
Ob Einhörner, Piraten oder glitzernde Festival-Motive: Temporäre Tattoos sind bei Kindern beliebt. Sie gelten als unkomplizierte Alternative zu echten Tattoos. Doch weil sie direkt auf der Haut kleben, lohnt sich ein genauer Blick auf ihre Inhaltsstoffe. Greenpeace Österreich hat gemeinsam mit der Arbeiterkammer Oberösterreich (AK OÖ) 15 Produkte in einem unabhängigen Labor untersuchen lassen.
31 problematische Chemikalien nachgewiesen
Die Ergebnisse zeigen ein gemischtes Bild: Die bestehenden EU-Grenzwerte wurden bei den untersuchten Proben nicht überschritten. Gleichzeitig fanden die Labore insgesamt 31 bedenkliche Substanzen. In einer einzelnen Probe wurden sogar zwölf davon nachgewiesen.
Untersucht wurden die Produkte unter anderem auf Schwermetalle, Weichmacher, PFAS - sogenannte Ewigkeitschemikalien -, polyzyklische aromatische Kohlenwasserstoffe (PAK) und flüchtige organische Verbindungen (VOC).
Besonders auffällig: In 14 der 15 Proben fanden sich Blei oder Nickel, wenn auch jeweils unter den geltenden Grenzwerten. Vier Proben enthielten PFAS. In sechs Proben wurden außerdem Chemikalien festgestellt, deren Einsatz in Kosmetik und/oder Kinderspielzeug aufgrund ihrer Eigenschaften verboten ist. Zwölf Proben enthielten problematische flüchtige organische Verbindungen, darunter Lösungsmittel, die auch über die Haut aufgenommen werden und Reizungen oder allergische Reaktionen auslösen können.
Warum der Chemikalien-Mix problematisch ist
Dass die Grenzwerte eingehalten wurden, bedeutet laut Greenpeace nicht automatisch, dass die Produkte unbedenklich sind. Denn die Bewertung berücksichtigt in der Regel einzelne Stoffe - nicht unbedingt das Zusammenspiel verschiedener Chemikalien. Deren Wirkungen können sich gegenseitig verstärken oder zu neuen Effekten führen. Gerade bei Produkten für Kinder ist das ein wichtiger Aspekt.
Diese Klebetattoos wurden untersucht
Die stichprobenartig ausgewählten Produkte stammen aus dem österreichischen Handel, unter anderem von BIPA, dm, Müller und Pagro/Libro, sowie von Onlinehändlern wie Amazon, Shein und Temu. Die meisten davon dürfte es folglich auch in Deutschland geben.
Zu den bedenklichen Produkten gehören:
Laut Stiftung Warentest haben Amazon, Bipa, dm, Shein und Temu sowie Thalia betroffene Produkte bereits aus dem Sortiment genommen.
Das fordert Greenpeace
Greenpeace fordert strengere Regeln für Kinderprodukte. Krebserregende, hormonell wirksame, fortpflanzungsschädliche oder stark allergieauslösende Chemikalien sollen darin konsequent verboten werden. Zudem verlangt die Organisation ein EU-weites Verbot aller PFAS, eine stärkere Berücksichtigung des sogenannten Chemikaliencocktails bei der Bewertung von Produkten sowie strengere Kontrollen und eine transparente Kennzeichnung. Auch Online-Marktplätze wie Amazon, Temu und Shein sollen stärker in die Verantwortung genommen und bei gefährlichen oder falsch gekennzeichneten Produkten direkt haftbar gemacht werden.
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