
Dass sich die Boys in Brown für diesen Sonntagnachmittag einiges vorgenommen haben, daran ließ das Team von Cheftrainer Marcel Rapp keinen Zweifel. Bereits innerhalb der ersten drei Minuten verbuchten Abdoulie Ceesay und Joel Fujita zwei vielversprechende Abschlüsse. Der 1. FC Nürnberg hingegen musste 23 Minuten auf den ersten Torschuss warten, führte aber zu diesem Zeitpunkt kurioserweise bereits mit 1:0. Möglich machte dies ein Eigentor: Julian Justvan zog rechts im Strafraum Richtung Grundlinie und wollte in den Rückraum zum mitgelaufenen Eric Porstner ablegen. Eric Smith fing den Pass ab, bugsierte den Ball aber zugleich an Torwart Ben Voll vorbei ins eigene Tor (7.). Traumstart für den Club, wobei die Führung – das zeigte sich auch im Laufe der zweiten Hälfte – über die schwache Leistung im ersten Durchgang hinwegtäuschte.
Denn: Abgesehen von dieser Aktion, die durch glückliche Fügung im Führungstor mündete, fand das Team von Cheftrainer Miroslav Klose offensiv gar nicht statt und präsentierte sich zugleich defensiv anfällig. Der FC St. Pauli, der bei Weitem nicht für sein inspiriertes Angriffsspiel bekannt ist, erspielte sich zahlreiche Chancen. So traf unter anderem Louis Oppie mit einem satten Distanzschuss das Lattenkreuz, Connor Metcalfe setzte den Ball im Eins-gegen-Eins mit Jan Reichert knapp neben das lange Eck und Lars Ritzka versuchte es aus kurzer Distanz sogar mit der Hacke. Dass der 1. FC Nürnberg ohne Gegentor in die Pause ging, ist Torhüter Reichert, der einige starke Paraden bot, und dem Unvermögen der Hausherren zu verdanken.
Auch die Zahlen sprachen eine klare Sprache: Nach 34. Minuten standen die Gastgeber bei zwölf Torschüssen und 1,53 xG, der 1. FC Nürnberg bei einem einzigen Abschluss mit 0,06 xG – Rayan Ghrieb hatte direkt in die Arme von FCSP-Keeper Voll geschossen. Gerade, als sich der Club zum Ende des ersten Durchgangs geringfügig zu stabilisieren schien, bot sich den Boys in Brown die nächste Großchance zum Ausgleich: Branimir Hrgota steckte im Zwei-gegen-Eins auf Tempostürmer Ceesay durch, der – natürlich – an Jan Reichert scheiterte (45. +1). Der Torhüter parierte mit dem Fuß und brachte somit die 1:0-Führung quasi im Alleingang in die Pause.
St. Pauli gleicht hochverdient aus
Der zweite Durchgang begann wie der erste – nämlich mit Chancen für die Hausherren. Eine ihrer vielen Möglichkeiten nutzte das Team von Cheftrainer Marcel Rapp zum hochverdienten Ausgleich. Nach einem Ballverlust im Mittelfeld kam der Ball auf den rechten Schienenspieler Arkadiusz Pyrka, der mit einer flachen Hereingabe Ceesay bediente. Der Stürmer grätschte in den Ball, konnte erstmals Reichert überwinden und traf ins Netz (58.).
In der Folge schien der Club erstmals in diesem Spiel eine Schippe draufzulegen. So setzte etwa Rafael Lubach einen Schlenzer aufs lange Eck nur knapp vorbei (61.). Viele Chancen kreierten die Nürnberger zwar nicht, brachten aber etwas auf den Platz, woran es im Spiel des FC St. Pauli krankte: Effizienz, Kaltschnäuzigkeit und in der Folge auch Tore. Denn: Aus minimalen Chancen schöpfte der Club maximalen Ertrag – das zeigte sich auch am Beispiel des zweiten Treffers.
Haugen ackert, Kornwachs zaubert
Sigurd Haugen, der erst wenige Minuten zuvor eingewechselt wurde, fing einen katastrophalen Fehlpass von Louis Oppie auf Torwart Voll ab, der Ball sprang aber vom Fuß weit in Richtung Grundlinie. Der Norweger hechelte dem Ball nach, erwischte ihn tatsächlich noch vor der Linie und traf aus ganz spitzem Winkel und im Fallen flach ins lange Eck. Verteidiger David Nemeth war sogar mitgelaufen, um auf der Linie zu klären, verstolperte den Ball aber. 2:1 für den Club (71.).
Danach blieb weiter der FC St. Pauli die dominierende und gefährlichere Mannschaft. Connor Metcalfe brachte einen tückischen Freistoß aufs Tor, abermals war Keeper Reichert zur Stelle (81.). Nach einem wuchtigen, aber zentralen Distanzschuss von Sam Klein ließ der Nürnberger Schlussmann den Ball nach vorne abprallen, wo gleich zwei Paulianer frei an der Fünferkante standen. Martijn Kaars scheiterte aber freistehend mit seinem Ansatz eines Seitfallziehers und traf den Ball nicht (87.). Wenige Zeigerumdrehungen später klärte Kalogeropoulos eine flache Hereingabe kurz vor dem kurzen Pfosten in höchster Not (89.).
Auch dem Club boten sich noch manche Chancen in der Schlussphase, zumal die Hausherren in dieser Phase freilich mehr Risiko gingen. Der eingewechselte Marc Kornwachs nutzte eine dieser Möglichkeiten mit einem strammen Schuss von der Strafraumkante in den Winkel – und setzte damit den Deckel drauf. Mit dem resultierenden 3:1-Endstand beendet der Club die zwischenzeitliche Ergebnisdelle und feiert einen Auswärtssieg, der mit maximaler Effizienz auf Nürnberger Seite, fehlender Effizienz auf St. Pauli Seite und Jan Reichert zu begründen ist.
