
Ein 20-jähriger Bergsteiger aus dem Raum Nürnberg musste in der Nacht von Samstag auf Sonntag von einem Klettersteig im Hochkönigmassiv gerettet werden. Wie die Bergrettung Mühlbach mitteilt, war er am Samstagnachmittag gemeinsam mit zwei Begleitern in den Klettersteig Königsjodler eingestiegen - obwohl eine andere Bergsteigerin sie eindringlich gewarnt hatte und die Wetterprognose schlecht war. Zudem waren die drei viel zu spät aufgebrochen. An einem Notausstieg auf rund 2600 Metern Höhe kam der 20-Jährige schließlich nicht mehr weiter. Während er einen Notruf absetzte, setzten seine beiden Begleiter laut Bergrettung den Weg in Richtung Gipfel fort.
Weitere Nacht wäre tödlich gewesen
Die Bergrettung Mühlbach machte sich von der Stegmoosalm aus auf den Weg zu dem 20-Jährigen. Der Mann war bereits erschöpft und unterkühlt. Einsatzleiter Wolfgang Haggenmüller hielt währenddessen telefonisch Kontakt zu ihm und forderte ihn auf, sich trotz der Kälte zu bewegen. Unter anderem sollte er Kniebeugen machen, um nicht weiter auszukühlen.
Auch für die Einsatzkräfte war der Aufstieg unter den herrschenden Wetterbedingungen schwierig. Ein alarmierter Rettungshubschrauber konnte wegen des schlechten Wetters nicht starten.
Nach mehreren Stunden erreichten die elf Bergretter den jungen Mann schließlich kurz vor Mitternacht. „Eine weitere Nacht dort oben, bei Schneefall und unter diesen Bedingungen, hätte er vermutlich nicht überlebt“, sagte der Bezirksleiter der Bergrettung, Gerhard Kremser.
Abstieg durch Tiefschnee und bei schlechter Sicht
Auch der anschließende Abstieg gestaltete sich äußerst schwierig. Inzwischen waren rund 20 Zentimeter Neuschnee gefallen, der Klettersteig war nicht mehr zu erkennen. Die Bergretter seilten den 20-Jährigen für den Abstieg im Tiefschnee an. Zusätzlich erschwerten schlechte Sicht und Schneerutsche im steilen Gelände den Weg. „Es war für alle lebensgefährlich“, schilderte Haggenmüller die Bedingungen.
Erst um 8.18 Uhr am Sonntagmorgen erreichte die Gruppe bei dichtem Schneetreiben und eingeschränkter Sicht die Erichhütte.
Polizei ermittelt nach Rettungseinsatz
Ob das Verhalten der beiden Begleiter strafrechtlich relevant sei, müsse die Staatsanwaltschaft entscheiden, sagte eine Polizeisprecherin der dpa. Die Alpinpolizei ermittelt zu dem Vorfall.
Der Einsatz zeige einmal mehr, „wie schnell aus Selbstüberschätzung, Missachtung von Warnungen und falscher Tourenplanung eine lebensbedrohliche Situation entstehen kann. Bergsteigen bedeutet auch, rechtzeitig umzukehren. Die Berge laufen nicht davon“, sagte Kremser.
Hier geht es zu allen aktuellen Polizeimeldungen.