
Zwei Mitarbeitende des Landratsamtes Neumarkt sind vergangenen Donnerstag bei einer routinemäßigen Waffenkontrolle erschossen worden. Der Mann soll in Berngau im Landkreis Neumarkt einen 45 Jahre alten Mitarbeiter des Landratsamtes und dessen 54 Jahre alte Kollegin getötet haben, als diese den Jäger und Sportschützen für eine Waffenkontrolle aufsuchten. Am Montag öffnete das Neumarkter Landratsamt wieder für Besucher, nachdem es am Tag nach der Tat geschlossen blieb. „Es ist schrecklich, es ist schlicht und ergreifend grauenvoll. Wir können das Ganze bis zum heutigen Tag noch gar nicht richtig greifen“, sagt Landrat Martin Meier (FW) dem Bayerischen Rundfunk. Jetzt beraten das Innenministerium und Ämter, wie Mitarbeitende bei Kontrollen besser geschützt werden können.
Rathäuser aus den umliegenden Gemeinden drücken ihr Beileid aus und solidarisieren sich mit Neumarkt in der Oberpfalz. Auch der Bürgermeister der Gemeinde meldet sich zu Wort. „Das beschäftigt einen immens“, sagte etwa Neumarkts Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn (CSU) dem BR, „gerade wenn man natürlich selber als Oberbürgermeister eine Behörde, ein Rathaus leitet, weil man natürlich als Amtsleiter auch Verantwortung für Mitarbeiter hat.“
Der Neumarkter Landrat Martin Meier betont, jetzt alles „auf links drehen“ zu wollen und sich an der folgenden politischen Debatte zu beteiligen. Bereits am Freitag wurde über verbesserte Sicherheitskonzepte beraten. Im Landratsamt Regen werden Mitarbeitende bei Waffenkontrollen meist bereits von pensionierten Polizisten begleitet. Dort werde auch immer wieder über Schutzausrüstung wie schusssichere Westen gesprochen. „Für uns zählt der Wunsch der Mitarbeiter“, sagt das Landratsamt. Es wird versucht, Schutzausrüstung für die Mitarbeitenden bereitzustellen, sofern nach diesen gefragt werde.
In Bayern soll es nach Angaben des Innenministeriums knapp 200.000 Besitzer von Waffenberechtigungsausweisen und etwa 10.000 Kontrollen pro Jahr im Freistaat geben. Jetzt will Innenminister Herrmann mit Landratsämtern und Städten beraten, wie Mitarbeitende bei diesen Kontrollen besser geschützt werden können.
PETA fordert schärferes Waffengesetz und Verbot der Hobbyjagd
Auch die Tierrechtsorganisation PETA hat sich zu Wort gemeldet und fordert Bundesinnenminister Alexander Dobrindt auf, den Zugang zu Schusswaffen deutlich einzuschränken, um weitere Vorfälle zu vermeiden. „Das bestürzende Gewaltverbrechen an den Behördenmitarbeitern darf nicht folgenlos bleiben. Wie viele Tote braucht es noch, bis die Politik erkennt, dass die Jagdausübung drastisch eingeschränkt werden muss?“, so Peter Höffken, Fachreferent bei PETA. Die Gewalttaten und Jagdunfälle würden den dringenden Handlungsbedarf beim Waffenrecht verdeutlichen.
