Buchtipps: Literatur
Geheimtipps statt Bestsellerliste! Die richtig guten Bücher für den November 2026
04.11.2026, 10:55 Uhr
Ein Krimiautor wie Peter Grainger scheint alles richtig zu machen: Dabei musste der Engländer, 79, seine Romane anfangs ganz alleine verlegen... Aber es gibt noch mehr schöne Entdeckungen für den Bücher-November, Erotik inklusive.

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1/15 - Urlaub als Stresstest: Der reiche Felix mit Familie hat seinen Kumpel Matze und dessen Freundin Linn eingeladen. Während Matze und Felix sich betrinken und angeln gehen, beobachten sich die Frauen argwöhnisch. Linn, die seit langem versucht Mutter zu werden, beneidet Eva um ihre perfekte Familie. Eva bewundert Linn für ihre Stärke. Schnell werden aus Konkurrentinnen jedoch Verbündete, das Familienidyll beginnt zu bröckeln und als dann auch noch ein Nashorn am französischen Strand auftaucht, müssen die Männer schauen, wo sie bleiben. "Es ist hell und draußen dreht sich die Welt" von Dita Zipfel ist ein rasantes, manchmal skurriles Buch über weibliche Solidarität. Eine helle Lektüre für dunkle Tage (Insel, 23 Euro). Marlene Weyerer © Insel/JuliaFiedler/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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2/15 - Manchmal sagen Titel alles - und doch lohnt die Lektüre: "Warum Russland nicht aufhören wird" heißt das jüngste Werk des in München an der LMU lehrenden Osteuropa-Experten Marin Schulze-Wessel. Womit Russland nicht aufhören wird, ist klar: mit dem Krieg in der Ukraine und ganz generell mit Konflikten, die der Gebietserweiterung dienen. Denn, das ist die Kernthese des Historikers, Putin sieht sich in einer langen Tradition: Expansiv, auf Annexion bedacht und mit religiösen Heilserwartungen unterlegt - so gestaltet Russland seit Jahrhunderten seine Außenpolitik. Pflichtlektüre also für all die selbsterklärten Friedensbotschafter, die immer wieder anmahnen, doch in Verhandlungen mit dem Kreml einzutreten. (C.H. Beck, 18 Euro) Michael Husarek © C.H. Beck; chat4/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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3/15 - Auf einer Beerdigung in der alten Heimat bekommt Jojo eine DVD zugesteckt – diese erinnert sie an ihre Eltern, an ihre Wurzeln, an ihre beste Freundin Yara. Als Masterstudentin hat sich Jojo ein neues Leben in einer anderen Stadt aufgebaut, lässt langsam Menschen an sich heran und schreckt gleichzeitig zurück vor Liebe und tieferen Bindungen. Denn Jojo fühlt sich nie dazugehörig in den Uni-Seminaren oder in Gesellschaft gut gekleideter junger Leute, die anders als sie keine Geldsorgen haben. Mit "Kaskaden" hat Louise K. Böhm ein wunderbares Debüt über Einsamkeit, Freundschaft und Herkunft verfasst. Manchmal muss man Vertrauen haben und sich aufs Leben einlassen: Dieser Roman beschreibt es wunderbar! (Penguin, 24 Euro) Sabine Ebinger © Penguin; TBIT/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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4/15 - Mit "Contrapposto" legt Dave Eggers einen ebenso klugen wie berührenden Roman über Kunst, Liebe und das Älterwerden vor. Im Mittelpunkt stehen Cricket, ein hochbegabter Zeichner aus einfachen Verhältnissen, und Olympia, seine lebenslange Weggefährtin. Über fünf Jahrzehnte begleitet der US-Autor die beiden durch Trennungen, Wiederbegegnungen, künstlerische Erfolge und persönliche Krisen. Besonders stark ist das Buch dort, wo es vom Zeichnen, von der Kunst erzählt. Der Titel verweist auf die klassische Pose, die für Spannung und Gegensätze steht. Genau diese Spannung prägt auch den Roman: zwischen künstlerischem Schaffen und Idealismus einerseits, Kunstmarkt und Kommerz andererseits. (Kiepenheuer & Witsch, 25 Euro) Sharon Chaffin © Kiepenheuer & Witsch; freephotocc/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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5/15 - Marieluise Fleißer, die Dichterin aus Ingolstadt - und für Elfriede Jelinek die "größte Dramatikerin des 20. Jahrhunderts", - hätte im November den 125. Geburtstag. Grund genug, ihren einzigen Roman, die Satire "Eine Zierde für den Verein", als schmuckes Taschenbuch neu herauszubringen. Fleißer beschreibt darin, wie auch in ihren Stücken, autobiografisch die kleinbürgerliche Enge, unter der ihre Heldin, die "Mehlreisende Frieda Geier" (so der erste Titel des Werks), leidet. Darf sie sich auf die Liebe zu dem