Nürnberg - Der unerwartete Tod von Hubert Aiwanger schockiert am Mittwochabend Bayern. Auch viele seiner politischen Wegbegleiter meldeten sich inzwischen zu Wort, um ihr Beileid auszudrücken.

Der Bundesparteitag der Freien Wähler soll nach dem Tod von Parteichef Hubert Aiwanger verschoben werden. „Wir wollen den Bundesparteitag absagen und ihn an einem anderen Termin stattfinden lassen“, sagte einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden, Joachim Streit, in SWR 1 Rheinland-Pfalz. Das werde voraussichtlich 2027 sein. Der Parteitag war am 14. November in Geiselwind geplant.

Der 55-jährige Aiwanger war am frühen Mittwochabend leblos in einem Berliner Hotel entdeckt worden. Am Mittwochnachmittag hätte Aiwanger bei der Eröffnung eines Hauptstadtbüros der Freien Wähler eine Rede halten sollen. Er habe sich aber aus gesundheitlichen Gründen abgemeldet und vertreten lassen. Später sei er nicht mehr erreichbar gewesen und dann leblos gefunden worden.

Auch Opposition reagiert bestürzt

Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) ließ über Instagram mitteilen: „Sein völlig unerwarteter Tod ist ein schwerer Verlust für den Bayerischen Landtag und für die gesamte Politik in Bayern.“ Auch Baden-Württembergs Ministerpräsident Cem Özdemir (Grüne) reagierte bestürzt: „Er war ein streitbarer Politiker mit Ecken und Kanten, der für seine Überzeugungen kämpfte“, betonte er. Die AfD-Bundesvorsitzende Alice Weidel sprach von einer „sehr traurigen Nachricht“.

Auch die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft sprach ihr Beileid aus: „Wir verlieren mit Hubert Aiwanger einen großen Bayern, einen Vollblutpolitiker und einen energischen Streiter für die Interessen der bayerischen Wirtschaft“, sagte deren Hauptgeschäftsführer Bertram Brossardt. „Hubert Aiwanger war ein leidenschaftlicher Verfechter der Anliegen von Mittelstand, Industrie, Handel und Handwerk in unserem Land. Sein Tod ist ein großer Verlust für Bayern.“

Bayerns IG Metall-Bezirksleiter Horst Ott zum Tod von Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger: „Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger hat uns tief bestürzt. Bei allen politischen Gegensätzen überwiegt in diesen schweren Stunden das Menschliche. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie, seinen Angehörigen und allen, die ihm nahestanden.“

Mit großer Bestürzung hat auch der Bayerische Hotel- und Gaststättenverband DEHOGA Bayern die Nachricht vom plötzlichen Tod des Bayerischen Wirtschaftsministers und stellvertretenden Ministerpräsidenten aufgenommen.

Angela Inselkammer, Präsidentin des Bayerischen Hotel- und Gaststättenverbandes DEHOGA Bayern: „Unser Mitgefühl gilt in diesen schweren Stunden seiner Familie, seinen Angehörigen, seinen Freunden sowie allen Menschen, die ihm persönlich und politisch nahestanden. Ihnen sprechen wir unser aufrichtiges Beileid aus und wünschen ihnen viel Kraft und Trost. Mit Hubert Aiwanger verliert Bayern einen Politiker, der die wirtschaftliche und politische Entwicklung unseres Freistaates über viele Jahre maßgeblich mitgeprägt hat.

Streit: „Ein echter Freigeist“

„Hubert Aiwanger war ein echter Freigeist. Vielleicht auch einer der letzten, den wir haben“, sagte der EU-Abgeordnete Streit. „Er war nah bei den Menschen und ihnen zugewandt und ein Kämpfer für den kleinen Mann.“ Gleichzeitig habe er aber immer das Große im Blick gehabt, „auch über Bayern hinaus für Deutschland“.

Fassungslos, schockiert, ein großer Verlust: Mit Hubert Aiwanger verliert seine niederbayerische Heimat nach Worten des Bürgermeisters von Rottenburg an der Laaber einen überparteilichen Politiker, der nicht so schnell ersetzt werden kann. „Wir verlieren einen großen Rottenburger mit ihm“, sagte Laurentius Seidl (CSU) am Morgen nach dem Tod des Vize-Ministerpräsidenten. Viele Bürger in der Stadt im Landkreis Landshut seien geschockt. Er selbst habe vom Tod Aiwangers aus den sozialen Medien erfahren.

