
Wer ins „Maison Tabou“ eincheckt, gibt an der Rezeption seinen Namen ab. Danach wird es explizit - und erst am nächsten Morgen beim gemeinsamen Frühstück erfahren die Singles, mit wem sie da eigentlich die Nacht verbracht haben. So funktioniert das neue Erotik-Dating-Format von RTLZWEI und Streamingdienst RTL+.
Mit dabei war auch ein Teilnehmer aus Nürnberg, der bereits in der ersten Staffel der (ebenfalls sehr expliziten) Reality-Serie „Stranger Sins“ vor der Kamera stand. Für ihn ist diese Art des Kennenlernens nicht unbedingt neu, denn Alex ist seit rund neun Jahren Callboy und war auch schon mehrmals in unserem Podcast „heiß und innig“ zu Gast. „Bei mir ist es alles schon sehr komprimiert“, sagt er im Gespräch mit nordbayern.de. „Erst das Körperliche, dann die Person kennenlernen - das ist ja im Prinzip genau das, was ich mache.“
Angeschrieben wurde Callboy Alex, der eigentlich gelernter Fahrzeuglackierermeister ist, über Instagram. Die Produktionsfirma UFA suchte gezielt jemanden mit seinem Profil: jemanden, der Erfahrung damit hat, Intimität ohne den üblichen Kennenlern-Vorlauf zu erleben. „Die wollten nicht nur Paare, sondern auch jemanden, der da eine gewisse Erfahrung mitbringt“, erklärt er. Nach einem Casting in Köln - mit Fotos, Interview, Vorstellung - war er dabei.
In der Show trat Alex unter dem Pseudonym „Bruce“ an. Seine echte Identität blieb, wie bei allen Teilnehmern, bis zum Morgen danach verborgen. Zugewiesen wurde ihm Roxy als Partnerin: Sie ist auch Reality-TV-erprobt („Temptation Island“ / „Ex on the Beach“), ist tätowiert und kommt ebenfalls aus Nürnberg. „Alle haben gesagt, du könntest sie kennen“, erzählt Alex, „aber ich hatte sie nur mal in irgendeinem Format gesehen. Persönlich kannte ich sie nicht.“
Vor der gemeinsamen Nacht kam allerdings erst einmal das Abendessen, bei dem die beiden bestimmte Aufgaben erfüllen mussten: Alex sollte beispielsweise in eine Chili beißen. Eigentlich hätte ein Biss gereicht, doch er entschied sich, die ganze Chili zu verspeisen, was er später allerdings bereute: „Am Schluss nach dem Drehabend hatte ich echt Bauchschmerzen“, sagt er und lacht.
Aber ist das nicht seltsam, die ganze Zeit von Kameras beobachtet zu werden? Nein, erklärt Alex: „Die Kamera blendest Du da komplett aus.“ Und generell ließen er und Roxy den Dingen einfach ihren Lauf, ohne etwas zu erzwingen: „Ich lasse die Situation so kommen, wie sie kommt. Das mache ich immer so“, sagt er. Neben der Tatsache, dass Roxy genau Alex’ Typ ist, hat auch geholfen, dass sie beide aus der Region kommen. „Mit einer Frau aus Berlin oder München hätte ich diesen Draht nicht gehabt.“
Und nicht nur Alex hat sein perfektes Match gefunden - auch zwischen anderen Teilnehmerinnen und Teilnehmern hat es ordentlich gefunkt. David, den er bereits aus der Erotik-Reality-Show „Stranger Sins“ kennt, hat es mit seiner Partnerin Wanti offenbar ebenfalls sehr gut erwischt: Sie ist dominant, während er es mag, dominiert zu werden. Bei Cathleen und Ray, einem anderen Paar aus der Show, ist es genau umgekehrt: Sie wollte ihre devote Seite ausleben und ließ sich von Ray fesseln und mit Kerzenwachs beträufeln.
Warum Frauen einen Callboy buchen
Wer Alex fragt, was seine Kundinnen wirklich wollen, bekommt eine Antwort, die über das Offensichtliche hinausgeht. Ja, es gehe um Sex. Aber eben nicht nur. „Es gibt viele Frauen, die haben jemanden verloren, die haben krankheitsbedingt irgendwas durchgemacht – Krebs oder sonst irgendwas. Die wollen eine Bezugsperson.“ Andere seien in der Arbeit gemobbt worden und hätten danach keinen Zugang mehr zu Männern gefunden. „Meistens steckt mehr dahinter.“
Dass er dabei konsequent zwischen Business und Privatleben trennt, hat seinen Preis: Beziehungen sind in seinem Job schwer zu führen. „Irgendwann werden die Frauen eifersüchtig und sagen, man soll mit dem Job aufhören.“ Genau deshalb hat er sich für das Format entschieden - nicht nur wegen der Reichweite, sondern auch mit der Hoffnung, eine Frau zu finden, die „auf der gleichen Wellenlänge ist“ und Verständnis für seinen Job hat. Und das ist ihm offenbar gelungen, denn Roxy ist auf OnlyFans aktiv, was Alex - anders als viele Männer im Reality TV - kein bisschen stört.
„Meistens wollen die nur ihren Fame haben“
Am Ende des Gesprächs drängt sich dann aber doch noch eine Frage auf: Lernt man Menschen durch Sex besser kennen als durch Small Talk? Alex überlegt kurz. „Beim Small Talk trinkst Du gemeinsam Kaffee und siehst die Person danach vielleicht nie wieder. Beim Sex dagegen weißt Du gleich: Wie ist die gegenseitige Anziehung? Kann man sich etwas für die Zukunft vorstellen, und falls ja, was?“
Das war für ihn auch der Reiz an „Maison Tabou“, denn nach dem Dreh bestand ja noch die Möglichkeit, die Person weiter kennenzulernen, falls das Interesse besteht. „Es ist ja nicht immer so, dass jemand ins Reality TV geht, um wirklich jemanden kennenzulernen. Meistens wollen die einfach nur ihren Fame haben“, sagt Alex. Anders als er und Roxy: Nach der Aufzeichnung der Show trafen sie sich inzwischen mehrfach wieder - und das nicht nur, um gemeinsam die Ausstrahlung der zweiten Folge anzusehen.
„Maison Tabou“ läuft mittwochs um 23:35 Uhr bei RTLZWEI und ist sieben Tage vorab auf RTL+ abrufbar.
