
Erst am Montag (26.10.2026) ist es offenbar wieder passiert: Auf dem Erlanger Großparkplatz spricht ein Mann eine Frau an. Sein Ziel: sie soll sich von ihm helfen und ihn in ihr Auto steigen lassen. Glücklicherweise ohne Erfolg, denn dabei handelt es sich um eine Masche, die der Mann seit mehreren Jahren regelmäßig in der Region Nürnberg anwendet, wohl um an Frauen heranzukommen.
Eine der Betroffenen, Stefanie G., schildert gegenüber unserer Redaktion die unangenehme Situation. Auch sie und drei ihrer Freundinnen wurden demnach innerhalb der letzten zwei Jahre unabhängig voneinander von dem Mann auf diese Art angesprochen. Darunter auf einem großen Supermarkt-Parkplatz in Fürth sowie auf dem Fürther Ikea-Parkplatz. Laut Stefanie G. behauptete er, dass mit einem Reifen ihres Wagens etwas nicht in Ordnung sei und er sich mit Autos gut auskenne. Daraufhin habe er vorgeschlagen, gemeinsam das passende Ventil zu besorgen und es „innerhalb von ein paar Minuten zu reparieren“, erinnert sie sich an die Unterhaltung.
„Bisher haben wir zum Glück nicht herausgefunden, was genau hinter der Masche steckt – etwas Gutes kann es offensichtlich aber nicht sein. (…) Ich wäre euch sehr dankbar, wenn ihr das in irgendeiner Form teilt“, äußert sich Stefanie G. merklich besorgt. Was daraus deutlich wird: Die Angst vor dem, was passieren könnte, wenn eine Frau den besagten Mann tatsächlich einsteigen lässt, ist groß.
Mann bereits mehrfach verurteilt
Der Mann und seine Masche sind der Polizei längst bekannt. Betroffen seien jüngere Frauen, die alleine unterwegs sind und auf einem Parkplatz oder an einer roten Ampel halten, bestätigt Michael Petzold, Pressesprecher des Polizeipräsidiums Mittelfranken. Bei dem Mann handle es sich um einen 38-Jährigen aus der Region Nürnberg. Doch: „Leute ansprechen und ihnen Hilfe anbieten, das ist keine Straftat“, betont Petzold in einem Gespräch mit unserer Redaktion. Solange nichts weiter passiert, können die Beamten also gegen das Vorgehen des Mannes nichts tun.
Dabei beließ es der 38-Jährige allerdings wohl nicht immer beim Ansprechen: In der Vergangenheit habe er bereits im Vorfeld öfter Luft aus Autoreifen der geschädigten Frauen herausgelassen, um seinem Hilfsangebot Dringlichkeit zu verleihen. Wie Heike Klotzbücher, Pressesprecherin der Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth, auf Nachfrage unserer Redaktion bestätigt, stand der Mann schon mehrfach wegen Sachbeschädigung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr vor Gericht und wurde dafür auch mehrfach verurteilt.
In den meisten Fällen bewegen sich seine Handlungen allerdings in Bereichen, die nicht strafrechtlich relevant sind. „Er will ja mitfahren, deshalb sorgt er dafür, dass die Autos noch fahrtauglich sind“, erklärt Petzold.
Ob der Mann gefährlich ist, ist unklar
„Über sein Motiv lässt sich nur spekulieren“, so der Polizeipressesprecher weiter. Er vermutet, dass der Mann auf der Suche nach einer (Sexual-)Partnerin sei und sich bei den Frauen als Held aufspiele. So biete er ihnen beispielsweise eine Fahrt zur Werkstatt oder in seine Wohnung an, in welcher er das passende Werkzeug parat habe. Ob dahinter tatsächlich nur ein Vorwand steckt, eine Frau kennenzulernen oder ob er ihnen auch sexuelle Gewalt zufügen würde, ist unklar, denn bisher habe er mit seiner Masche nach aktuellem Ermittlungsstand der Polizei keinen Erfolg gehabt, erklärt Petzold. Zudem hat keine betroffene Frau je davon berichtet, während des Kontakts angefasst oder beleidigt worden zu sein. Sobald das Angebot ausgeschlagen wurde, habe er immer von den Frauen abgelassen.
Polizei bittet Vorfälle dieser Art zu melden
Es hat im Laufe der Jahre bereits einige Gefährderansprachen seitens der Polizei an den 38-Jährigen gegeben. Mehr könne man aber vorsorglich einfach nicht tun. „Wir haben einen rechtlichen Rahmen, in dem wir uns bewegen, an den sind wir gebunden“, erläutert Petzold. Mit anderen Worten: Solange der Mann nichts Illegales tut oder keine akute, nachweisliche Gefahr für sich und andere darstellt, kann ihm niemand verbieten, sich Frauen auf diese Art und Weise zu nähern. Auf den Fall aufmerksam zu machen und Frauen zu sensibilisieren, sich keinesfalls auf Angebote wie diese einzulassen, sei dennoch wichtig. Das Polizeipräsidium Mittelfranken appelliert dringend, in solchen Situationen sofort die 110 zu wählen und Vorfälle zu melden. Meldungen von Frauen über Begegnungen mit dem Mann seien zuletzt rückläufig gewesen. Doch vermutlich gibt es laut Polizei eine hohe Dunkelziffer, weshalb sich daraus nicht hundertprozentig ableiten lässt, dass der 38-Jährige seine Masche auch weniger anwendet.
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