
Ein alter Schornstein, eine aufwendige Baustelle und Kosten von rund 800.000 Euro: Auf dem Gelände von Faber-Castell in Stein im Landkreis Fürth steht eine ungewöhnliche Sanierungsmaßnahme an. Der historische Schornstein der Alten Bleimühle ist so stark beschädigt, dass er abgetragen werden muss. Ganz verschwinden darf er allerdings nicht. Deshalb soll eine neue Stahlkonstruktion künftig seine charakteristische Silhouette erhalten. Die Arbeiten wirken sich auch auf den Verkehr aus: Die Mühlstraße soll über Monate gesperrt werden.
Der Schornstein steht im Innenhof der historischen Alten Bleimühle an der Mühlstraße 2 und 2a und ist ein geschütztes Industriedenkmal. Der Gebäudekomplex gehört zum industriellen Erbe der Stadt Stein und erinnert an die lange Geschichte der Bleistiftherstellung am Standort.
Doch am Mauerwerk haben Abgase und Witterung ihre Spuren hinterlassen. Wie Andreas Eichinger, technischer Leiter der Faber-Castell Real Estate GmbH & Co. KG, gegenüber Fürth Aktuell erklärt, ist ein Erhalt des bestehenden Schornsteins nicht mehr möglich. Für die ursprüngliche Produktion wird er inzwischen nicht mehr benötigt.
800.000 Euro für Schornstein-Attrappe: Mühlstraße in Stein wird gesperrt
Einfach abreißen und die Fläche freigeben kann das Unternehmen dennoch nicht. Der Schornstein prägt das historische Werksgelände und ist weithin sichtbar. Deshalb soll seine Wirkung im Stadtbild erhalten bleiben. Wie Fürth Aktuell berichtet, erklärte Eichinger: „Die Wiedererrichtung des Schornsteins als Attrappe wurde seitens der Ämter zur Auflage gemacht.“
Das Landratsamt Fürth ordnet die Vorgabe laut dem Nachrichtenportal etwas anders ein. Demnach muss nicht der ursprüngliche gemauerte Schornstein vollständig rekonstruiert werden. Entscheidend sei vielmehr, dass seine charakteristische Erscheinung im historischen Werksgelände erhalten bleibe. Auch andere Materialien als die bisherigen Klinkersteine seien dafür zulässig.
Die Lösung: Der obere, runde Teil des Mauerwerksschornsteins soll durch eine Stahlkonstruktion ersetzt werden. Der historische achteckige Sockel bleibt bestehen und wird instand gesetzt. Der neue Aufbau wird etwa vier Meter niedriger als das Original. Auch eine praktische Aufgabe soll die Konstruktion erfüllen. Nach Angaben des Landratsamtes soll sie künftig Abluftleitungen des Unternehmens aufnehmen. Als klassischer Rauchabzug wird der Schornstein dagegen nicht mehr benötigt.
Die Kosten für die gesamte Baumaßnahme beziffert Eichinger gegenüber Fürth Aktuell auf 800.000 Euro.
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Wie Eichinger gegenüber dem Portal erklärt, bringt die Abkehr von einem vollständig gemauerten Wiederaufbau bereits eine finanzielle Entlastung. Der Einsatz neuer Materialien mache die Konstruktion günstiger als eine Rekonstruktion mit den ursprünglichen Formklinkersteinen.
Mit dem Ersatz des Schornsteins beschäftigte sich auch der Bau-, Verkehrs- und Umweltausschuss der Stadt Stein. In seiner Sitzung im November vergangenen Jahres befasste sich das Gremium mit dem Vorhaben. Aus der Beschlussvorlage geht hervor, dass der marode und statisch instabile Schornstein aus Gründen des Stadtbildes nicht ersatzlos verschwinden soll. Die Planungen sind das Ergebnis mehrjähriger Abstimmungen zwischen dem Unternehmen, der Stadtverwaltung und der Unteren Denkmalschutzbehörde. Laut der Beschlussvorlage reichen diese Gespräche bis ins Jahr 2019 zurück.
Der Bauantrag ging nach Angaben von Fürth Aktuell im November 2025 beim Landratsamt Fürth ein. Die Genehmigung wurde demnach im Januar 2026 erteilt. Einzelheiten wie die Verkleidung der Stahlkonstruktion sowie das Farb- und Materialkonzept müssen noch mit den Denkmalschutzbehörden abgestimmt werden.
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Wegen der Bauarbeiten wird die Mühlstraße im Bereich zwischen der Einmündung Lotharstraße und der Zufahrt zu den Anwesen Mühlstraße 4, 6 und 8 gesperrt. Der geplante Beginn der Arbeiten hat sich nach Angaben der Stadt Stein vom 16. auf den 28. Oktober verschoben. Enden sollen sie voraussichtlich am 30. Juli 2027. Der Verkehr soll über die Bundesstraße 14 und den Feuerweg umgeleitet werden. Die Umleitung ist nach Angaben der Stadt in beide Fahrtrichtungen möglich und wird vor Ort entsprechend ausgeschildert.
Ab der Einmündung Feuerweg wird die bestehende Einbahnstraßenregelung für die Dauer der Sperrung aufgehoben. Verkehrsteilnehmerinnen und -Teilnehmer werden gebeten, mehr Zeit für ihre Fahrten einzuplanen.
Die lange Bauzeit begründet Faber-Castell laut dem Portal mit dem Abbruch und der anschließenden Neuerrichtung des Schornsteins. Auch Arbeiten an den Fundamenten seien erforderlich. Das Unternehmen wolle regionale Firmen beauftragen, um die Bauzeit möglichst kurz zu halten.
Auch das Landratsamt geht laut dem Bericht davon aus, dass die Straßensperrung vor allem für den Abbruch notwendig ist. Wegen der Lage des Schornsteins innerhalb des Gebäudekomplexes müsse dieser voraussichtlich über die Mühlstraße abgetragen werden. Die spätere Montage der vorgefertigten Stahlteile dürfte nach Einschätzung der Behörde deutlich weniger Zeit in Anspruch nehmen.


