Phnom Penh - Nach dem abrupten Betriebsstopp des Kreuzfahrtschiffes „Odyssey“ werden immer mehr Details über das Schicksal der Bewohner bekannt. Jetzt schaltet sich auch Kambodschas Tourismusministerium ein.

Sieben Stunden Packzeit, dann war Schluss mit dem Leben auf See: Nach dem abrupten Ende der Weltreise des Kreuzfahrtschiffs „Odyssey“ werden immer mehr Details bekannt. Wegen explodierender Treibstoffkosten hatte der US-Anbieter Villa Vie Residences den Betrieb vor wenigen Tagen in Kambodscha ausgesetzt. Mittlerweile sorgt der Fall weltweit für Schlagzeilen.

Am Dienstag sei den rund 200 Gästen aus gut einem Dutzend Ländern morgens im Hafen von Sihanoukville plötzlich mitgeteilt worden, dass sie ihr schwimmendes Zuhause bis zum frühen Nachmittag verlassen müssten, zitierte die Zeitung „Phnom Penh Post“ den Vize-Provinzgouverneur Long Dimanche. 

„Die plötzliche Anordnung zur Ausschiffung hat viele der Rentner und Fernarbeiter an Bord obdachlos gemacht“, betonte er. Auf dem Schiff lebten auch rund 150 Crew-Mitglieder.

Was machen die Passagiere jetzt?

Viele der Bewohner hätten erklärt, für die endlose Kreuzfahrt ihre Häuser und Autos verkauft zu haben, betonte der Politiker. Viele säßen nun Tausende Kilometer von ihrer Heimat entfernt in dem südostasiatischen Land in Hotels fest. Andere hätten das Land bereits per Flugzeug verlassen.

Das kambodschanische Tourismusministerium und die Provinzbehörden erklärten sich zwar bereit, Unterstützung zu leisten. So kam es bereits zu einem Treffen zwischen den Kapitänen der „Odyssey“ und dem kambodschanischen Tourismusminister Huot Hak. Grundsätzlich handle es sich jedoch um eine Angelegenheit zwischen dem Unternehmen und seinen Passagieren, sagte Dimanche.

Der kambodschanische Tourismusminister Huot Hak (M
<p>Kambodschas Tourismusminister Huot Hak traf sich mit den Kapitänen.</p> © Heng Sinith/AP/dpa

Was war passiert?

Seit zwei Jahren war die „Odyssey“ für seine Bewohner eine Art Zuhause auf dem Ozean. Das Konzept des Anbieters verbindet langfristige Weltreisen auf dem Meer mit dem Komfort eines festen Zuhauses. Ursprünglich sollte die dreijährige Tour alle sieben Kontinente umfassen und noch bis Ende 2027 dauern. Dann aber brach der Iran-Krieg aus - und in der Folge schossen die Treibstoffkosten in die Höhe.

Während der monatliche Spritaufwand pro Kabine früher durchschnittlich rund 1.800 US-Dollar (etwa 1.600 Euro) betrug, seien es in Asien zuletzt schätzungsweise 6.000 bis 8.000 US-Dollar gewesen, hatte der Betreiber mitgeteilt.

Weiterfahrt am Wochenende - aber wohin?

Nach Angaben des Vize-Gouverneurs soll das Schiff am Samstag in Sihanoukville Treibstoff aufnehmen und anschließend den Hafen verlassen. Wohin es fährt, und ob Passagiere an Bord sein werden, ist bislang unklar. Ursprünglich war eine Weiterreise nach Vietnam geplant.

Der kambodschanische Tourismusminister Huot Hak (M
<p>Kambodschas Behörden wollen die Passagiere unterstützen.</p> © Heng Sinith/AP/dpa