Nürnberg - Nürnberger Autofahrer kennen das Spiel: kaum hat man ein Nadelöhr passiert, wartet auf der Ausweichroute schon die nächste Absperrung. Damit soll bald Schluss sein. Der Stadtrat hat ein neues Bauprogramm beschlossen.

Nürnberger Autofahrerinnen und Autofahrer brauchen oft starke Nerven: Wer sich mühsam durch eine Baustelle gequält hat, landet auf der gedachten Ausweichroute gar nicht so selten direkt im nächsten Stau. Damit soll in Zukunft allerdings Schluss sein. Die Stadt Nürnberg will das Baustellen-Chaos auf den wichtigsten Hauptverkehrsadern künftig drastisch begrenzen - das hat der Stadtrat heute mit dem neuen Bauprogramm für das Jahr 2027 abgesegnet.

Das Kernkonzept: Großbaustellen werden ab sofort nicht mehr isoliert betrachtet, sondern im gesamten Verkehrsnetz gegeneinander aufgewogen. Betroffen sind vor allem die Vielfahrer-Strecken mit mehr als 15.000 Fahrzeugen pro Tag. Führen geplante Arbeiten auf Ausweichrouten zu Überlastungen, wird strikt der Rotstift angesetzt.

„Wir müssen unsere Infrastruktur erhalten und modernisieren. Gleichzeitig müssen die Menschen in Nürnberg ihren Alltag möglichst verlässlich planen können“, betont Oberbürgermeister Marcus König. Die Devise laute daher: Klare Prioritäten setzen und Projekte im Zweifel zeitlich verschieben, wenn sie das Gesamtnetz zu stark belasten würden.

64 Bauprojekte werden verschoben

Für das Jahr 2027 sind nach aktuellem Stand 28 Baubereiche mit rund 72 Einzelmaßnahmen vorgesehen. Unter der Federführung des Servicebetriebs Öffentlicher Raum (Sör) haben sich Stadt, N-Ergie, VAG und die Stadtentwässerung (Sun) an einen Tisch gesetzt und ihre Pläne komplett neu abgestimmt.

Die Konsequenz: Rund 64 ursprünglich für 2027 angemeldete Bauvorhaben wurden gestrichen und auf spätere Jahre verschoben. Aufgehoben sind sie damit zwar nicht, sie müssen sich aber künftig erst wieder neu hinten anstellen.

Plärrer und Hafenbrücken laufen weiter - KI-Software hilft bei Planung

Weiterhin Priorität haben die unaufschiebbaren Großprojekte im Stadtgebiet. Dazu zählen etwa die Umgestaltung des Plärrers, die Brückensanierung in der Wettersteinstraße, der West-Abschnitt des Frankenschnellwegs, der Dauerbrenner Hafenbrücken sowie die Großbaustellen in der Allersberger Straße und der Minerva- bzw. Dianastraße.

Auch bei kleineren Straßen-Baustellen im Nebennetz, im Jahr 2026 gab es davon immerhin rund 8000 Stück, greift die neue Ordnung: Sie müssen sich den Vorgaben der Hauptverkehrsadern strikt unterordnen und werden erst nach verkehrlicher Verträglichkeitsprüfung genehmigt.

Um das komplexe Zusammenspiel der Verkehrsströme besser vorherzusehen, testet der Sör zudem über drei Jahre ein digitales Simulationsmodul. Eine Software soll künftig wie ein virtuelles Navigationssystem berechnen, wo sich Staus bilden würden, bevor der erste Bagger überhaupt anrollt. Völlig baustellenfrei wird Nürnberg zwar auch künftig nicht sein, doch unnötige Doppel-Sperrungen auf Haupt- und Umleitungsstrecken sollen damit endlich der Vergangenheit angehören.