
„Herzlichen Glückwunsch, Sie haben keine MS.“ Mit diesem Satz wurde Christina Applegate (54) nach eigener Schilderung kürzlich von ihrer Ärztin überrascht. Seit fünf Jahren hatte die Schauspielerin geglaubt, an Multipler Sklerose (MS) erkrankt zu sein, einer Autoimmunerkrankung, bei der das Immunsystem das zentrale Nervensystem angreift. Nun sagt sie: Die Diagnose war offenbar falsch. Freuen konnte sie sich jedoch nicht darüber, im Gegenteil.
Die überraschende Wendung erzählt die „Eine schrecklich nette Familie“-Darstellerin, die in der US-Sitcom die nicht unbedingt kluge wasserstoffblonde Kelly „Dumpfbacke“ Bundy verkörperte, in einer Doppelfolge ihres Podcasts „MeSsy“, die am Dienstag erschien. Dort spricht sie gemeinsam mit Jamie-Lynn Sigler (45), die selbst an MS erkrankt ist, über das Leben mit der Krankheit. „Ich war überhaupt nicht glücklich. Alle anderen waren so glücklich“, sagt Applegate laut CBS News über den Moment in der Arztpraxis.
Begonnen hatte alles 2021: Applegate bemerkte damals nach eigenen Angaben ein Taubheitsgefühl in den Zehen, das sich auf die Beine ausbreitete. Es folgten unter anderem Lumbalpunktion (Entnahme von Nervenwasser) und MRT. Auf den Aufnahmen seien Dutzende Läsionen (Schädigungen) im Gehirn zu sehen gewesen, erzählt sie laut Guardian. „Das war meine Antwort auf alles, was mit mir los war“, sagt sie. „Ich hatte jedes Symptom eines Menschen mit MS. Jedes einzelne.“
Ins Wanken kam die Diagnose nach Applegates Schilderung dann vor einigen Jahren: Um herauszufinden, wie die B-Zellen (das sind Immunzellen, die bei MS eine Rolle spielen) reagieren, wurde eine laufende Infusionstherapie pausiert. Das Ergebnis: Weder stieg die Anzahl der Zellen, noch sank sie. Daraus sei „eine Art Studie zu meiner Diagnose“ geworden, so Applegate in dem Podcast, die schließlich zur Erkennung der Fehldiagnose führte.
Kein Einzelfall
Ein Einzelfall ist Applegate offenbar nicht: In der Folge spricht sie mit der Neurologin Marwa Kaisey vom Cedars-Sinai Medical Center in Los Angeles. Fehldiagnosen seien „ziemlich häufig“, sagt Kaisey laut USA Today im Podcast, denn es gebe keinen einzelnen Test für MS, und die Symptome kämen auch bei vielen anderen Erkrankungen vor. In einer eigenen Untersuchung habe fast jeder Fünfte der Menschen, denen man MS diagnostiziert hatte, die Krankheit tatsächlich nicht gehabt. Eine Schweizer Studie im „Multiple Sclerosis Journal“ aus dem Jahr 2024 kommt laut Guardian auf rund 15 Prozent Fehldiagnosen in den untersuchten Fällen.
Am Alltag von Christina Applegate ändert das nichts: „Man bekommt keine Fehldiagnose, und plötzlich geht es einem besser“, sagt sie im Podcast. „Wenn überhaupt, ist es in mancher Hinsicht schlimmer geworden.“ Beim Arzt sitze sie weiter im Rollstuhl, vom Auto bis ins Sprechzimmer könne sie nicht laufen. Dreimal pro Woche hat sie nach eigenen Angaben Physiotherapie. Dazu kommt noch ein ganz anderes Problem: Sie und Sigler seien zu „Gesichtern der MS“ geworden, sagt Applegate, und nun habe sie das Gefühl, alle enttäuscht zu haben. „Ich hatte einen Grund dafür, warum mein Tag jeden Tag mies war. Jetzt habe ich keinen mehr.“ Sigler widerspricht in der Folge deutlich: „Du hast niemanden getäuscht“, sagt sie laut Guardian. Was Applegate geteilt habe, bleibe bestehen.
Wie es weitergeht, ist offen. Die Suche nach der eigentlichen Ursache ihrer Beschwerden soll nach Applegates Angaben in der kommenden Woche beginnen. Wonach die Ärzte dabei genau suchen, weiß sie selbst noch nicht.