Nürnberg - Für viele ist der Kaffee jeden Morgen zum Frühstück ein fester Bestandteil der Routine. Eine Studie der Oxford University warnt jetzt aber vor den möglichen Risiken des Heißgetränks.

Ob der erste Kaffee direkt nach dem Aufstehen oder eine Tasse Tee für die kleine Auszeit zwischendurch: Heiße Getränke sind für viele Menschen fester Bestandteil des Alltags. Doch ausgerechnet die Temperatur könnte dabei eine größere Rolle spielen als gedacht. Das legt eine Studie der Oxford Universität nahe, für die Forschende Daten von knapp einer Million Erwachsenen aus Großbritannien ausgewertet haben und die im Fachjournal "International Journal of Cancer" veröffentlicht wurde. Wer seine Getränke bevorzugt sehr heiß trinkt, hatte ein deutlich höheres relatives Risiko für eine bestimmte Form von Speiseröhrenkrebs. Auch die tägliche Menge an heißen Getränken stand mit einem erhöhten Risiko in Zusammenhang.

Wie heiß ist zu heiß?

Für die Untersuchung analysierte das Forschungsteam Daten von 977.282 Erwachsenen aus zwei großen britischen Langzeitstudien. Während der durchschnittlich elf bis 14 Jahre dauernden Nachbeobachtung wurden insgesamt 2.348 Fälle von Speiseröhrenkrebs registriert. Besonders auffällig war der Zusammenhang zwischen der bevorzugten Trinktemperatur und dem sogenannten Plattenepithelkarzinom der Speiseröhre. Menschen, die ihre Getränke als "sehr heiß" bevorzugten, hatten ein mehr als dreimal so hohes relatives Risiko wie jene, die ihre Getränke lieber warm tranken.

Auch die Kategorie "heiß" war mit einem erhöhten Risiko verbunden: Hier lag das relative Risiko um 69 Prozent höher als bei der Vergleichsgruppe, die ihre Getränke warm trank. Wichtig dabei: Die Forschenden haben die tatsächliche Temperatur der Getränke nicht gemessen. Die Teilnehmenden gaben selbst an, wie heiß sie ihren Kaffee oder Tee bevorzugten. Eine exakte Temperaturgrenze, ab der das Trinken gefährlich wird, lässt sich deshalb aus dieser Studie nicht ableiten.

Sechs Tassen am Tag: Welche Rolle spielt die Menge?

Nicht nur die Temperatur, auch die Häufigkeit des Konsums fiel in der Untersuchung auf. Wer täglich sechs oder mehr heiße Getränke zu sich nahm, hatte ein um 71 Prozent höheres relatives Risiko für ein Plattenepithelkarzinom als Menschen, die weniger als sechs Tassen tranken. Dieser Zusammenhang bestand unabhängig von der bevorzugten Trinktemperatur.

Die Forschenden beobachteten allerdings nicht bei allen Formen von Speiseröhrenkrebs vergleichbare Zusammenhänge. Während Temperatur und Trinkmenge mit dem Risiko für Plattenepithelkarzinome in Verbindung standen, zeigte sich für Adenokarzinome kein vergleichbarer Zusammenhang mit der Trinktemperatur. Bei der Trinkmenge war die Verbindung mit dieser Krebsform deutlich schwächer. Ob hauptsächlich Kaffee oder Tee getrunken wurde, machte für die beobachteten Zusammenhänge keinen wesentlichen Unterschied. Das spricht dafür, dass die Temperatur selbst eine wichtige Rolle spielen könnte.

So trinken Sie Kaffee und Tee besser

Muss jetzt der geliebte Kaffee am Morgen kalt werden? Nein. Die Ergebnisse sprechen vielmehr dafür, sehr heiße Getränke nicht sofort zu trinken, sondern ihnen etwas Zeit zum Abkühlen zu geben. Die Forschenden schätzen, dass im Vereinigten Königreich rund 14 Prozent der Plattenepithelkarzinome der Speiseröhre vermieden werden könnten, wenn Menschen, die ihre Getränke als "sehr heiß" bevorzugen, stattdessen die Kategorie "heiß" wählen würden. Das entspräche etwa 440 Fällen pro Jahr. Diese Schätzung beruht allerdings auf der Annahme, dass der beobachtete Zusammenhang ursächlich ist.

Was bedeutet das für unseren Alltag?

Die Studie liefert wichtige Hinweise darauf, dass sehr heiße Getränke die Speiseröhre belasten könnten. Sie beweist jedoch nicht abschließend, dass die Trinktemperatur allein Krebs verursacht. Trotz der großen Teilnehmerzahl bleibt zudem eine Einschränkung: Die Temperatur wurde nicht objektiv gemessen.

Die gute Nachricht für alle Kaffee- und Teeliebhaberinnen und -liebhaber: Ein genereller Verzicht auf heiße Getränke lässt sich aus den Ergebnissen nicht ableiten. Vielmehr lohnt es sich, den ersten Schluck nicht zu überstürzen und auf die getrunkenen Menge zu achten. Denn manchmal ist es eine kleine Veränderung im Alltag, die einen Unterschied machen könnte.