adretten Tabakhändler Gustl, dem Star des örtlichen Schwimmvereins, einlassen oder gefährdet sie nur ihre Freiheit, geistig wie körperlich? Einzigartig das vom Dialekt kunstvoll abgeleitete Deutsch. (Suhrkamp, 15 Euro) Wolf Ebersberger © Suhrkamp; pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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6/15 - Man sollte eines nicht vergessen. Wer wie Emma Cline einen Roman salopp "Switzy" nennt (statt Switzerland), setzt auf Humor. Und das, obwohl die Geschichte des auf Deutsch nun "In die Schweiz" genannten Romans doch eher traurig ist. Pensionär David Hastings, ehemals Unternehmer, hat nämlich Demenz - und folglich entschieden, von Amerika nach Europa zu reisen, um dort legale Sterbehilfe in Anspruch zu nehmen. Er ist aber, und das betont die erfolgreiche US-Autorin Cline, alles andere als eine sympathische Figur. Ihm immer mehr beim Verlust seiner Wahrnehmung und Erinnerung zuzusehen - direkt aus seiner Perspektive -, besticht als gewagtes Spiel mit dem Leser, der am Ende dann natürlich doch gerührt wird... (Hanser, 25 Euro) Wolf Ebersberger © Hanser; Jonny_Joka/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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7/15 - Isabella führt mit ihrer Mutter ein aufregendes Leben – die beiden ziehen in Norwegen von Ort zu Ort, ganz unkompliziert. Trotzdem nehmen sie ihre Probleme mit: Das Geld fehlt, eine dauerhafte Bindung zu anderen gibt es nicht, zudem kämpft Isabella immer wieder mit ihrer übergroßen Wut. Schließlich landet sie im Heimatort der Mutter, im kleinen Eikedalen. "Die Donnerkönigin" von Maja Lunde, die mit ihrem ersten Roman "Die Geschichte der Bienen" einen Welterfolg hatte, ist der vierte Band der Jahreszeiten-Bücher. Dieser All-Age-Roman mit der farbstarken Bebilderung von Lisa Aisato ist eine fantasieanregend kindliche Geschichte übers An- und Heimkommen, übers Anfangen und Weitermachen und die Kraft der Liebe. (btb, 22 Euro) Sabine Ebinger © btb; Peaktural_photo/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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8/15 - Man sieht ihr das Alter nicht an: 75 Jahre gibt es bereits die wunderbare "Bibliothek Suhrkamp". Und das schlichte, auf Weiß und jeweils eine andere Farbe konzentrierte Design von Willy Fleckhaus wirkt noch immer elegant, leicht, modern. Zum Geburtstag wird es nun bunt: Der Künstler Olaf Nicolai brachte "30 Farben" ins Spiel und frischt mit ihnen wichtige Bücher der Reihe (von Peter Handke, Rachel Cusk oder Annie Ernaux) geschmackvoll auf. Ganz neu ist das "Leben der Bücher", ein Band, in dem Schriftsteller wie Marion Poschmann oder Juri Andruchowytsch, aber auch Verleger, Gestalter und Liebhaber zu Wort kommen, um den kreativen Prozess vom Schreiben bis zum Lesen und Sammeln zu würdigen. Sammler vor! (Suhrkamp, 25 Euro) Wolf Ebersberger © Suhrkamp; Montage: Sabine Schmid

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9/15 - Sind Valentine und Linh, Raul und Banner wirklich "vier schreckliche Eltern", wie es der Originaltitel von Calla Henkels raffiniertem Roman behauptet? Mit spitzer Feder beschreibt die amerikanische Autorin und Theatermacherin in "Das haben wir nicht gewollt", wie die beiden gleichgeschlechtlichen Paare mit gemeinsamem Baby in einem runderneuerten historischen Hotel den Neuanfang versuchen. Bis das Kind spurlos verschwindet – und innerer wie äußerer Druck den alternativen Lebensentwurf in Trumps MAGA-Amerika auf die (Zerreiß-)Probe stellt. Gesellschaftskritisch, spannend und sehr unterhaltsam bis zum überraschenden Schluss! (Kein & Aber, 26 Euro) Andreas Frane © Kein & Aber; kathrine/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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10/15 - Die Liebe, der Tod und das Kino, das sind die drei Themen in Olivia Laings faszinierendem, erfrischend kurzem Roman "Buch der Träume". Dreh- und Angelpunkt ist der berühmte Szenenbildner Danilo Donati, der hier, Mitte der 70er Jahre, für die italienischen Regisseure Fellini ("Casanova") wie Pasolini ("Salò") und ihre künstlerischen Visionen zuständig ist: mit Kostümen zum Niederknien! Als Assistenten schmuggelt Donati seinen neuen jungen Liebhaber in Cinecittà ein, den englischen Streuner Nicholas. Der ist - Spannung! - freilich nicht ganz freiwillig aus London geflohen... Ein glänzend geschriebener, frivol prickelnder Blick hinter die Kulissen großer Kunst