Schwabach - Obwohl Schwabach statistisch als sichere Stadt gilt, schleicht sich bei vielen Frauen im Dunkeln ein Mulmiges Gefühl ein. Bei einem gemeinsamen „Nightwalk“ erkundeten 40 Teilnehmerinnen sogenannte Angsträume.

Wie sicher fühlen sich Frauen nachts in ihrer eigenen Stadt? Obwohl die offiziellen Fallzahlen der Kriminalstatistik zeigen, dass es sich in Schwabach objektiv sicher lebt, spricht das persönliche Sicherheitsgefühl gerade bei Dunkelheit oft eine andere Sprache. Schlecht beleuchtete Wege, unübersichtliche Ecken oder einsame Parkhäuser sorgen bei vielen Frauen nach Einbruch der Nacht für Unbehagen.

Um dieses Sicherheitsgefühl gezielt zu stärken und Schwachstellen im Stadtgebiet aufzudecken, fand am Montagabend, dem 26. Oktober, in Schwabach ein Nightwalk (Nachtspaziergang) statt. Organisiert wurde dieser bei Dunkelheit von der Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Schwabach in enger Zusammenarbeit mit der Beauftragten für Kriminalitätsopfer des Polizeipräsidiums Mittelfranken.

Angsträume unter der Lupe: Parkhäuser und dunkle Wege

Rund 40 Frauen unterschiedlichen Alters folgten der Einladung und nahmen an der Aktion teil. Gemeinsam steuerten sie verschiedene Orte im Stadtgebiet an, die typischerweise als Angsträume wahrgenommen werden - darunter ein Parkhaus, ein dunkler, schmaler Verbindungsweg sowie eine unübersichtliche Parkanlage.

Unterwegs erhielten die Teilnehmerinnen von der Polizeiexpertin praktische Verhaltens- und Sicherheitstipps für den nächtlichen Heimweg. Neben präventiven Hinweisen, etwa zur Nutzung gut beleuchteter Hauptrouten oder dem gezielten Einsetzen von Aufmerksamkeitsmittel, brachten sich auch zwei erfahrene Kampfkunstlehrer ein. Sie demonstrierten einfache, alltagstaugliche Techniken zur Selbstbehauptung und Selbstverteidigung, mit denen sich Frauen in brenzligen Situationen effektiv zur Wehr setzen können.

Was hinter dem Konzept „Nightwalk“ steckt

Beim Format des Nightwalks handelt es sich um ein Präventions- und Stadtentwicklungsmodell, das seinen Ursprung in den 1970er- und 80er-Jahren in der feministischen Stadtplanung Nordamerikas und Westeuropas hat. Ziel dieser Begehungen ist es, Kommunen aus der Perspektive von Frauen zu analysieren und Schwachstellen in der Infrastruktur, etwa fehlende Beleuchtung, zugewachsene Sichtachsen oder unübersichtliche Unterführungen, konkret zu identifizieren. So sollen städtische Räume für alle Geschlechter angstfrei nutzbar gemacht werden.

Allerdings gibt es im Netz und in den sozialen Medien auch kritische Stimmen zu solchen Aktionen: Kritiker argumentieren, dass Verhaltenstipps und Selbstverteidigungskurse die Verantwortung für die Sicherheit einseitig auf Frauen abwälzen, anstatt Tätern das Handwerk zu legen. Zudem reichen reine Spaziergänge nicht aus, wenn Städte im Anschluss keine echten baulichen oder finanziellen Konsequenzen ziehen, um Beleuchtung und Polizeipräsenz dauerhaft zu verbessern.