„Er war ja wirklich topfit, wenn man ihn immer wieder getroffen hat und so voller Energie und Elan.“ Man habe nicht damit gerechnet, dass ihn irgendetwas umhauen könne, sagte Seidl. „Aber man sieht, wie schnell es gehen kann.“

Seidl: „Er war nahbar“

Für Rottenburg mit seinen gut 8400 Einwohnern war es Seidl zufolge etwas Besonderes, den stellvertretenden Regierungschef in der Stadt zu haben. Aiwanger sei in seiner Heimat sehr verwurzelt gewesen und viel unter die Leute gegangen, der Landkreis Landshut sei sein Wahlkreis gewesen. Aiwanger kam 1971 im Ergoldsbach zur Welt, etwa 13 Kilometer östlich von Rottenburg.

„Egal welche Veranstaltungen, so wie es ihm möglich war, war er immer da, hat mit den Leuten gesprochen“, sagte der Bürgermeister. „Er war nahbar für die ganzen Leute hier bei uns in der Stadt Rottenburg. Also wirklich ein sehr engagierter Politiker.“

Seidl will im Laufe des Tages oder am Freitag Kontakt zur Familie Aiwangers aufnehmen. Der Niederbayer lebte mit der Freie-Wähler-Landrätin Tanja Schweiger zusammen und hatte zwei Kinder.

Unionsfraktionschef Frei spricht von „menschlicher Tragödie“

Unionsfraktionschef Thorsten Frei hat sich bestürzt über den Tod des bayerischen Vize-Regierungschefs Hubert Aiwanger (Freie Wähler) geäußert. Aiwanger sei „ein vergleichsweise junger Mann“ gewesen, der „von einer Sekunde auf die nächste tot“ gewesen sei, sagte der CDU-Politiker in der Sendung „Frühstart“ von RTL und ntv. „Und deswegen ist es natürlich vor allen Dingen eine menschliche Tragödie für seine Frau, für seine Kinder, für die Familie. Und es ist ein schreckliches Ereignis, persönlich unglaublich traurig.“

Frei sagte weiter, dass man als Politiker sicherlich manche körperlichen Warnzeichen überhöre. „Politik als Beruf ist ja jetzt nichts, wo man sich Krankheitsfehlzeiten leisten könnte, in der Regel.“ Deshalb habe man es in diesem Bereich mit vielen körperlich robusten Menschen zu tun. Ein Fall wie Aiwanger sei „ein sehr einschneidendes Ereignis, weil man spürt: Das sind Menschen, die sind verwundbar auch.“

Söder: „Schwerer Verlust für den Bayerischen Landtag“

Bayerns Ministerpräsident und CSU-Chef Markus Söder schrieb auf der Plattform X: „Der plötzliche Tod von Hubert Aiwanger ist eine absolute Tragödie. Wir sind alle zutiefst geschockt. Unsere Gedanken sind nun zuerst bei seiner Familie und seinen Kindern. Wir trauern mit ihnen und beten für sie.“ Landtagspräsidentin Ilse Aigner (CSU) schrieb auf Instagram: „Sein völlig unerwarteter Tod ist ein schwerer Verlust für den Bayerischen Landtag und für die gesamte Politik in Bayern.“ Auch die Opposition reagierte geschockt.

Am Donnerstagvormittag gab er zudem ein offizielles Statement vor der Presse ab: Er sei „echt schockiert und getroffen“ und habe „habe es, wie viele andere, nicht glauben können.“ Söder hat für Bayern Trauerbeflaggung angeordnet.

Aiwanger war seit 2008 im Landtag, seit 2018 Minister

2008 war Aiwanger mit seinen Freien Wählern erstmals in den bayerischen Landtag eingezogen und wurde deren Fraktionschef. Zehn Jahre später, 2018, schmiedeten CSU und Freie Wähler eine Koalition. Aiwanger wurde Wirtschaftsminister und Vize-Ministerpräsident.

Eine Zäsur war der Spätsommer 2023. Wenige Wochen vor der Landtagswahl in Bayern hatte ihn ein antisemitisches Flugblatt aus lang vergangenen Tagen eingeholt, das in seiner Schulzeit bei ihm gefunden worden war. Die Regierungskoalition mit der CSU stand am Rand des Scheiterns, Aiwanger drohte der Rausschmiss – und doch feierte er bei der Wahl wenige Wochen später ein neues Rekordergebnis von 15,8 Prozent für die Freien Wähler.

Im bayerischen Wirtschaftsministerium wird jetzt mindestens vertretungsweise Staatssekretär Tobias Gotthardt (Freien Wähler) die Amtsgeschäfte übernehmen - so ist es in der Geschäftsordnung der Staatsregierung geregelt.

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