Nürnberg - Wo lebt es sich in Deutschland besonders stressfrei? Ein neuer Stressindex hat 30 deutsche Städte miteinander verglichen. Eine Stadt in Bayern landet dabei auf Platz 1, während Nürnberg bei Erholungsangeboten überrascht.

Stress gehört für viele Menschen zum Alltag. Zahlen des Robert Koch-Instituts (RKI) zeigen, dass etwa jede fünfte Person in Deutschland von einer erhöhten Stressbelastung berichtet. Chronischer Stress kann dabei das Risiko für bestimmte psychische und körperliche Erkrankungen erhöhen. Umso wichtiger sei die Stress-Prävention. Der Gesundheitsanbieter CanDoc hat deshalb einen „Stressindex Deutschland“ erstellt und darin 30 deutsche Großstädte anhand von zehn Faktoren untersucht. Dabei ging es unter anderem um Arbeitszeiten, Umweltbelastungen, Grünflächen sowie Gesundheits- und Präventionsangebote.

Stadt in Bayern ist die stressfreieste Stadt Deutschlands

Den ersten Platz belegt Augsburg. Die Stadt in Bayern punktet laut CanDoc mit einem ausgewogenen Gesamtbild: Mehr als 40 Prozent der Stadtfläche bestehen aus Grünflächen, und 72 Prozent der Einwohner erreichen eine solche Fläche innerhalb von 300 Metern. Hinzu kommen eine vergleichsweise geringe nächtliche Lärmbelastung und eine durchschnittliche Jahresarbeitszeit von 1275 Stunden.

Schlusslicht des Vergleichs ist Düsseldorf. Dort sind nachts 29 Prozent der Einwohner Straßenlärm von mehr als 55 Dezibel ausgesetzt - der höchste Wert im Ranking. Zur Einordnung: 55 Dezibel entsprechen in etwa der Lautstärke einer laufenden Kaffee- oder Waschmaschine. Zudem erreichen nur 63 Prozent der Einwohner schnell eine Grünfläche. Mit durchschnittlich 1357 Arbeitsstunden pro Jahr gehört Düsseldorf außerdem zu den Städten mit besonders langen Arbeitszeiten.

Nürnberg landet im Mittelfeld

Nürnberg erreicht in der Analyse von CanDoc Platz 14 und liegt damit im Mittelfeld des Rankings. Rund 31 Prozent der Stadtfläche sind Grünflächen, 66 Prozent der Einwohner haben innerhalb von 300 Metern Zugang zu einer solchen Fläche. Nachts sind 14 Prozent der Nürnberger dem untersuchten Straßenlärm ausgesetzt.

Wie stark das Lebensumfeld den Stress beeinflussen kann, erklärt Tobias Bosse, CEO von CanDoc: „Dauerhafter Stress zählt zu den größten Risikofaktoren für Erkrankungen, und seine Ursachen sind selten eindimensional. Neben der persönlichen Vorgeschichte prägt auch das direkte Lebensumfeld, wie viel Stress Menschen im Alltag erleben. Unsere Analyse zeigt: Die Voraussetzungen dafür sind in Deutschland alles andere als gleich verteilt.“

„Erholungsindex“: Nürnberg schneidet besonders gut ab

Ein anderes Bild zeigt sich im ebenfalls von CanDoc veröffentlichten „Erholungsindex“. Hier schafft es Nürnberg unter die besten drei Städte, gemeinsam mit Frankfurt am Main und München. Besonders gut schneidet die Frankenmetropole beim Angebot an Stress- und Entspannungskursen ab: Mit rund 16 Angeboten pro 100.000 Einwohner belegt sie den ersten Platz.

Auch bei der hausärztlichen Versorgung liegt Nürnberg weit vorne. Mit seiner Hausarztdichte erreicht die Stadt Platz zwei hinter Leipzig. Hausärzte seien häufig die erste Anlaufstelle, wenn sich Stress körperlich bemerkbar macht, etwa durch Schlafprobleme, Erschöpfung oder Herzrasen, erklärt der Gesundheitsanbieter.

Diese Faktoren fließen in die Untersuchung ein

Für den Vergleich wurden 30 deutsche Großstädte anhand von zehn Faktoren bewertet. Berücksichtigt wurden unter anderem Grünflächen und deren Erreichbarkeit, Straßenlärm, Feinstaubbelastung, Tropennächte, Wellness- und Entspannungsangebote, die medizinisch-psychologische Versorgung sowie die durchschnittliche Jahresarbeitszeit.

Die einzelnen Bereiche wurden dabei unterschiedlich gewichtet. Grünflächen und Natur machten 15 Prozent der Bewertung aus, Umweltstress 20 Prozent, Arbeit 25 Prozent sowie Wellness, Gesundheit und Prävention 40 Prozent. Insgesamt waren maximal 100 Punkte möglich. Je höher die Punktzahl, desto besser sind laut CanDoc die Voraussetzungen für einen möglichst entspannten Alltag.