Nürnberg - Nürnbergs Clubszene wird erfinderisch und das muss sie auch. Denn die Ausgehkultur hat sich stark verändert. Der Rakete-Betreiber Tom Zitzmann zieht Bilanz.

Wie viele andere Unternehmen ächzt auch Bayerns Clubszene unter gestiegenen Energie-, Personal- und Betriebskosten, verändertem Ausgehverhalten und sparsameren Gästen. Wie blicken die Betreiber in die Zukunft? Einer, der es wissen muss, ist Tom Zitzmann, Geschäftsführer der „Rakete“, die Techno-Institution Nürnbergs. „Die Rakete weiter zu betreiben, das wird von Jahr zu Jahr immer schwieriger. Die Leute müssen sparen und da kommen Kultur- und Freizeitangebote natürlich an erster Stelle“, sagt er. Seit 2004 hat sich der Club fest etabliert. Große Künstlernamen locken Feierwütige aus Ingolstadt, Bamberg und der Oberpfalz in die Vogelweiherstraße.

Doch die Clubkultur habe sich verändert, sagt er: „Ich würde behaupten, seit der Corona-Pandemie haben wir rund drei Generationen an Publikum verloren. Auch die Razzia vor drei Jahren hat uns schwer belastet, unser finanzielles Polster ist seitdem fort.“ Früher sei es nicht unüblich gewesen, mehrmals in der Woche wegzugehen. „Mittlerweile gehen die Kids einmal, wenn‘s hochkommt vielleicht ein- bis zweimal im Monat weg.“ Lohnkürzungen, Krieg, Unsicherheiten: Auch die politische Lage drücke bei vielen auf die Stimmung, schätzt Zitzmann. Der Club sei immer auch ein Ort gewesen, um neue Leute kennenzulernen, andere Kulturen, andere Altersgruppen. Die bunte Mischung gehe immer weiter verloren. Die Algorithmen von Spotify und Co. sorgten zudem dafür, dass junge Menschen immer weniger mit Underground- und Independent-Musik in Berührung kommen würden.

Nürnbergs Clubs müssen erfinderisch werden

Was müsste sich also verändern, dass die Clubbetriebe auch noch in den nächsten zehn Jahren rentabel bleiben? „Die politische Lage“, sagt Zitzmann darauf sofort. Bis dahin werden Nürnbergs Clubbetreiber erfinderisch. Erweiterte Zielgruppen, frühere Uhrzeiten, besondere Specials: So gab’s im Club Mach Eins in der Nürnberger Innenstadt im Oktober 2026 die erste Nürnberger Ausgabe einer Ü60-Party, mit Hits ab den 1960ern bis in die 1980er. Gefeiert wurde ab 19 Uhr.

Das bekannte Haus 33 in Nürnberg hat eine neue Veranstaltung ins Leben gerufen: statt stampfender Füße gibt‘s fließende Yogabewegungen mit kraftvollen Beats, der Vodka wird gegen einen Ingwershot eingetauscht, Yogamatte inklusive.

Und auch Zitzmann gibt sich kämpferisch und humorvoll. „Ich sage immer, wir machen jetzt mal ein Schachturnier“, erzählt er augenzwinkernd. Tatsächlich probiert die Rakete mit „Comedy Galaxy“ ein neues Stand-Up-Format aus. Der nächste Termin ist am 26. November 2026. Und der Rakete-Betreiber gibt bereits einen Ausblick fürs kommende Jahr 2027: Dann sollen Dance-Battles und ein Ecstatic-Dance-Format im Veranstaltungskalender des Clubs stehen.