Nürnberg - Für Gelegenheitsfahrer sollte es eine günstigere Alternative zum Deutschlandticket geben. Doch daraus wird vorerst nichts. Bei ihrer Konferenz haben die Verkehrsminister den Vorschlag von der Tagesordnung genommen.

Ein digitales Ticket für Bus und Bahn, bei dem Gelegenheitsfahrer nur ihre tatsächlichen Fahrten bezahlen und monatlich nicht mehr als für das Deutschlandticket fällig wird: Diese Idee muss vorerst warten. Die Verkehrsminister haben den entsprechenden Antrag bei ihrer laufenden Konferenz im Allgäu von der Tagesordnung genommen. Das hat der Bayerische Rundfunk (BR) nach eigenen Informationen aus Teilnehmerkreisen erfahren.

Demnach wurde der Antrag mit dem Titel „Bundesweiter elektronischer Gelegenheitstarif“ mit Mehrheit gestrichen. Als Begründung sei angeführt worden, dass der Vorstoß zu kurzfristig vor der Konferenz eingereicht worden sei.

„Deutschlandticket light“: So sollte das neue Angebot funktionieren

Die Verkehrsminister von Hamburg und Nordrhein-Westfalen hatten das neue Ticket vorgeschlagen. Es sollte sich vor allem an Menschen richten, die Busse und Bahnen nur gelegentlich nutzen und für die sich ein monatliches Deutschlandticket bislang nicht lohnt.

Das Prinzip: Fahrgäste checken per Smartphone beim Einsteigen ein und beim Aussteigen wieder aus. Das System erfasst die Fahrt und berechnet den passenden Tarif. Addiert hätten die Kosten für sämtliche Einzelfahrten innerhalb eines Monats den Preis des Deutschlandtickets nicht überschreiten sollen. Dieses kostet derzeit 63 Euro monatlich.

Mit dem Vorstoß wollten Hamburg und Nordrhein-Westfalen eine digitale Alternative zum bestehenden Abo schaffen. Ein bundesweites Angebot nach dem Vorbild des nordrhein-westfälischen Systems „eezy.nrw“ hätte es Gelegenheitsfahrern ermöglicht, flexibel und ohne Tarifkenntnisse im öffentlichen Nahverkehr unterwegs zu sein.

Bayerns Verkehrsminister sieht fehlendes Geld als Problem

Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter (CSU), der derzeit auch den Vorsitz der Verkehrsministerkonferenz innehat, hatte sich dem BR zufolge bereits vor dem Treffen skeptisch geäußert. Für zusätzliche Leistungen fehle das Geld, sagte er sinngemäß. Schon heute gebe es einen erheblichen Finanzierungsbedarf, unter anderem bei der Bestellung von Regionalzügen.

Bernreiter verwies darauf, dass die Länder derzeit für mehr Geld vom Bund kämpften. In dieser Situation über eine Ausweitung des Angebots zu sprechen, sei aus seiner Sicht nicht angebracht.

Auch der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen sprach sich nach BR-Informationen gegen das geplante Gelegenheitsfahrer-Ticket aus. Unterstützung kam dagegen vom Fahrgastverband Pro Bahn und von Sozialverbänden. Sie sehen in einem solchen Angebot die Chance, den öffentlichen Nahverkehr auch für Menschen mit geringem Einkommen attraktiver zu machen.

Deutschlandticket wird 2027 teurer

Der vorläufige Stopp kommt zu einem Zeitpunkt, an dem die Kosten für das Deutschlandticket ohnehin steigen. Zum Jahreswechsel erhöht sich der monatliche Preis von derzeit 63 Euro auf 66,80 Euro.

Ob und wann die Verkehrsminister das Vorhaben erneut beraten, ist derzeit noch offen.