
Mitte Oktober 2026 sind die Tiefkühlsysteme Hunderter französischer Supermärkte durch einen Cyberangriff lahmgelegt worden. Nach Angaben der Polizei übernahmen die Angreifer die Kontrolle über die Kühlanlagen, Lebensmittel verdarben, und es kam auch zu Bränden. Wenige Wochen später traf es Supermärkte in mehreren europäischen Ländern.
Auch in Bayern sind Betriebe betroffen. In Reisbach im Landkreis Dingolfing-Landau heizten sich die Kühlanlagen eines Supermarkts nach einem Angriff auf bis zu 50 Grad auf. Der Betreiber schrieb auf Facebook: „Die traurige Folge: Unmengen an Lebensmitteln mussten in die Tonne.“ Das Polizeipräsidium Niederbayern ermittelt und stimmt sich mit den Behörden anderer Länder ab.
Ein zweiter Fall ereignete sich in einer Metzgerei im Landkreis Neustadt an der Waldnaab in der Oberpfalz. Die Täter veränderten die Temperatureinstellung mehrerer Kühlhäuser so, dass sie sich auf bis zu 150 Grad erhitzten. Der Schaden liegt nach ersten Ermittlungen im fünfstelligen Bereich.
Wer für die Angriffe verantwortlich ist, ist bislang unklar. Pontus Johnson, Leiter des Zentrums für Cyberabwehr an der KTH Stockholm, sagte gegenüber tagesschau.de, es sei schwierig einzuschätzen, wer hinter den Angriffen stecke. Finanzielle Motive seien wahrscheinlich ausgeschlossen. Eher gehe es darum, für Unruhe zu sorgen. Er hielt es nicht für ausgeschlossen, dass prorussische Gruppen dahinter stecken könnten.
Müssen sich Lebensmittelbetriebe in der Region auf weitere Angriffe einstellen?
Bislang ist noch keine Hackerattacke auf fränkische Kühlsysteme bekannt. Andreas Schöffel vom Handelsverband Bayern stellt klar: „Die Anzahl der Cyberangriffe wird zunehmen“. Einen hundertprozentigen Schutz vor Cyberangriffen gebe es nicht, solange Kriminelle versuchen würden, in IT-Systeme einzudringen. Allerdings seien die bayerischen und fränkischen Lebensmittelunternehmen vergleichsweise gut geschützt. „Anders als beispielsweise in Frankreich kommen hierzulande keine derart veralteten Systeme zum Einsatz“, so Schöffel.
Deshalb blickt der Verband der Zukunft gelassen entgegen: „Die Unternehmen und Sicherheitsanbieter rüsten auf. Künstliche Intelligenz wird zunehmend auch zur Abwehr solcher Angriffe eingesetzt. Wir erwarten deshalb keine Szenarien mit großen Ausmaßen. Erfolgreiche Angriffe werden nach unserer Einschätzung Einzelfälle bleiben.“ Für die Unternehmen sei es entscheidend, mit einem entsprechend aufgestellten Technologieanbieter zusammenzuarbeiten. Sicherheitsupdates müssten regelmäßig installiert werden, um die Systeme auf dem aktuellen Stand zu halten.
Info: Deshalb sind die Kühlanlagen am Netz
Die Kühlanlagen sind heute vielfach vernetzt und mit anderen Systemen im Lebensmittelhandel verbunden – etwa mit den Kassensystemen, der Warenwirtschaft und teilweise auch mit der Gebäudetechnik. Diese Vernetzung ist wichtig, damit die technischen Abläufe ineinandergreifen und die Kühlkette zuverlässig überwacht werden kann.
Entscheidend ist, dass die Kühlsysteme Warnmeldungen abgeben, wenn die Kühlkette unterbrochen wird oder die Temperatur von den vorgegebenen Werten abweicht. „Diese Rückmeldungen sind wichtig, damit die Unternehmen schnell reagieren können. Darüber hinaus benötigen sie Fernwartungszugänge, um bei technischen Problemen auch aus der Ferne auf die Anlagen zugreifen zu können“, so Schöffel vom Handelsverband.