Eichstätt/Cham - Die Stadt hat vorsorglich alle Server vom Netz genommen. Die Folge: Sämtliche Dienste sind lahmgelegt. Wovon die Ermittler aktuell ausgehen und was der Angriff für die Bürgerinnen und Bürger bedeutet.

Nach einem kriminellen Cyberangriff stellt sich die Stadt Eichstätt auf einen längeren Ausfall ihrer IT-Systeme ein. „Wir haben derzeit noch nicht einmal die Informationen, die uns als Grundlage dienen könnten, um zu sagen, wie lange das dauert“, sagte Sprecherin Sophie Fries. „Wir bereiten uns auf alle Eventualitäten vor.“ Wie heute bekannt wurde, gab es am Donnerstag auch auf das Landratsamt Cham eine Cyberattacke. Diese ist den Angaben nach behoben.

Die Stadt Eichstätt hat wegen des Angriffs sämtliche Server vorsorglich vom Netz genommen, wodurch alle Dienste der Stadtverwaltung lahmgelegt wurden. Die Verwaltung war auch nicht mehr per E-Mail oder Telefon erreichbar. „Wir arbeiten gerade daran, für die Bürgerinnen und Bürger eine Übersicht zu erstellen, was funktioniert und was nicht“, erläuterte Fries.

Ermittler gehen von Ransomwar-Angriff aus

Die Ermittler gehen derweil von einem Ransomware-Angriff aus. Dabei werden Daten auf einem IT-System mit einer Erpressungs-Software verschlüsselt und die Entschlüsselung nur gegen Zahlung eines Lösegelds in Aussicht gestellt. Laut Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik wird den Opfern häufig zusätzlich mit der Veröffentlichung der entwendeten Daten gedroht.

Zwar stehe man noch am Anfang der Auswertungen, betonte eine Sprecherin der bei der Generalstaatsanwaltschaft Bamberg angesiedelten Zentralstelle Cybercrime Bayern. Aber: „Nach aktuellen Erkenntnissen wurde versucht, in das System einzugreifen.“

Angreifer noch unbekannt - Spuren gibt es viele

Aus welcher Richtung der Angriff auf die Stadt Eichstätt stammt, können die Fachleute noch nicht sagen. Genauso wenig, ob und gegebenenfalls welche Daten abgeflossen sind. „Zum aktuellen Stand ist es wirklich schwierig, belastbare Einordnungen und Bewertungen zu dem Vorfall zu machen“, sagte die Sprecherin der Zentralstelle.

Derzeit würden vorrangig technische Auswertungen durchgeführt. Gerade die Verfolgung von Ransomware-Angriffen sei aufwendig, weil „eine Vielzahl von digitalen Spuren“ ausgewertet werden müsse, erläuterte die Expertin.

Rathaus in dringenden Fällen persönlich und per Hotline erriechbar

Der Cyberangriff war Fries zufolge am Montagmorgen aufgefallen. Die Kommune arbeite eng mit Polizei und Landeskriminalamt zusammen; so seien LKA-Forensiker bis Montagabend im Rathaus gewesen.

Die Abteilungen des Rathauses bleiben derweil vorerst geschlossen. In dringenden Fällen können sich Bürger an einen Infopunkt im Rathaus oder eine Hotline wenden. Die Stadt rät ihren Bürgern zurzeit zur Vorsicht, wenn diese vermeintliche Mitteilungen oder Aufforderungen von der Stadt erhalten.

IT-Systeme im Landratsamt Cham zeitweise überlastet

In Cham handelte es sich bei der Cyberattacke gegen das Landratsamt um einen sogenannten Distributed-Denial-of-Service-Angriff (DDoS). Dieser habe sich am Donnerstag ereignet. Ziel sei dabei nicht das Ausspähen von Daten, sondern die Überlastung der Systeme und Dienste durch eine extrem hohe Anzahl gleichzeitiger Anfragen. Die Angriffswelle habe in den frühen Morgenstunden begonnen und sich in Wellen gesteigert.

Ein Mann sitzt vor einem Laptop, der mit einem fik
<p>Bei dem Angriff in Eichstätt scheint es sich um Erpressungssoftware zu handeln. (Symbolbild)</p> © Lino Mirgeler/dpa

Die interne IT-Abteilung habe die Ursache gemeinsam mit einer Fachfirma und dem Internetprovider bis zum Mittag aufgeklärt und Schutzmaßnahmen aktiviert, so dass ab dem Nachmittag der Regelbetrieb schrittweise habe wieder aufgenommen werden können, teilte die Sprecherin weiter mit. Der Vorfall sei dokumentiert und werde zur weiteren Verfolgung bei den Strafverfolgungsbehörden angezeigt.

Der Angriff erfolgte nach bisherigen Erkenntnissen aus einem weltweiten Netz kompromittierter Systeme. Die Anfragen stammten aus rund 50 Ländern, darunter Brasilien, Indien, Mexiko, Argentinien, der Irak und Bangladesch.