
Sogenannte Streaming-Boxen sollen Fernseher mit zahlreichen Sendern und Streamingdiensten ausstatten. Doch bei manchen Geräten unbekannter Hersteller ist bereits beim Kauf Schadsoftware installiert. Das Polizeipräsidium Unterfranken warnt deshalb vor vermeintlichen Schnäppchen, die etwa mit „alle Sender kostenlos“ beworben werden.
Die Schadsoftware ermöglicht es Kriminellen, den Internetanschluss der Besitzer als Tarnung zu nutzen. Sie leiten ihren eigenen Datenverkehr über das Gerät und treten im Internet dadurch mit der IP-Adresse des betroffenen Haushalts auf. Diese Technik wird als „Residential Proxy“ bezeichnet. Da der Datenverkehr scheinbar von einem gewöhnlichen Privathaushalt stammt, erkennen Schutzsysteme von Banken, Online-Shops oder Unternehmen den Missbrauch unter Umständen nicht.
Wie groß das Problem ist, zeigen Zahlen des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI): Im Dezember 2024 wurden in Deutschland rund 30.000 solcher Geräte vom Netz getrennt. Später warnte auch das FBI vor einer weltweiten Kampagne mit mehr als einer Million infizierter Geräte.
Auch in Unterfranken wurde ein solcher Missbrauch bei Ermittlungen zu einem Cyberangriff auf ein Unternehmen im Raum Würzburg festgestellt. Dabei war ein privater Internetanschluss zeitweise von mehr als 1.000 verschiedenen Geräten genutzt worden. Die Anschlussinhaber bemerken davon meist nichts.
Welche Folgen drohen den Betroffenen?
Wenn Kriminelle den eigenen Internetanschluss für Straftaten nutzen, kann die Spur zunächst zur IP-Adresse der Anschlussinhaber führen. Diese können dadurch ungewollt in polizeiliche Ermittlungen geraten. Die Polizei prüft in solchen Fällen, ob der Anschluss tatsächlich missbraucht wurde.
Darüber hinaus kann Schadsoftware persönliche Daten und Zugangsdaten ausspähen. Auch eine spürbar langsamere Internetverbindung kann eine Folge sein.
Tipps der Polizei - so schützen sich Verbraucher
Das Polizeipräsidium Unterfranken rät dazu, beim Kauf und bei der Nutzung von Streaming-Boxen einige Sicherheitsmaßnahmen zu beachten:
- Vorsicht bei Schnäppchen: Sehr billige Boxen unbekannter Hersteller und Werbung mit „alles gratis“ sind ein Warnsignal.
- Auf Qualität achten: Kaufen Sie Geräte bekannter Hersteller im seriösen Handel. Achten Sie auf die Kennzeichnung „Play Protect zertifiziert“.
- Nur offizielle App-Stores nutzen: Installieren Sie keine Apps aus unbekannten Quellen.
- Geräte aktuell halten: Spielen Sie Updates ein und lassen Sie Google Play Protect eingeschaltet.
- Auffälligkeiten ernst nehmen: Ein ungewöhnlich langsamer Internetanschluss, ein hoher Datenverbrauch oder unbekannte Apps können Warnzeichen sein.
- Warnmeldungen beachten: Achten Sie auf Warnmeldungen Ihres Internetanbieters und kontaktieren Sie diesen im Zweifel über bekannte Kontaktwege.
Was tun, wenn eine Streaming-Box infiziert sein könnte?
Wer den Verdacht hat, dass sein Gerät mit Schadsoftware infiziert ist, sollte es sofort vom Internet trennen. Dazu lässt sich das Netzwerkkabel abziehen oder die WLAN-Verbindung deaktivieren. Das Gerät sollte anschließend nicht weiterverwendet werden.
Von einem eigenständigen Zurücksetzen auf Werkseinstellungen rät die Polizei ab, da dabei mögliche Spuren verloren gehen können. Stattdessen sollten sich Betroffene an ihre örtliche Polizeidienststelle wenden oder online Anzeige erstatten.
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