und des Begehrens. (Suhrkamp, 26 Euro) Wolf Ebersberger © Insel; Belette27/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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11/15 - Ein Haus oberhalb von Davos-Frauenkirch am Eingang zum Sertigtal: Auf dem "Wildboden" verbrachte der Maler Ernst Ludwig Kirchner seine letzten Jahre. Ihm und seiner Lebensgefährtin Erna Schilling widmet sich der gleichnamige Debütroman von Constantin Lieb. Der hat ausgiebig recherchiert (inkl. Übernachtung im Haus) und Kirchners Tagebuch geschickt in Dialoge einfließen lassen. Neben Begegnungen mit wichtigen Menschen wie Lise Gujer, die des Künstlers Teppichentwürfe verwirklichte, und dem politischen Geschehen (Davos auf dem Weg zum "Hitler"-Bad) baut Lieb auch Rückblenden aus Kirchners früherem Leben ein. Beeindruckend zeigt er auf, wie schwer die Beziehung Ernas zu dem morphiumsüchtigen Künstler wohl war. (Insel, 25 Euro) Anja Weigmann © Insel; selimaydin78/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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12/15 - Die 19-jährige Odette und der pensionierte wohlhabende Amos lernen sich im Museum kennen. Aus der zufälligen Begegnung wird allmählich eine ungewöhnliche Freundschaft, die öffentlich zelebriert wird: Denn das ungleiche Duo dreht kurze Videos für die sozialen Medien, die bestens ankommen. Doch eines Tages ermordet die junge Frau den alten Mann während des Filmens – und die Internet-Fangemeinde dreht durch. War es ein Kurzschluss, eine Tat aus Habgier? Odette schweigt. Kirsty Lockwood lässt ihre Leser in ihrem Debüt "Most Hated Girl" ziemlich lange und äußerst gekonnt im Dunkeln und baut schön langsam Grauen auf. Kurze Kapitel, immer wieder Zeitsprünge und so manche falsche Spur: Ein echter Pageturner! (Insel, 17 Euro) Sabine Ebinger © Insel; emkanicepic/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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13/15 - Zuletzt hat er oft sehr voluminöse Werke vorgelegt, 2025 etwa den Roman "Das Narrenschiff" über die Geschichte der DDR. Nun bereitet Christoph Hein seinen Lesern mit kleinen Erzählungen ein vorgezogenes Weihnachtsgeschenk. Die Texte in "Was mir zum Glück fehlt" (Insel, 20 Euro) sind mit Illustrationen von Gerda Raidt versehen und in einem märchenhaften Ton gehalten. Ausgangspunkt ist eine alte, mit Vögeln bemalte Schachtel, die vergessen auf einem Dachboden verstaubt. Grau und griesgrämig träumt sie von besseren Zeiten. Doch dann findet der Erzähler den Schlüssel und kann so das Geheimnis der Schachtel lüften. Sie erzählt Geschichten… Ein lesenswerter Band von einem der wichtigsten Autoren der deutschen Gegenwartsliteratur. Marco Puschner © Insel; Counselling/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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14/15 - Mit der Kurzgeschichte "Der Feminist" hat Tony Tulathimutte, US-Autor mit thailändischem Hintergrund, 2019 eine Debatte ausgelöst. Nun erscheint die Story eines Typen, der wegen unerwiderter Liebe zum Frauenhasser wird, in der Sammlung "Fiasko" (dtv, 26 Euro). Dort tummeln sich noch mehr identitätssuchende und dabei scheiternde Unsympath*innen. Wer die Pornographie - die zum Teil seitenlang und ziemlich detailliert beschrieben wird, die witzig sein soll, es aber nicht wirklich ist - aushalten kann, der findet in "Fiasko" intelligente Gedanken zu Genderfragen, Diskriminierung und Internetkultur. Thomas Correll © dtv; JayMantri/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid

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15/15 - Peter Grainger hat seine Bücher im Selbstverlag veröffentlicht – und sie verkauften sich so gut, dass Verlage auf ihn aufmerksam wurden. Mit "Ein unglücklicher Tod" um den britischen Ermittler DC Smith ist die Reihe nun auf Deutsch gestartet. Sein Chef möchte ihn in den Ruhestand schicken, doch der eigenwillige Gesetzeshüter will nichts davon wissen. Und so soll er einen seltsamen Fall lösen: Ein 17-Jähriger ist im Fluss ertrunken – Mord oder Unfall? Wer klassische Krimis liebt, ist hier richtig. Grainger schafft es, Spannung ohne viel Gewalt aufzubauen. Seite um Seite wächst einem dieser einsame Ermittler ans Herz, der langsam Menschen in sein Leben lässt. Gerade erschien Band 2 "Gnade vor Recht"... (Diogenes, 18 Euro) Sabine Ebinger © Diogenes; Pexels/pixabay/LizenzCC0; Montage: Sabine Schmid
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