit Nachdruck. Allerdings habe man „genug Potential, um gegen jeden Gegner gewinnen zu können“ und die Top-Leistungen nun bereits „über eine gewisse Zeit“ abgerufen. „Wir wollen definitiv oben bleiben“, brachte es der auffällige Julian Justvan auf den Punkt.
Sichtbar war gegen die Lilien jedoch auch, woran es noch hapert. Nach dem Führungstor agierten die Franken zu passiv, wussten diesmal aber das nötige Quäntchen Glück und Kapitän Jan Reichert auf ihrer Seite. „Dieses tiefe Verteidigen ist nicht unsere Stärke“, monierte Justvan. Sein Team habe in dieser Phase „keinen Druck auf den Ball“ ausgeübt, lautete Kloses Erklärung für die wackeligen Minuten. Diese überstand der FCN jedoch schadlos und drängte anschließend selbst auf die Entscheidung. Dass das 2:0 eine Koproduktion von Rayan Ghrieb und William Bøving war, die im Club-Dress beide bis dato noch etwas glücklos agiert hatten, machte den Heimsieg besonders rund.
Trotz der jüngsten Positivergebnisse kommt die Länderspielunterbrechung nicht ganz ungelegen. „Ein bisschen träge“ habe sich seine Mannschaft im Training unter der Woche präsentiert, berichtete Klose. Um die Akkus wieder aufzuladen, haben Reichert und Kollegen nun zwei Wochen Zeit. Mit Eintracht Braunschweig gastiert dann der nächste, auf dem Papier schlagbare Kontrahent im Max-Morlock-Stadion. Besonders im Unterhaus muss das bekanntlich nichts heißen. Und doch winkt bei einer weiteren Top-Leistung der nächste gelungene Etappenstart.