
Schlechte Neuigkeiten sind gute Presse. Und aus kaum einem anderen Kosmos erreicht den Deutschen so viel gute Presse wie dem Schienenkosmos. Themenfelder von Ärgerlich über Wunderlich bis Gibtsjanich werden zuverlässig abgedeckt. Hört der Deutsche bloß das Wort Bahn, stellt sich direkt eine gewisse Untergangsstimmung ein, die inzwischen oft heitere Züge annimmt. Das sind dann in der Regel auch die einzigen, die kommen.
Weniger bekannt für alltäglichen Wahnsinn als Dauerzustand zwischen Schiene und Schranke ist die VAG. Zwar schmilzt hier im Sommer schon mal die Vergussmasse aus den Gleisen, aber immerhin nicht aus den Ohren der Fahrgäste, wenn mal wieder irgendwo ein Zug mit defekter Klimaanlage steht und steht und immer noch steht, stundenlang ... Im Großen und Ganzen geht es manierlich zu in Bussen und Bahnen. Keine gute Presse also. Dieser Mangel an Aufmerksamkeit nagte offenbar an den Verantwortlichen.
„What the VAG?“, dachte man sich und produzierte kurzerhand eine fiktionale Serie über den realen Alltag im Nürnberger Nahverkehr. Was klingt wie ein Witz, der besser im Gleisbett geblieben wäre, rattert jetzt in Draisinengeschwindigkeit gen Youtube. Jede Woche gibt‘s eine neue Folge – PÜNKTLICH!
Günni aus Nürnberg kontrolliert – Hochspannung in der U1
Die erste Staffel umfasst laut eigenen Angaben sechs Folgen und spielt in der U-Bahn-Linie U1: „Der erfahrene U-Bahn-Fahrer Günni kontrolliert vor seinem Feierabend nochmals sein Fahrzeug und trifft auf Menschen in den unterschiedlichsten Lebenslagen. Allen ist jedoch eines gemein: Sie haben verpasst, rechtzeitig den U-Bahn-Zug zu verlassen.“
So bekomme es Günni beispielsweise mit einer überforderten Mama zu tun, einem traurigen Clown, einem ominösen Schachspieler und einem Pärchen, das seine Beziehung unbedingt in der U-Bahn klären muss. „Mit stoischer Ruhe, Menschlichkeit und auch einer Portion fränkischem Humor gelingt es Günni, die Situationen zu lösen und seinen Fahrgästen zu vermitteln, dass er für sie da ist.“
„What the VAG?“ – reale fiktionale Geschichten made in Nürnberg
Bei „What the VAG?“ handele es sich um „ausgedachte, leicht überspitzte Geschichten“, die sich „so oder so ähnlich“ immer wieder in Nürnbergs Bussen und Bahnen abspielten. Die Serie sei „eine Liebeserklärung an die Frankenmetropole und ihre Menschen mit all den regionalen Besonderheiten“. Die VAG plane damit, vor allem ein junges Publikum ansprechen. Ob der VAG das gelingt – und sei es nur als Cringe-Hit zum geselligen Fremdschämen wie bei „Boah Bahn“ mit Anke Engelke, dem Erfolgsformat des großen Bruders, der Deutschen Bahn – bleibt abzuwarten. Grundsätzlich lässt sich nichts einwenden gegen nahbare Verkehrsbetriebe. Noch lieber ist den Menschen nur ein nahtloser Verkehrsbetrieb.
Ab sofort sind der Trailer sowie die ersten beiden Folgen auf Youtube zu sehen. Staffel 2 ist bereits angekündigt.