
Der Bergmannszug ruckelt zwei Kilometer in den Fels hinein, wir sitzen im Bademantel in den winzigen Waggons und sind ganz gespannt, was gleich passiert. Es fühlt sich seltsam an - wie die Fahrt zum Mittelpunkt der Erde. Je tiefer wir in den Gasteiner Heilstollen rollen, desto wärmer und feuchter wird es. 37 Grad zeigt das Thermometer, die Luftfeuchtigkeit klettert auf 70 Prozent. Weiter hinten im Stollen sind es sogar 41,5 Grad bei hundert Prozent Luftfeuchtigkeit - der Schweiß kühlt da nicht mehr bei dieser ungewöhnlichsten Wellness-Erfahrung der Alpen.
Das Gasteinertal ist anders, hier verbindet sich Winterurlaub an so vielen Orten mit wohltuender Wärme, Schnee und warme Thermalquellen treffen aufeinander. Die 19 Quellen am Fuße des Graukogels liefern täglich fünf Millionen Liter Thermalwasser mit 44 bis 47 Grad. Ein kleiner geologischer Schatz, den bereits Kaiser und Könige zu schätzen wussten.
Und so waren erst Bad Hofgastein und später Bad Gastein Kurorte der europäischen Aristokratie. Kaiserin Elisabeth (Sisi), Kaiser Wilhelm I., der österreichische Kaiser sowieso, aber auch Thomas Mann, Marlene Dietrich, Billy Wilder – sie alle suchten hier Erholung, wie man uns beim geführten Stars-und-Film-Spaziergang durch den Bad Gastein erzählt. Überraschend, wer hier überall Urlaub machte oder sich zu Filmen inspirieren ließ.
Die richtige Mischung
Wer eine Woche im Gasteinertal verbringt, sollte so planen: Vier Tage Skifahren und drei Tage in die Thermen, davon ein Vormittag im Heilstollen. Denn der ist mehr als Wellness: Die leichte Radonstrahlung wirkt bei häufigerer Anwendung entzündungshemmend, etwa bei Rheuma. Und die Wärme entspannt sowieso: Knapp 50 Minuten liegen wir still vor uns hinschwitzend bei 37 Grad auf Liegen im ehemaligen Stollen und atmen die feuchte Luft.
Ganz anders die klassische Felsentherme gegenüber des Bahnhofs in Bad Gastein - sie wurde in den Fels gesprengt und ist vor allem innen architektonisch beeindruckend. Vor alle für Paare ist sie ideal, die die Saunalandschaft mit Panoramablick in die Berge erleben. Die Alpentherme in Bad Hofgastein dagegen ist wegen ihres größeren Angebotes familienfreundlicher. Auch die Saunalandschaft ist größer - während die Eltern den Tag dort genießen, machen die Kinder einen Snowboard- oder Skikurs in der Skischule Bad Gastein.
Wintercamping mit Komfort
Unsere Basis ist der Kurcamping Erlengrund, wir machen dort mit unserem winterfesten Wohnmobil vergleichsweise günstig Wintercamping. Die Anlage bietet aber auch Ferienwohnungen und günstige Wohncontainer. Familiär geführt, haben Sie dort viel Platz, selbst in der Hauptsaison sind meist Stellplätze oder Zimmer frei. Der Platz hat sogar eine Biosauna, finnische Sauna und Infrarotkabinen, zudem erreicht man von der nahen Haltestelle alle vier Skigebiete des Gasteinertals bequem mit dem Skibus.
Drei Skigebiete, drei Charaktere
Das Skigebiet im Gasteinertal ist das höchste in Ski amadé jenseits der Gletscher. Dorfgastein ist mit Großarl über eine Skischaukel verbunden und hat zusammen 60 Kilometer Pisten, es ist eher familienfreundlich. Sportgastein ist mit 35 Kilometer eher klein, aber ein Freeride-Paradies mitten im Nationalpark gelegen. Bad Gastein mit der Schlossalm ist mit gut 70 Pistenkilometern das größte Gebiet. Extrem lange Abfahrten mit über 1500 Höhenmetern bis ins Tal sind hier möglich. Der traditionsreiche Graukogel wurde geschlossen, da sich der Betrieb wirtschaftlich nicht mehr lohnt - bei unserem Besuch in der Vorsaison standen die Lifte schon still.
Wer Kinder dabei hat, sollte immer Dienstags zum Nachtrodeln auf die Aeroplan-Hütte bis zur Mittelstation der Schlossalmbahn hinauffahren. Dann geht es zu Fuß über einen mit Fackeln stimmungsvoll beleuchteten Weg zur Alm. Für sechs Euro leiht man sich einen Schlitten und saust dreieinhalb Kilometer hinunter bis zu einem Reiterhof. Zurück geht‘s zu Fuß zur Talstation. Alternativ bietet auch die Bellevue Alm an mehreren Tagen Rodeln an - die Bahn ist mit 2,5 Kilometern war kürzer, doch die hübsche Alm, die Sie über einen uralten Einersessel-Lift erreichen, hat die ursprünglichere Atmosphäre.
Mehr Informationen zu dieser Reise
Gasteinertal Tourismus, Tel.: 0043-6432-3393 990, www.gastein.com
Skischule: Schneesportschule Bad Gastein, Tel.: 0043-6434-2260, Ski- und Snowboardkurse aller Art für Kinder und Erwachsene, einzeln und in Gruppen; www.skischule-badgastein.at
Skipass: Die Skiregion Gastein ist Teil des Salzburger Skiverbunds Ski amadé - 1 Skipass, 5 Regionen, bis zu 760 Kilometer Pisten und 270 Lifte - www.skiamade.com/de/Skigebiete/Gastein - das Gasteinertal ist eine der fünf Hauptregionen mit einer Mischung aus hochalpinen Abfahrten in drei Skigebieten und insgesamt rund 180 Pistenkilometern - Dorfgastein-Großarltal, Schlossalm-Angertal-Stubnerkogel und Sportgastein.
Wintercamping: Kurcamping Erlengrund mit viel Platz, sehr schönem Wellness-Bereich inkl. Sauna, Tel.: 0043-6434-30205, www.kurcamping-gastein.at
Die wichtigsten Winterevents:
Ö3 Gastein Sounds, 11. & 12. Dezember 2026
Ski Classics & Gastein Classics, 11.–20. Dezember 2026
Visa FIS Snowboard Weltcup 26. & 27. Jänner 2027
Lighthouse Festival 21.–24. Jänner 2027
Snow Jazz Gastein 11. - 14. März 2027
Tanz:Fest Winter Edition 10.–14. März 2027
Retro Festival 17.–21. März 2027
Gondeldinner, 11. März 2027
Die Nord 27. März 2027
Redaktioneller Hinweis: Die Recherche für manche Artikel in dieser Ausgabe wurde von Reiseveranstaltern, Hotels, Fluglinien oder Tourismusverbänden unterstützt.
Informationen des Umweltbundesamts über die Möglichkeit, den CO₂-Ausstoß Ihrer Reise zu kompensieren: www.umweltbundesamt.de/themen/freiwillige-co2-kompensation



