
Seit mehr als 19 Jahren fehlt von Kerstin Lee Langley jede Spur. Nun kommt Bewegung in den ungeklärten Vermisstenfall: Am 9. Oktober haben Ermittler in der Gemeinde Berg im Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz menschliche Überreste gefunden. Diese Knochen sollen laut Polizei „mit hoher Wahrscheinlichkeit die Knochen von Kerstin Lee Langley“ sein, das wurde in einer Pressekonferenz am Montag, 19. Oktober bekanntgegeben.
Bei einer Pressekonferenz stellten Polizei und Staatsanwaltschaft die bisherigen Ermittlungsergebnisse vor. Demnach stehen zwei Personen unter dringendem Tatverdacht: ein 66-jähriger Deutscher und eine 56-jährige Frau. Ein dritter Beschuldigter, der damalige Lebensgefährte von Kerstin Lee Langley und Ex-Mann der 56-Jährigen, ist bereits verstorben. Gegen den 66-Jährigen wurde Haftbefehl erlassen, er befindet sich in Untersuchungshaft, der Untersuchungshaftbefehl gegen die 56-Jährige sei außer Vollzug gesetzt worden, teilte Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher mit.
So kannten sich die Beteiligten
Die Polizei nannte die Beteiligten heute übersichtshalber Beschuldigte A,B und C. Kerstin Lee Langley und der bereits verstorbene Beschuldigte C hatten sich auf einer Geburtstagsfeier kennengelernt. C war zuvor mit der heute 56-jährigen Beschuldigten B verheiratet. Nachdem B ausgezogen war, weil C mit Lee Langley eine Liebes-Beziehung einging, kam sie bei dem heute 66-jährigen Beschuldigten A unter und wohnte daraufhin mit ihm in einer WG. Auch der Beschuldigte A und Lee Langley kannten sich bereits vor der mutmaßlichen Tat.
Geständnis bringt Bewegung in den Cold Case
Kerstin Lee Langley wurde im Sommer 2007 von ihrem Bruder als vermisst gemeldet. Die Polizei ermittelte damals unter anderem an ihrem damaligen Wohnort. Hinweise auf ein Gewaltverbrechen ergaben sich zunächst nicht.
Erst 2012 nahm der Fall eine neue Wendung. Die heute 56-jährige Beschuldigte B soll sich bei einer Feier offenbart und erzählt haben, ihr Ex-Mann und Lebensgefährte von Lee Langley, der Beschuldigte C, habe zwei Frauen getötet. Gäste der Feier informierten daraufhin die Polizei. Eine der angeblich getöteten Frauen wurde später wohlbehalten aufgefunden, bei der zweiten soll es sich um Kerstin Lee Langley gehandelt haben. Die Beschuldigte B ging ebenfalls bereits damals für ein erstes Geständnis zur Polizei und zeigte den Ermittlern einen möglichen Ablageort in der Nähe des heutigen Fundorts. Auch ihr Ex-Mann, der Beschuldigte C und der heute 66-jährige Beschuldigte A gerieten ins Visier der Ermittler. Konkrete Beweise reichten damals jedoch nicht aus, um weiter gegen sie vorzugehen.
Im Juni 2024 wurde der Fall erneut in der Sendung „Aktenzeichen XY … ungelöst“ vorgestellt. Bei der Polizei gingen 22 Hinweise ein, die anschließenden Suchmaßnahmen blieben erfolglos. Dabei wurden lediglich Tierknochen gefunden.
Im August 2026 meldete sich Beschuldigte B dann erneut bei der Polizei. Sie wollte ein Geständnis ablegen, weil sie nach eigenen Angaben nicht länger mit der Belastung leben konnte und reinen Tisch machen wollte, so die Polizei heute in einer Pressekonferenz. In Anwesenheit ihres Pflichtverteidigers machte sie umfangreiche und detaillierte Angaben. Sie zeigte den Ermittlern zwei mögliche Ablageorte, unter anderem ein Gebiet bei Kadenzhofen, Landkreis Neumarkt in der Oberpfalz, sowie einen Bereich in Sulzbach-Rosenberg. An einem davon fanden die Einsatzkräfte schließlich sechs menschliche Knochen, rund 500 Meter vom bereits 2012 untersuchten Ort entfernt.
Das Landeskriminalamt untersuchte die Funde. Die DNA-Analysen ergaben, dass es sich „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ um Überreste von Kerstin Lee Langley handelt.
So soll die Tat abgelaufen sein
Nach der Darstellung der Beschuldigten B sollen sich die drei Beschuldigten A, B und C verabredet haben, um Kerstin Lee Langley zu töten. Alle hätten aus unterschiedlichen Gründen „einen Groll gegen die Frau gehegt“, so der Leiter der Kriminalpolizei Regensburg, Robert Fuchs. In der Wohnung ihres damaligen Lebensgefährten C sei es zum Zusammentreffen gekommen.
Zunächst soll B versucht haben, Lee Langley zu erwürgen. Als ihr das nicht gelang, soll der heute 66-jährige Beschuldigte A die Frau gewürgt haben, bis sie starb. C, also der Lebensgefährte von Lee Langley und der Ex-Mann der Beschuldigten B soll dabei gewesen sein, jedoch nicht selbst mitgewirkt haben. Anschließend sollen die Beschuldigten den Leichnam vergraben haben.
Dies sei laut Oberstaatsanwalt Thomas Rauscher der bisherige Tatablauf, wie er sich auf Grundlage der aktuellen Erkenntnisse und Einlassungen darstellt.
Ermittlungen laufen weiter
Der 66-jährige Beschuldigte A hat sich bislang nicht zur Sache geäußert. Die Ermittler stützen sich bei der Rekonstruktion des Tatablaufs daher bisher maßgeblich auf die Darstellung von B. Die Ermittlungen dauern an, noch am Montag wurde eine weitere Durchsuchung durchgeführt. Für alle Beschuldigten gilt die Unschuldsvermutung.
Die Staatsanwaltschaft betonte, dass das Geständnis von B für die Aufklärung des Falls von großer Bedeutung sei. Ohne ihre Angaben bliebe der Fall möglicherweise weiterhin ungeklärt. Ob sich ihr Geständnis strafmildernd auswirken kann, wird im weiteren Verfahren eine Rolle spielen.
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