
Club-Cheftrainer Miroslav Klose hatte vor 44.028 Zuschauern im Max-Morlock-Stadion zwei völlig unterschiedliche Durchgänge gesehen. „In der ersten Halbzeit hätten wir uns nicht beschweren dürfen, wenn Wolfsburg das dritte Tor macht“, räumte der Weltmeister von 2014 ein. „Wir hatten auch Chancen, die wir in anderen Spielen schon genutzt haben. Insgesamt waren wir in der ersten Halbzeit nicht so griffig und haben uns nur so ein bisschen gewehrt. In der zweiten Halbzeit war es ganz anders. Wir haben die Energie auf den Platz gebracht, das Stadion war da. Wir haben es dann sehr gut gemacht. Es war ein fantastisches, verrücktes Spiel.“
Vor einigen Wochen hatte Klose angekündigt, „nach fünf bis sieben“ Spieltagen ein erstes Zwischenfazit ziehen zu wollen. Nun bilanzierte der Coach: „Wir sind oben dabei, wir haben eine gute Mannschaft. Wir sehen uns schon als Top-Team. Wir haben unsere Messlatte mit den letzten Leistungen sehr hoch gelegt. Im Fußball musst du es aber immer bestätigen. Das muss unser Weg sein. Aber wir schauen auch nur von Spiel zu Spiel.“
Kloses Gegenüber Tobias Strobl fasste die abwechslungsreiche Begegnung folgendermaßen zusammen: „Das war das Spiel, was alle erwartet und sich gewünscht haben. Es stand Topspiel drauf und Topspiel war auch drin.“ Mit der ersten Halbzeit zeigte sich der Wölfe-Trainer noch sehr zufrieden. Nach dem Seitenwechsel hatte seine Mannschaft der Nürnberger Wucht zunächst nicht mehr allzu viel entgegenzusetzen. Strobl zufolge war es jedoch „klar, dass Nürnberg brennen wird. Nach dem 2:1 geht dann auch der Kopf an. Wir haben ihnen dann beide Hände gereicht, Nürnberg spielt das 2:2 überragend aus und wir machen es ihnen beim 3:2 viel zu einfach. Danach zeigen wir eine gute Moral und in der Schlussphase entsteht ein komplett wildes Spiel. Deswegen fühlt es sich heute nicht wie ein Punktgewinn an, aber auch nicht nach zwei liegengelassenen Zählern.“
Scobel und Zoma hadern mit spätem Gegentreffer
Auf Club-Seite stachen am Samstagabend gleich mehrere Akteure heraus. Allen voran war es Piet Scobel, der seine glänzende Entwicklung einmal mehr unterstrich. „Es war eine Achterbahn der Emotionen“, meinte der Doppelpacker. „Wir haben nicht gut ins Spiel gefunden und sind dann aber aus meiner Sicht mit einem zu hohen Rückstand in die Pause gegangen. Nach der Pause haben wir richtig Intensität an den Tag gelegt und gehen in der Folge verdient mit 3:2 in Führung.“ Doch dabei blieb es nicht, was Scobel auch mit fehlender Kraft erklärte. „So haben wir dann nach einer Ecke das 3:3 kassiert. Wir machen dann sogar noch das 4:3 und dürfen uns nie und nimmer das 4:4 einfangen“, haderte der 21-Jährige.
Dennoch konnte Scobel der Nürnberger Leistung auch Positives abgewinnen - insbesondere gemessen am Gegner: „Wolfsburg hat natürlich enorme Qualität und galt völlig zurecht am Anfang der Saison als Aufstiegsfavorit. Das sind die Teams, mit denen wir uns messen wollen und wenn du dann in der 90. Minute mit 4:3 führst, willst du das Spiel natürlich auch gewinnen. Trotzdem werden wir weiterhin nach vorne schauen.“
Auch Mohamed Ali Zoma gehörte einmal mehr zu den Hauptprotagonisten beim FCN. Der italienische Neu-Nationalspieler hatte ein „verrücktes Spiel“ gesehen. „Für uns war es ein hartes Stück Arbeit, nachdem wir mit dem 0:2 in die Pause mussten. Wir sind dann aber sehr fokussiert aus der Kabine gekommen und haben das Spiel gedreht. Am Ende ist es natürlich bitter, dass wir mit der letzten Aktion noch das Tor kassieren, aber insgesamt sind wir zufrieden mit unserem Auftritt.“ Ähnlich wie Scobel beschäftigte auch den Sieben-Tore-Mann der späte Nackenschlag: „Wenn du kurz vor Schluss das 4:3 machst, willst du natürlich auch gewinnen. Aber wir nehmen das jetzt so mit und richten den Blick dann schnell wieder auf die kommende Aufgabe.“
