
Ein 26-Jähriger aus dem Landkreis Neustadt an der Waldnaab ist um einen hohen dreistelligen Betrag betrogen worden – über den WhatsApp-Account eines Bekannten. Die Polizei Oberpfalz spricht inzwischen von den ersten Fällen dieser Betrugsmasche in Bayern. Sie nennt sich „Ghost Pairing“, und sie kann theoretisch jeden treffen, der einen Messenger auf mehreren Geräten gleichzeitig nutzt.
Was ist beim Betroffenen aus der Oberpfalz passiert? Er erhielt über den WhatsApp-Account eines Bekannten Nachrichten mit der Bitte um finanzielle Unterstützung – und überwies Geld. Als eine zweite Forderung folgte, rief er seinen Bekannten an. Der wusste von den Nachrichten nichts. Der 26-Jährige erstattete Anzeige gegen Unbekannt.
Betrug erkennen: Was ist „Ghost Pairing“?
Kriminelle nutzen beim „Ghost Pairing“ eine ganz normale Funktion von WhatsApp aus: Der Messenger lässt sich parallel auf mehreren Geräten nutzen, etwa zusätzlich am Laptop oder Tablet. Verknüpft wird ein neues Gerät entweder per QR-Code oder über die Telefonnummer und einen achtstelligen Kopplungscode.
Genau hier setzen die Betrüger an. Sie locken ihr Opfer über eine Phishing-Nachricht auf eine gefälschte Webseite, auf der die eigene Handynummer eingegeben werden soll. Mit dieser Nummer starten die Täter im Hintergrund die Kopplung ihres eigenen Geräts mit dem WhatsApp-Konto des Opfers. Dieses bekommt in der eigenen App einen Code angezeigt und tippt ihn – oft ohne genau zu lesen, was WhatsApp da eigentlich meldet – auf der Fake-Seite ein. Schon können sich die Betrüger mit dem Konto verbinden, Nachrichten mitlesen, Kontakte einsehen und selbst Nachrichten verschicken. Genau das ist im Fall aus der Oberpfalz passiert: Die Täter nutzten das gekaperte Konto, um einen Kontakt des Opfers um Geld zu bitten. Das Perfide an der Masche: WhatsApp läuft ganz normal weiter. Ghost Pairing fällt deshalb häufig tage- oder wochenlang nicht auf.
Betrüger locken mit angeblicher Abstimmung
Wie genau so eine Phishing-Nachricht aussehen kann, zeigt eine Warnung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI). Die Behörde beschreibt eine Betrugsvariante, die sie „Vote-for-me-Scam“ nennt: Dabei erhalten Nutzerinnen und Nutzer eine Nachricht, die scheinbar von einem Bekannten stammt und darum bittet, für jemanden abzustimmen. Der enthaltene Link führt jedoch zu einer gefälschten Webseite, die eine Abstimmung, ein Foto oder eine Anmeldung nur vortäuscht – und dort beginnt dieselbe Masche wie oben beschrieben.
Wichtig laut BSI: Zwar steht aktuell vor allem WhatsApp im Fokus, der Betrug ist aber bei allen gängigen Messengern möglich, die eine Nutzung auf mehreren Geräten gleichzeitig erlauben.
Betrugsmasche „Ghost Pairing“: So schützt du dein WhatsApp-Konto
Die Polizei und Verbraucherschützer raten zu mehreren Schutzmaßnahmen:
- Prüfe regelmäßig in den WhatsApp-Einstellungen unter „Verknüpfte Geräte“, welche Geräte Zugriff auf dein Konto haben, und melde unbekannte Geräte sofort ab. Automatisch werden verknüpfte Geräte erst nach 30 Tagen Inaktivität abgemeldet.
- Gib niemals einen WhatsApp-Bestätigungscode an andere Personen weiter – auch nicht, wenn die Bitte scheinbar von einem Bekannten kommt.
- Nutze keine QR-Codes aus unbekannten Quellen zur Gerätekopplung und prüfe eingehende Nachrichten kritisch – auch dann, wenn sie scheinbar von Freunden oder Bekannten stammen. Denn auch deren Konten können bereits von Kriminellen übernommen worden sein.
- Aktiviere zusätzlich die Zwei-Faktor-Verifizierung in WhatsApp. Sie kann einen weiteren Schutzwall bieten und es Betrügern erschweren, sich unbefugt Zugriff auf dein Konto zu verschaffen.
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